Ethereum erlebt einen spannenden Widerspruch: Während der Kurs in den vergangenen Tagen deutlich nachgegeben hat, erreicht die Aktivität im Netzwerk neue Rekordwerte. Anleger sehen schwächere Preise, doch unter der Oberfläche läuft die Blockchain so stark wie nie zuvor. Im Kern geht es um die Frage, ob der Markt die fundamentale Nutzung unterschätzt oder ob der Rückenwind aus den Daten nicht ausreicht, um den Gegenwind aus Makro- und Wettbewerbssorgen zu kompensieren.

Kursdruck trotz starker On-Chain-Daten

Nach einem volatilen Monatsverlauf liegt Ethereum heute bei rund 2.900 US‑Dollar und damit spürbar unter den Höchstständen der vergangenen zwölf Monate. Auf Wochensicht summieren sich die Verluste auf knapp 9 %, seit Jahresbeginn steht ein Minus von gut 3 % zu Buche – der Coin notiert damit deutlich unter seinem 52‑Wochen-Hoch und nur noch knapp über dem Zwölfmonatstief.

Auslöser des jüngsten Rückgangs waren vor allem makroökonomische Sorgen. Marktteilnehmer reagieren nervös auf geopolitische Spannungen rund um neue Zölle, gemischte Erwartungen an die Q4-Berichtssaison und die bevorstehende Zinsentscheidung der US-Notenbank am 28. Januar. In diesem Umfeld kam es am Krypto-Markt zu gehebelten Zwangsliquidationen von mehr als 750 Millionen US‑Dollar, von denen Ethereum besonders betroffen war. Die Marktdominanz von ETH schwankte in der Woche zwischen 12,6 % und 11,7 %, gleichzeitig verzeichneten Ethereum-Fonds Abflüsse von rund 630 Millionen US‑Dollar.

Wichtige Unterstützungszone im Fokus

Technische Analysten sehen eine erste Beruhigung an einer markanten Unterstützungszone zwischen 2.791 und 2.720 US‑Dollar. Diese Spanne entspricht den Tiefs aus dem Dezember. On-Chain-Daten von CryptoQuant zeigen zudem, dass sogenannte Akkumulationsadressen – Wallets, die über längere Zeit kaufen, ohne nennenswert zu verkaufen – einen realisierten Durchschnittspreis nahe 2.720 US‑Dollar aufweisen. Historisch fungierte dieser Bereich als strukturelle Unterstützung, an der langfristig orientierte Käufer vermehrt aktiv wurden.

Der RSI von aktuell 42 signalisiert dabei einen neutral bis leicht angeschlagenen Markt, ohne klare Überverkauft-Signale. Der Kurs handelt zudem merklich unter dem 50- und 100‑Tage-Durchschnitt, was den bestehenden Abwärtstrend im mittleren Zeithorizont bestätigt.

Rekordaktivität im Netzwerk

Parallel zur Preisschwäche läuft die Ethereum-Blockchain auf Hochtouren. Am 17. Januar wurden 2.885.524 Transaktionen abgewickelt – der höchste Tageswert in der Geschichte des Netzwerks. Diese Rekordaktivität folgt unmittelbar auf das sogenannte Fusaka-Upgrade im Dezember, das die Datenkapazität erhöht und die Gebühren gesenkt hat.

Die zentrale Entwicklung dabei: Ethereum verarbeitet mehr Transaktionen denn je, obwohl der Token-Preis im gleichen Zeitraum zurückgesetzt hat. Diese Divergenz zwischen Marktstimmung und Nutzungsdaten deutet darauf hin, dass Ethereum als Infrastruktur weiterhin intensiv genutzt wird, auch wenn Anleger kurzfristig vorsichtiger agieren.

Fusaka-Upgrade im Detail

Das Fusaka-Upgrade, das im Dezember 2025 live ging, erhöht die Zahl der sogenannten „Blobs“ pro Block. Blobs sind Datenpakete, die vor allem für Layer‑2‑Lösungen relevant sind und helfen, Transaktionen günstiger auszulagern. Mit dem Upgrade sinken die Transaktionskosten, gleichzeitig steigt der mögliche Durchsatz – ein klares Plus für Anwendungen, die auf Skalierbarkeit angewiesen sind.

JPMorgan hob in einem Bericht vom 22. Januar hervor, dass Fusaka unmittelbar zu einem Rückgang der Gebühren und zu einem Anstieg von Transaktionen und aktiven Adressen geführt habe. Die US‑Bank bleibt aber vorsichtig, was die Dauerhaftigkeit dieses Effekts angeht. Historisch hätten Ethereum-Upgrades häufig kurzfristige Aktivitätsschübe gebracht, ohne das Niveau nachhaltig auf einem deutlich höheren Plateau zu halten. Zudem verweist JPMorgan auf die starke Konkurrenz: Neben Layer‑2‑Netzwerken wie Base, Arbitrum und Optimism drängen auch alternative Blockchains wie Solana auf Marktanteile.

