Handelsstreit, Regulierungspause und ein nervöser Derivatemarkt setzen Bitcoin zum Wochenstart unter Druck. Nach einer Phase seitwärts gerichteter Kurse kippt die Stimmung kurzfristig deutlich ins Risiko-Minus. Gleichzeitig fließt so viel institutionelles Geld in Bitcoin-ETFs wie seit Monaten nicht mehr – ein Gegensatz, der die Lage kompliziert, aber auch spannend macht.

Tarife, Risikoaversion und Liquidationen

Auslöser der jüngsten Schwäche ist vor allem die politische Großwetterlage. US-Präsident Donald Trump hat am 18. Januar angekündigt, ab 1. Februar zehnprozentige Zölle auf Importe aus acht europäischen Ländern – darunter Deutschland, Großbritannien und Dänemark – zu erheben. Hintergrund ist ein diplomatischer Streit um Grönland. Eine Erhöhung der Tarife auf bis zu 25 % bis Juni steht im Raum.

Diese Ankündigung hat die weltweiten Aktienmärkte belastet und die Risikoaversion deutlich erhöht. Die Risikoabwägung schlägt auch auf Kryptowährungen durch: Bitcoin rutschte unter eine wichtige Unterstützungszone um 92.000 US‑Dollar und entfernte sich damit weiter vom Rekordhoch, das im Oktober markiert wurde. Auf Wochensicht steht dennoch ein moderater Zugewinn von gut 2 %, was die Spannweite der jüngsten Schwankungen unterstreicht.

Im Derivatemarkt führte der abrupte Kursrückgang zu einer Kettenreaktion. Innerhalb von 24 Stunden wurden rund 600 Millionen US‑Dollar an bullischen Kryptopositionen glattgestellt, davon mehr als 500 Millionen US‑Dollar an Longs. Die gesamte Marktkapitalisierung des Kryptomarkts sank in diesem Zuge um 2,65 % auf 3,12 Billionen US‑Dollar. Solche Liquidationswellen verstärken kurzfristige Bewegungen und verschärfen die Volatilität, ohne zwangsläufig etwas am grundsätzlichen Interesse an der Anlageklasse zu ändern.

Starke ETF-Zuflüsse trotz Kursdruck

Parallel zur Kurskorrektur zeigt sich auf der institutionellen Seite ein anderes Bild. US‑amerikanische Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten in der Woche bis zum 16. Januar Nettozuflüsse von 1,42 Milliarden US‑Dollar – der stärkste Wert seit Oktober 2025. Damit fließt trotz kurzfristiger Unsicherheit weiter frisches Kapital in regulierte Vehikel.

Besonders heraus sticht der iShares Bitcoin Trust (IBIT) von BlackRock. Er sammelte allein 1,035 Milliarden US‑Dollar ein und vereinte damit rund 73 % der gesamten ETF-Zuflüsse auf sich. Insgesamt verwalten Bitcoin-ETFs inzwischen Vermögen von etwa 124,56 Milliarden US‑Dollar. Das deutet darauf hin, dass institutionelle Investoren die aktuellen Rücksetzer eher für Positionsaufbau als für einen Ausstieg nutzen.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Bitcoin?

Auch auf Unternehmensebene bleibt die Nachfrage hoch. MicroStrategy hält inzwischen 687.410 BTC, was beim aktuellen Kurs einem Gegenwert von etwa 65 Milliarden US‑Dollar entspricht. Firmenchef Michael Saylor hat mit dem Slogan „Bigger Orange“ auf Social Media bereits weitere Käufe angedeutet. Der Vermögensverwalter Vanguard soll zudem eine Position von 505 Millionen US‑Dollar in MicroStrategy-Aktien eingegangen sein und erhöht damit indirekt seine Bitcoin-Exponierung. Sogar Unternehmen aus dem Konsumbereich ziehen nach: Die US-Restaurantkette Steak ’n Shake hat eine strategische Bitcoin-Reserve von 10 Millionen US‑Dollar angekündigt.

