Alibaba, Marvell & Palantir: Wenn KI-Träume auf harte Realität treffen

Alibaba, Marvell & Palantir: Wenn KI-Träume auf harte Realität treffen
Liebe Leserinnen und Leser,
die Ernüchterung kam über Nacht: Während Nvidia noch seine KI-Dominanz zelebrierte, crashten gestern Abend die Aktien von Marvell Technology um über 11 Prozent. Der Grund? Ein Rechenzentrum-Ausblick, der die hochfliegenden Erwartungen pulverisierte. Doch das war nur der Anfang eines Tages, der zeigt: Die KI-Euphorie bekommt erste Risse – und nicht alle Gewinner von gestern sind die Champions von morgen.
Das China-Paradox: Alibaba zwischen Wachstum und Warnsignalen
Es hätte ein Triumphzug werden sollen. Stattdessen lieferte Alibaba heute Morgen Zahlen, die selbst optimistische Analysten ins Grübeln bringen. Der E-Commerce-Gigant verfehlte mit 247,7 Milliarden Yuan Umsatz die Erwartungen um satte 6 Milliarden – das entspricht etwa dem Jahresumsatz eines mittelgroßen DAX-Konzerns.
Was CEO Eddie Wu als "strategischen Fokus auf Konsum und KI" verkauft, ist in Wahrheit ein Spagat zwischen Tradition und Transformation. Die Cloud-Sparte wuchs zwar um beeindruckende 26 Prozent, doch das operative Ergebnis brach um 14 Prozent ein. Der Grund: Massive Investitionen in "Taobao Instant Commerce" – Alibabas Antwort auf die Quick-Commerce-Revolution, die in Deutschland Firmen wie Gorillas bereits verschlungen hat.
Besonders brisant für deutsche Anleger: Dänemarks drastische Wachstumsprognosen-Kürzung von 3 auf 1,4 Prozent zeigt, wie stark selbst nordeuropäische Volkswirtschaften vom China-Geschäft abhängen. Wenn sogar Novo Nordisk – Dänemarks Pharma-Juwel – wackelt, was bedeutet das für deutsche Unternehmen mit China-Exposure?
Marvell: Wenn der zweite KI-Sieger strauchelt
Die Zahlen klangen eigentlich fantastisch: 58 Prozent Umsatzplus, Nettogewinn statt Verlust im Vorjahr. Doch an der Wall Street reicht "gut" nicht mehr – es muss spektakulär sein. Marvells Problem ist hausgemacht: Das Unternehmen hatte sich als Nvidia-Alternative positioniert, als Spezialist für kundenspezifische KI-Chips für Microsoft und Amazon.
Jetzt die kalte Dusche: Microsoft verschiebt seine eigenen KI-Chips nicht auf 2028, wie fälschlich berichtet, sondern skaliert die Roadmap neu. Der Maia 200 kommt 2026, aber die Unsicherheit bleibt. Für Marvell bedeutet das: Die Pipeline wackelt, genau wie das Vertrauen der Investoren.
Der deutsche Blickwinkel? TSMC, Europas wichtigster Chip-Zulieferer, baut unterdessen ein Geheimwaffen-System zum Schutz seiner Geschäftsgeheimnisse. 610.000 registrierte Trade Secrets, KI-gestützte Überwachung, automatische Verschlüsselung – während amerikanische Chip-Designer über Quartalszahlen stolpern, sichert sich Taiwan seine technologische Zukunft. Ein Lehrstück für europäische Tech-Unternehmen.
Übrigens: Wer sich mit Blick auf die aktuellen Rückschläge fragt, wo die nächste echte Wachstumschance im Chip-Sektor liegt, sollte einen Blick auf das Thema „Neue Nvidia aus Europa“ werfen. Ich habe dazu ein sehr aufschlussreiches Webinar gesichtet, das detailliert erklärt, wie US-Investoren und europäische Konzerne auf den Chip-Krieg zwischen USA und China reagieren – und welche Aktie dabei als künftiger Schlüssel-Profiteur gilt. Den Bericht können Sie hier einsehen: Zur Analyse „Die neue Nvidia“
Deutsche Rüstung im Höhenrausch
Währenddessen erleben Rheinmetall, HENSOLDT und RENK ihren eigenen Boom – aber aus völlig anderen Gründen. Der deutsch-französische Ministerrat in Toulon wirkt wie ein Katalysator: Plus 3,5 Prozent für Rheinmetall, während der DAX schwächelt. Merz und Macron beschwören die "Achse" – die Börse übersetzt das in harte Euros.
Die Ironie dabei: Während Tech-Aktien von Zukunftsversprechen leben und sterben, profitieren Rüstungswerte von der bitteren Gegenwart. Selbst Alzchem, Spezialist für Sprengstoff-Vorprodukte, notiert im Plus. Es ist, als würde die Old Economy ihre Renaissance feiern, während die New Economy ihre erste Midlife-Crisis durchlebt.
Palantir: Die Überflieger-Warnung
Apropos Krise: Palantir zeigt, was passiert, wenn Bewertungen zur Glaubensfrage werden. Nach einem Allzeithoch von 190 Dollar Mitte August bröckelt der Kurs kontinuierlich. Die Analysten sind gespalten: Kursziele zwischen 45 und 200 Dollar – eine Spanne, die größer ist als der aktuelle Aktienkurs selbst.
Das Q2-Ergebnis war eigentlich ein Knaller: Eine Milliarde Dollar Umsatz, Gewinn bei 14 Cent statt erwarteten 8 Cent. Doch mit einem Kurs, der sich seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt hat, ist jede Enttäuschung ein Erdrutsch. Die deutschen Anleger, die bei 90 Euro eingestiegen sind, sitzen auf satten Gewinnen. Die Frage ist nur: Wie lange noch?
Die versteckten Gewinner
Während alle auf die großen Namen starren, passiert im Hintergrund Bemerkenswertes. Gerresheimer bekommt einen neuen CFO – Wolf Lehmann von Triton. Die Aktie, seit Jahresbeginn 40 Prozent im Minus, reagiert mit einem kleinen Freudensprung. Manchmal reicht ein Personalwechsel, um Hoffnung zu säen.
Noch kurioser: Vonovia platziert einen "Kangaroo Bond" in Australien – 850 Millionen australische Dollar, um ins Asien-Pazifik-Geschäft einzusteigen. Ein deutscher Wohnungskonzern auf Weltreise, während zu Hause die Immobilienkrise tobt. Mutig oder verzweifelt? Die Zeit wird es zeigen.
Volkswagen verlängert derweil seine Cloud-Partnerschaft mit Amazon um fünf Jahre. Die "Factory Cloud" soll die Produktion revolutionieren. Dass VW seine digitale Zukunft einem amerikanischen Tech-Giganten anvertraut, während in Wolfsburg über Werksschließungen diskutiert wird, hat seine eigene Tragik.
Für die kommende Woche steht der PCE-Index im Fokus – die Fed's bevorzugtes Inflationsmaß könnte heute Nachmittag für Bewegung sorgen. Broadcom präsentiert am 4. September Zahlen und gilt als nächster KI-Gradmesser. Und irgendwo zwischen all dem Lärm suchen Value-Investoren nach den Perlen, die gerade alle übersehen.
Die Lektion dieser Woche? Momentum ist keine Einbahnstraße. Was gestern noch als sicherer Gewinner galt, kann morgen schon Geschichte sein. Bleiben Sie wachsam – und skeptisch.
Mit nachdenklichen Grüßen aus einer Woche voller Überraschungen,
Andreas Sommer
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