Commerzbank Aktie: Topjahr, neue Fronten
2025 war für die Commerzbank ein Ausnahmejahr – operativ und an der Börse. Nach einer Kursverdopplung und einem Milliarden-Aktienrückkauf ist der Titel mit rund 133 Prozent Plus in zwölf Monaten einer der stärksten Werte im DAX. Doch die eigentliche Bewährungsprobe beginnt erst jetzt: Wie geht es weiter im Machtpoker zwischen UniCredit, Großaktionären und Management?
Die Fakten im Überblick
- Kursplus 12 Monate: rund 133 %, Schlusskurs gestern bei 36,10 Euro
- Abstand zum 52‑Wochen-Hoch (41,58 Euro): etwa 13 %
- UniCredit hält knapp 29 % und bleibt knapp unter der Pflichtangebotsschwelle
- BlackRock reduziert auf unter 6 % – Gewinnmitnahmen statt strategischer Einstieg
- Aktienrückkauf über 1 Mrd. Euro abgeschlossen, rund 2,75 % des Kapitals eingezogen
- Neuer „Sanierungskredit“ zeigt Fokus auf Green Finance
- RSI bei 45,6 – technisch keine überkaufte Extremsituation
UniCredit baut Druck auf
Kern des aktuellen Szenarios ist der Anteil der italienischen Großbank UniCredit. Sie hält rund 29 Prozent an der Commerzbank – direkt und über Derivate. Damit bewegt sich UniCredit ganz bewusst knapp unter der 30‑Prozent-Marke, ab der ein Pflichtangebot fällig wäre.
Diese Position verschafft CEO Andrea Orcel erheblichen Spielraum. Marktteilnehmer rechnen damit, dass im ersten Quartal 2026 der nächste Schritt folgen könnte – zeitlich passend zur Bilanzpressekonferenz im Februar. Klar ist: UniCredit hat sich die Option auf mehr Einfluss bereits gesichert, ohne sich formell festlegen zu müssen.
Im Kurs spiegelt sich diese sogenannte M&A-Prämie bereits wider. Ein vollständiges Übernahmeangebot müsste aus Sicht des Marktes über dem aktuell erreichten Niveau liegen, um die bisherige Rallye zu rechtfertigen.
BlackRock zieht sich zurück
Parallel dazu sortiert sich ein anderer wichtiger Player neu. BlackRock hat seine Beteiligung im Dezember schrittweise auf unter 6 Prozent reduziert. Stimmrechtsmitteilungen vom 23. und 29. Dezember belegen die Verkäufe.
Entscheidend ist die Einordnung: Es handelt sich nicht um einen strategischen Einstieg oder eine Schutzallianz gegen UniCredit, sondern um klassische Gewinnmitnahmen nach einem außergewöhnlich starken Kursanstieg. Die Spekulation um BlackRock als „weißen Ritter“ verliert damit an Substanz. Der Fokus verschiebt sich wieder klar auf das Duell zwischen Management und UniCredit.
Aktienrückkauf als stille Abwehr
Ein zentraler Baustein der Commerzbank-Strategie im abgelaufenen Jahr war der Aktienrückkauf. Das Programm über 1 Milliarde Euro ist abgeschlossen, rund 31 Millionen Aktien – etwa 2,75 Prozent des Grundkapitals – wurden eingezogen.
Die Effekte sind doppelt:
- Finanziell: Weniger ausstehende Aktien erhöhen den Gewinn je Aktie (EPS) und stützen den Buchwert je Anteilsschein.
- Strategisch: Für einen potenziellen Bieter wie UniCredit wird eine Übernahme teurer, weil der frei handelbare Streubesitz kleiner und der Kurs gestützt ist. Der Rückkauf funktioniert damit als „Soft Defense“, ohne eine offene Abwehrschlacht auszurufen.
Charttechnisch notiert die Aktie mit 36,10 Euro weiter deutlich über den wichtigen Durchschnittslinien: Der 50‑Tage-Durchschnitt liegt bei 34,14 Euro, der 200‑Tage-Durchschnitt bei 30,35 Euro. Der Abstand von knapp 19 Prozent zur 200‑Tage-Linie zeigt, wie stark der mittelfristige Aufwärtstrend bislang war.
Operativ: Green-Finance-Signal zum Jahresende
Trotz der Übernahmespekulationen sendet die Bank auch operative Signale. Mit einem neuen „Sanierungskredit“ für energetische Modernisierungen positioniert sie sich im wachsenden Markt für Green Finance. Dieses Produkt unterstreicht, dass die Ertragsgeschichte nicht nur von Zinsen und Kostensenkung, sondern zunehmend auch von nachhaltigen Finanzierungen getragen werden soll.
Der Relative-Stärke-Index (RSI) von 45,6 deutet zugleich darauf hin, dass der Titel nach der Jahresendrallye keine akute Überhitzung zeigt. Die annualisierte 30‑Tage-Volatilität von knapp 70 Prozent macht aber deutlich: Ausschläge bleiben möglich – in beide Richtungen.
Q1 2026: Bewährungsprobe für die Story
Im ersten Quartal 2026 verdichten sich mehrere entscheidende Termine und Themen:
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11. Februar 2026 – Bilanzpressekonferenz:
CEO Bettina Orlopp muss mit den vorläufigen Zahlen 2025 untermauern, dass die Stand-alone-Strategie tragfähig ist. Die starke Kursentwicklung 2025 basiert auf einer klaren Ertragswende und Kostendisziplin; nun wird der Markt genau hinschauen, ob sich diese Trends fortsetzen. -
UniCredit-Szenarien:
Es gilt als unwahrscheinlich, dass UniCredit dauerhaft mit 29 Prozent verharrt. Diskutiert werden vor allem zwei Wege: ein freiwilliges Übernahmeangebot oder der Versuch, über die Hauptversammlung mehr Einfluss zu gewinnen. -
Charttechnik und Marken:
Auf der Oberseite bleibt die Region um das 52‑Wochen-Hoch bei 41,58 Euro ein wichtiger Referenzpunkt. Ein erneuter Vorstoß in diese Zone würde das Momentum der 2025er-Rallye bestätigen. Auf der Unterseite könnte ein Rückgang in Richtung 32 Euro – einer im Markt beobachteten Unterstützungszone – anzeigen, dass ein Teil der M&A-Prämie wieder aus dem Kurs weicht.
Damit ist die Ausgangslage klar umrissen: Nach einem Jahr der Superlative geht es 2026 darum, ob Commerzbank operativ und strategisch das hohe Kursniveau rechtfertigen kann – oder ob aus der starken Performance des Vorjahres vorerst ein Konsolidierungskapitel wird.
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