Die Wiener Börse zeigte am Donnerstag ein bemerkenswertes Comeback. Nach einem schwachen Start und deutlichen Verlusten kämpfte sich der heimische Leitindex, der ATX, zurück ins Plus. Zum Handelsende stand ein minimales Plus von 0,04 Prozent bei 5.412,09 Punkten zu Buche. Doch die eigentliche Nachricht war die angespannte Wartehaltung der Anleger.

Der Fokus lag eindeutig auf den für Freitag erwarteten US-Arbeitsmarktdaten. Diese könnten die Zinspolitik der US-Notenbank Fed beeinflussen und ließen die Märkte zögern. Selbst positive Konjunkturdaten aus Deutschland – starke Industrieaufträge – konnten keine nachhaltige Kauflaune auslösen.

Nach der Rally folgt die Konsolidierung

Der leichte Gewinn täuscht über die grundsätzliche Stimmung hinweg. Nach einer beeindruckenden Jahresendrally mit zwölf Gewinntagen in Folge tritt der ATX nun auf der Stelle. Zur Wochenmitte hatte der Index erstmals mit einem Minus geschlossen, eine erste Bremsung des Höhenflugs.

Anleger nutzten die Gelegenheit, bei einigen Titeln Gewinne mitzunehmen. Besonders deutlich zeigte sich das beim Technologiekonzern AT&S. Dessen Aktien büßten sieben Prozent ein und gaben damit einen Großteil der jüngsten Vortagsgewinne wieder ab. AT&S war 2025 der größte Gewinner im ATX, neigt aber bekanntlich zu heftigen Kursschwankungen.

Analystenskepsis trifft auf robuste Kurse

Interessant verlief der Handel bei Wienerberger. Die Aktie des Ziegelherstellers schloss trotz einer deutlichen Analysten-Warnung leicht im Plus. Ein UBS-Experte bekräftigte seine „Sell“-Empfehlung und ein Kursziel von nur 25 Euro. Seine Begründung: Die schwierige Lage im europäischen Wohnungsneubau und Risiken für die Unternehmensergebnisse sprächen gegen einen Kauf. Der Markt ignorierte diese Einschätzung zunächst und notierte bei 29,70 Euro.

Auf der Gewinnerseite glänzte Frequentis. Der Spezialist für Sicherheits- und Luftraumüberwachungssysteme legte im Prime Market um 4,1 Prozent zu. Das dürfte auch mit der weltpolitischen Lage zusammenhängen. Rüstungs- und Sicherheitswerte profitierten europaweit von Ankündigungen des US-Präsidenten, das Verteidigungsbudget deutlich anzuheben.

Fazit: Alles Augenmerk auf die USA

Der österreichische Markt zeigt sich robust, aber abwartend. Die innere Stärke, nach einem Tief zurück ins Plus zu finden, ist da. Doch die Richtung für die nächsten Tage wird sehr wahrscheinlich von jenseits des Atlantiks vorgegeben. Die US-Arbeitsmarktdaten entscheiden, ob die Konsolidierung in Wien weitergeht – oder ob eine neue Aufwärtsbewegung starten kann.