Liebe Leserinnen und Leser,

erinnern Sie sich an den Februar 2022? Die Märkte erlebten damals einen geopolitischen Angebotsschock, der die Energiepreise vertikal nach oben trieb und Inflationsraten auf historische Höchststände katapultierte. Gut vier Jahre später zeigen die Handelsschirme eine unheimliche Parallele. Die Eskalation zwischen Israel, den USA und dem Iran hat die Straße von Hormus faktisch versiegelt – jenes Nadelöhr, durch das normalerweise 20 Prozent des weltweiten Öl- und LNG-Handels fließen.

Es sind Tage, an denen Makroökonomie und Geopolitik auf brutale Weise verschmelzen. Die Konsequenzen für unsere Portfolios, aber auch für die europäische Realwirtschaft, zeichnen sich an diesem Freitagmittag immer schärfer ab.

Der Öl-Schock und das 150-Dollar-Szenario

Die Rohstoffmärkte verzeichnen den stärksten wöchentlichen Anstieg seit der russischen Invasion in der Ukraine. Brent-Rohöl ist in dieser Woche um satte 20 Prozent auf 87,50 US-Dollar pro Barrel geschossen, die US-Sorte WTI verteuerte sich sogar um 25 Prozent auf 84,77 Dollar.

Das könnte erst der Anfang sein. Katars Energieminister Saad al-Kaabi warnte in der Financial Times unmissverständlich: Sollten die Förderstaaten am Persischen Golf ihre Produktion einstellen müssen, sei ein Preissprung auf bis zu 150 US-Dollar je Barrel möglich. Wie angespannt die Lage ist, zeigt eine bemerkenswerte Kehrtwende in Washington: Das US-Finanzministerium hat die Sanktionen für russische Ölverkäufe an Indien kurzerhand für 30 Tage ausgesetzt. Man will um jeden Preis verhindern, dass der globale Ölmarkt kollabiert – während der Reederei-Gigant Maersk bereits wichtige Schiffsrouten nach Europa und Fernost suspendiert hat.

Europas Gas-Dilemma und die heimische Wirtschaft

Für Europa übersetzt sich diese Krise direkt in ein neues Energie-Problem. Analysten von Bernstein rechnen vor, dass der europäische Gas-Referenzpreis (Dutch TTF) um 40 bis 50 Prozent steigen müsste, um dringend benötigte LNG-Ladungen aus Asien nach Europa umzuleiten.

Das trifft auf eine Wirtschaft, die ohnehin auf der Stelle tritt. Eurostat bestätigte am Morgen, dass das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone im vierten Quartal lediglich um magere 0,2 Prozent gewachsen ist. In Deutschland formiert sich derweil Widerstand gegen kurzfristige politische Pflaster: Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger und andere Wirtschaftsverbände positionierten sich vor einem Treffen mit Kanzler Friedrich Merz klar gegen einen neuen Tankrabatt. Die Forderung der Wirtschaft: Echte, schnelle Reformen statt teurer Symptombekämpfung mit der Gießkanne.

Die Flucht in Sicherheit – und das Zögern der Notenbanken

Wenn geopolitische Risiken eskalieren, glänzt das Gold. Die April-Futures an der Comex kletterten am Freitagmorgen um weitere 0,9 Prozent auf atemberaubende 5.124,40 US-Dollar pro Feinunze. Auch Silber zieht an mit einem Plus von 2,26 Prozent auf über 84 Dollar. Die UBS rät ihren Kunden mittlerweile ganz offen, Absicherungen nach unten bei Edelmetallen zu verkaufen – man sieht schlichtweg kein Risiko für nennenswerte Preisrückgänge.

Gleichzeitig durchkreuzt der Konflikt die Pläne der Notenbanken. Ein prominentes Beispiel kommt aus Japan: Laut dem ehemaligen BoJ-Chefökonom Seisaku Kameda wird die Bank of Japan ihre für April anvisierte Zinserhöhung von 0,75 auf 1,0 Prozent wohl auf Juni oder Juli verschieben müssen. Die Kombination aus steigenden Ölpreisen und einem schwachen Yen macht die Inflationsbekämpfung zu einem Ritt auf der Rasierklinge.

Unternehmens-Kontraste: Infineon rutscht, Lufthansa steigt

Trotz der globalen Makro-Beben geht das Einzelwert-Spiel an den europäischen Börsen weiter – mit teils drastischen Ausschlägen.

Infineon unter Druck: Die Papiere des deutschen Chipkonzerns fielen um 4,8 Prozent ans Ende des DAX auf 40,26 Euro. Auslöser war eine Herabstufung durch die UBS auf „Neutral" mit Kursziel 45 Euro. Die Analysten sehen begrenzte Aufwärtspotenziale im KI-Geschäft, Risiken im chinesischen Automobilmarkt und eine verzögerte Margenerholung.

Lufthansa im Aufwind: Bemerkenswerte Stärke zeigt hingegen die Kranich-Airline. Trotz eines schwachen Nettogewinns im Geschäftsjahr 2025 kletterte die Aktie am Morgen um rund 3 Prozent. Der Grund? Ein überraschend positiver Ausblick für das Jubiläumsjahr 2026, in dem das Management mit einem signifikant höheren bereinigten operativen Gewinn rechnet.

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Krypto-Märkte im Schatten

Interessant ist das Verhalten von Bitcoin. Während Gold seinem Ruf als Krisenwährung gerecht wird, gab BTC um 3,38 Prozent auf 70.472 US-Dollar nach. Daran änderte auch die Nachricht nichts, dass der BlackRock IBIT-ETF seit Ende Februar weitere 21.814 Bitcoin im Wert von 1,58 Milliarden Dollar akkumuliert hat. Der Markt verdaut aktuell zudem einen neuen Token-Klassifizierungsrahmen der US-Börsenaufsicht SEC.

Was heute noch wichtig wird

Am Nachmittag richten sich alle Augen auf Washington: Die US-Arbeitsmarktdaten stehen an. In normalen Zeiten würden sie die Richtung der Aktienmärkte für die kommenden Wochen diktieren. Doch in diesen Tagen, in denen die Eskalation im Nahen Osten die Energiepreise treibt, könnten selbst starke Jobdaten zur Nebensache verkommen. Die dominierende Frage vor dem Wochenende bleibt, ob die Straße von Hormus geschlossen bleibt.

Ich wünsche Ihnen, trotz der unruhigen Nachrichtenlage, ein erholsames Wochenende. Behalten Sie einen kühlen Kopf!

Herzlichst, Ihr

Eduard Altmann