Regulierung: CLARITY Act auf Eis

Zu den geopolitischen Spannungen kommt eine neue Unsicherheit aus Washington. Die wichtige Abstimmung im Senatsausschuss für Banken, Wohnungsbau und Urban Affairs zur Digital-Asset-Gesetzesvorlage „Digital Asset Market Clarity Act“ (CLARITY Act) wurde verschoben. Grund: Der Kryptobörsenbetreiber Coinbase entzog dem aktuellen Entwurf am 18. Januar öffentlich seine Unterstützung.

Coinbase-CEO Brian Armstrong kritisierte vor allem die überarbeitete Senatsversion des Gesetzes. Branchenvertreter sehen problematische Punkte bei einem möglichen Verbot tokenisierter Aktien, Einschränkungen bei renditegenerierenden Stablecoin-Produkten und erweiterten staatlichen Zugriffsmöglichkeiten auf DeFi-Transaktionsdaten. Einige Marktbeobachter – darunter Michaël van de Poppe – argumentieren, eine Verzögerung sei besser als ein unausgereiftes Gesetz. Kurzfristig sind die Hoffnungen auf schnelle regulatorische Klarheit in den USA damit aber deutlich gedämpft.

On-Chain-Daten: Käufe, Verkäufe, Strukturwandel

On-Chain-Kennzahlen zeichnen ein gemischtes, aber insgesamt robustes Bild.

  • Whale-ähnliche Käufer: Adressen mit Beständen zwischen 10 und 1.000 BTC („Fish-to-Shark“-Kohorte) haben in den vergangenen 30 Tagen rund 110.000 BTC zugekauft. Das ist die höchste Akkumulationsgeschwindigkeit seit Ende 2022 und spricht für fortgesetztes Vertrauen größerer Marktteilnehmer.
  • Altbestände kommen auf den Markt: Gegenläufig wirkt der Abbau sehr alter Bestände. Eine Wallet aus dem Jahr 2012 verkauft seit Dezember 2024 schrittweise Teile eines 5.000-BTC-Bestands und hat bislang 2.500 BTC abgegeben. Solche Umschichtungen können zeitweise zusätzlichen Verkaufsdruck auslösen, zeigen aber auch, dass langfristige „Schläfer“-Coins wieder in Bewegung geraten.
  • Derivatemarkt im Wandel: Strukturell interessant ist, dass die offene Position (Open Interest) bei Bitcoin-Optionen mit 74,1 Milliarden US‑Dollar erstmals über der von Futures liegt, die sich bei 65,22 Milliarden US‑Dollar bewegen. Viele Analysten werten das als Zeichen eines reifenden Marktes: Optionen werden typischerweise für Hedging-Strategien und strukturierte Produkte genutzt und gelten als „stabileres“ Kapital als stark gehebelte Futures.

In Summe deutet das darauf hin, dass hinter den kurzfristigen Ausschlägen eine weiter aktive und zunehmend institutionell geprägte Marktstruktur steht.

Ausblick: 90.000 US‑Dollar als Nervenschwelle

Die Stimmung ist derzeit fragil. Der Angebotsanteil kurzfristiger Halter liegt wieder über der Gewinnschwelle, was historisch eher positive Signale liefert. Gleichzeitig belastet die Rückkehr der Zollrhetorik zwischen den USA und Europa die Risikobereitschaft und überlagert diese technisch eigentlich konstruktiven Signale.

Kurzfristig richtet sich der Blick auf die Marke von 90.000 US‑Dollar, die als psychologisch wichtige Untergrenze gilt. Mit Blick auf das anstehende Fed-Treffen Ende Januar wird am Zinsmarkt mit einer unveränderten Leitzinsentscheidung gerechnet. Damit dürfte die nächste größere Richtungsentscheidung vor allem von zwei Fronten kommen: der weiteren Entwicklung bei den angekündigten EU-Zöllen sowie dem Fortgang der festgefahrenen Kryptogesetzgebung in Washington.

Bitcoin: Kaufen oder verkaufen?! Neue Bitcoin-Analyse vom 19. Januar liefert die Antwort:

Die neusten Bitcoin-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Bitcoin-Investoren. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 19. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Bitcoin: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...