Institutionelle Ströme: Großkauf trotz Unsicherheit

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Trotz des holprigen Marktumfelds bleibt das institutionelle Interesse an Ethereum sichtbar. Bitmine, der größte Ethereum-Treasury-Halter, hat 40.302 ETH im Volumen von rund 118 Millionen US‑Dollar zugekauft. Die Bestände steigen damit auf über 4,2 Millionen Ether, was etwa 3,5 % des gesamten Angebots entspricht und aktuell rund 12,3 Milliarden US‑Dollar entspricht.

Bitmine-Chair Tom Lee begründet den Schritt mit der Rolle von Ethereum im institutionellen Bereich: Ethereum sei heute die am breitesten genutzte und zuverlässigste Blockchain an der Wall Street, mit bislang keiner Downtime seit Start. Der jüngste Kauf steht zudem im Kontext der Entscheidung von JPMorgan im Dezember, Ethereum als Basis für seinen ersten tokenisierten Geldmarktfonds zu nutzen – ein weiteres Signal, dass klassische Finanzakteure das Netzwerk produktiv einsetzen.

ETF-Flows zeigen gemischtes Bild

Auf Produktebene ist das Bild differenzierter. US‑Spot-ETFs auf Ethereum verzeichneten im Januar Zuflüsse von rund 102 Millionen US‑Dollar, so Daten von DefiLlama. Gleichzeitig sind die Gesamtströme in Ether-verbundene Anlagevehikel jedoch uneinheitlich: Gelder flossen in neue Spot-Produkte, während ältere Trust-Strukturen Mittelabflüsse hinnehmen mussten. Unter dem Strich ist das institutionelle Engagement also vorhanden, aber nicht einseitig bullisch.

Sicherheit und Protokoll-Weiterentwicklung

Auf technischer Ebene arbeitet das Ethereum-Ökosystem an der Absicherung gegen künftige Risiken. Die Ethereum Foundation hat ein eigenes Team für Post-Quanten-Kryptografie aufgebaut. Ziel ist es, kryptografische Verfahren zu erforschen und zu testen, die auch gegenüber potenziellen Angriffen durch künftige Quantencomputer Bestand haben. Im Fokus stehen dabei sowohl das Konsensprotokoll als auch die Wallet-Infrastruktur.

Auch im Staking-Bereich gibt es Bewegung: Die Validator-Exit-Warteschlange ist auf null gefallen. Das bedeutet, dass Staker ihre hinterlegte ETH aktuell nahezu ohne Wartezeit abziehen können. Auf der anderen Seite bleiben die Eintrittswarteschlangen lang, was auf anhaltendes, aber nicht überhitztes Interesse am Staking hindeutet. Das System wirkt damit stabil, ohne die Extremwerte der vergangenen Staking-Hochphasen.

Makroumfeld und kurzfristiger Ausblick

Kurzfristig hängt die weitere Kursentwicklung stark an der Geldpolitik und dem allgemeinen Risikoappetit an den Märkten. In dieser Woche stehen neben der US‑Notenbank FOMC auch die Zinsentscheidung der Bank of Canada am 28. Januar im Fokus. Laut dem CME FedWatch-Tool sehen Marktteilnehmer derzeit nur eine Wahrscheinlichkeit von 2,8 % für eine unmittelbar anstehende Zinssenkung in den USA – ein Signal, dass von der Liquiditätsseite kurzfristig eher kein kräftiger Rückenwind zu erwarten ist.

Das Stimmungsbarometer „Crypto Fear & Greed Index“ steht mit 29 klar im Bereich „Furcht“. Technisch verweisen Analysten darauf, dass Ethereum den kurzfristig dominierenden Abwärtstrend erst dann überzeugend brechen würde, wenn ein Tagesschlusskurs über dem Hoch vom 20. Januar bei 3.198,31 US‑Dollar gelingt. Solange dieser Bereich nicht zurückerobert ist, überwiegt der Eindruck einer Konsolidierung unter Druck.

Damit steht Ethereum aktuell an einem Knotenpunkt: Auf der einen Seite Rekordaktivität im Netzwerk, fortgesetzte institutionelle Akkumulation und eine bislang haltende Unterstützungszone; auf der anderen Seite ein vorsichtiges Makroumfeld, spürbare Mittelabflüsse aus einigen Produkten und harter Wettbewerb durch Layer‑2‑Lösungen und alternative Chains. Die nächsten Wochen dürften zeigen, ob die starken Fundamentaldaten reichen, um bei einer Stabilisierung des Zinsbildes wieder in Richtung der jüngsten Zwischenhochs zu laufen.

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