Diginex vollzieht eine größere Weichenstellung: Mit der Übernahme von PlanA.earth holt sich der ESG-Softwarespezialist nicht nur neue Technologie ins Haus, sondern auch Visa und die Deutsche Bank als Aktionäre. Gleichzeitig bleibt die Aktie nach einem deutlichen Kursrückgang hoch bewertet und die Pipeline möglicher weiterer Zukäufe ist prall gefüllt. Wie passt diese aggressive Expansionsstrategie zur aktuellen Marktbewertung?

Plan A-Deal im Detail

Am 14. Januar meldete Diginex den Abschluss der Übernahme von PlanA.earth GmbH. Die Transaktion ist klar strukturiert:

  • 3 Millionen Euro in bar
  • 6.720.317 neue Stammaktien im Wert von rund 52 Millionen Euro
  • Gesamtvolumen: etwa 55 Millionen Euro

Plan A gilt als einer der führenden Anbieter für KI-gestützte CO₂-Bilanzierung und Dekarbonisierungsstrategien in Europa. Kunden sind unter anderem BMW, Deutsche Bank und Visa. Durch die Aktienkomponente des Deals werden Deutsche Bank und Visa nun Anteilseigner von Diginex.

Damit gewinnt Diginex nicht nur Technologie und Kundenbeziehungen hinzu, sondern auch eine sichtbare Verankerung bei zwei globalen Finanz- und Zahlungsdienstleistern.

Integrierte ESG-Plattform im Fokus

Mit der Integration von Plan A richtet Diginex seine Plattform strategisch neu aus. Das Ziel ist ein vollständig integriertes ESG- und Carbon-Accounting-Angebot.

Kernpunkte der neuen Aufstellung:

  • Diginex steuert eine ESG-Reporting-Plattform bei, die 19 globale Berichtsstandards abdeckt.
  • Plan A ergänzt präzise Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Emissionsverfolgung.
  • Hinzu kommt wissenschaftsbasierte Zielsetzung zur Dekarbonisierung.

Damit adressiert das kombinierte Produktangebot die steigende Nachfrage nach Lösungen, die Berichterstattung, Emissionsmessung und Reduktionsplanung in einem System bündeln. Branchenprognosen sehen den globalen Markt für ESG- und Carbon-Accounting-Software bis 2030 bei 80 bis 100 Milliarden US-Dollar.

Diginex positioniert sich hier als Infrastrukturanbieter für eine neue Compliance-Realität, in der Nachhaltigkeitsdaten ähnlich strikt geprüft werden wie Finanzkennzahlen.

Deutliche Kursreaktion, hohe Bewertung

Die Börse reagierte zunächst nervös auf die Nachricht. Am 15. Januar fiel die Diginex Aktie um 18,42 Prozent, begleitet von einem Handelsvolumen, das etwa viermal über dem üblichen Tagesdurchschnitt lag. Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei rund 440 Millionen US-Dollar.

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Die Bewertungskennzahlen unterstreichen die hohe Erwartungshaltung des Marktes:

  • Kurs-Umsatz-Verhältnis: 122,9
  • Kurs-Buchwert-Verhältnis: 40,5

Diese Multiples signalisieren eine sehr ambitionierte Bewertung. Der Kursverlauf ist entsprechend volatil: Seit Jahresbeginn liegt die Aktie rund 48 Prozent im Minus, auf Sicht von zwölf Monaten aber noch mehr als 300 Prozent im Plus.

Die Daten deuten darauf hin, dass der Markt starke Wachstums- und Ertragsperspektiven einpreist, gleichzeitig aber sensibel auf größere Transaktionen und Verwässerung reagiert.

Übernahmepipeline und weitere Zukäufe

Die Plan A-Transaktion ist Teil einer breiteren Akquisitionsstrategie. Diginex führt derzeit Verhandlungen über zwei weitere mögliche Übernahmen:

  • Resulticks für 2 Milliarden US-Dollar
  • Findings (IDRRA Cyber Security Ltd.) für bis zu 305 Millionen US-Dollar

Beide Vorhaben befinden sich noch im Stadium unverbindlicher Absichtserklärungen. Konkrete Abschlussbedingungen liegen damit noch nicht vor.

Bereits am 8. Januar schloss Diginex die Übernahme von The Remedy Project ab, einem Spezialisten für Menschenrechts-Due-Diligence in Lieferketten. Der Kaufpreis ist erfolgsabhängig strukturiert und umfasst bis zu 2 Millionen Aktien, gekoppelt an operative Zielerreichung.

Die Transaktionen zeigen, dass Diginex seine Plattform entlang zentraler ESG-Themen – Klima, Lieferketten, Compliance – ausbaut und dafür sowohl Bargeld als auch eigene Aktien als Akquisitionswährung nutzt.

Regulatorischer Rückenwind

Regulatorische Entwicklungen liefern zusätzlichen Kontext für die Expansionsstrategie. Die EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) und die Standards des ISSB verschärfen die Anforderungen an Unternehmen deutlich.

Wesentliche Punkte:

  • Nachhaltigkeitsberichte rücken näher an die Qualität und Verbindlichkeit von Finanzberichten.
  • Scope-3-Emissionen, also indirekte Emissionen entlang der Wertschöpfungskette, werden zunehmend als Pflichtbestandteil betrachtet.
  • Unternehmen benötigen Systeme, die Daten erfassen, konsolidieren und prüfungssicher bereitstellen.

Diginex setzt hier auf eine integrierte Lösung, die ESG-Reporting, Carbon Accounting und Dekarbonisierungsplanung in einer Plattform vereint. Ziel ist es, Insellösungen zu ersetzen und Daten so aufzubereiten, dass sie direkt in operative Entscheidungen und strategische Planung einfließen können.

Fazit: Hohes Tempo, hoher Anspruch

Mit der Übernahme von Plan A und dem Abschluss des Remedy-Projekts sowie den laufenden Gesprächen zu weiteren Zukäufen verfolgt Diginex einen klaren Kurs: Der Konzern will sich als zentraler Technologieanbieter für ESG- und Dekarbonisierungssoftware etablieren. Die Bewertung spiegelt diese Ambition bereits wider, wie die extrem hohen Multiples und der starke Kursanstieg im Jahresvergleich zeigen. Gleichzeitig macht der jüngste Kursrutsch deutlich, dass der Markt auf jedes größere Akquisitionssignal und auf die Umsetzung der Wachstumsstory sehr sensibel reagiert.

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