50 % Plus und Allzeithoch: Der österreichische Aktienmarkt mit globalem Rückenwind
Der österreichische Leitindex ATX hat im vergangenen Jahr eine beeindruckende Rally hingelegt. Mit einem Plus von satten 50 Prozent und neuen Rekordständen um 5.440 Punkte übertrumpfte er viele andere europäische Märkte. Doch was treibt diese bemerkenswerte Performance an, wenn die heimische Wirtschaft nur minimal wächst? Die Antwort liegt in der globalen Verflechtung und der cleveren Sektorstruktur des Index.
Wachstumstreiber: Finanzwerte und internationale Umsätze
Der ATX wird stark von Banken und Versicherungen geprägt. Fast die Hälfte seiner Marktkapitalisierung stammt aus diesem Sektor. Und genau hier gab es 2025 spektakuläre Kursgewinne:
* Raiffeisen Bank International: +94 %
* Erste Group: +72 %
* BAWAG: +59 %
Diese Werte gaben dem gesamten Index enormen Rückenwind. Noch interessanter ist die internationale Ausrichtung der ATX-Schwergewichte. Viele Konzerne erwirtschaften den Löwenanteil ihrer Umsätze im Ausland und profitieren so von globalen Trends.
AT&S, der Top-Performer mit 166 % Kursplus, macht weniger als 10 % seines Umsatzes in Österreich – 77 % kommen aus den USA. Der Stahlkonzern voestalpine (106 % Plus) verdient sogar 92,5 % seines Geldes im Ausland. Diese Internationalität macht den ATX unabhängiger von der heimischen Konjunktur.
Der Fokus auf Zentral- und Osteuropa zahlt sich aus
Ein Schlüssel zum Erfolg ist die starke Präsenz in Zentral- und Osteuropa (CEE). Die wirtschaftliche Erholung in dieser Region nach den Krisenjahren führte bei vielen ATX-Unternehmen zu kräftigen Gewinnsprüngen. Die Erste Group, mit 39 Milliarden Euro Marktwert das größte Unternehmen im Index, erzielt rund 60 % ihrer Betriebserträge außerhalb Österreichs, vor allem in CEE.
Diese Abhängigkeit von internationalen Entwicklungen zeigt sich auch bei anderen Titeln. So können bereits Ankündigungen von Infrastrukturprogrammen in Deutschland die Kurse österreichischer Baukonzerne wie PORR oder STRABAG beflügeln – und damit den gesamten ATX nach oben ziehen.
Attraktive Bewertung und kräftige Dividenden
Trotz der Rekordjagd gilt der ATX weiterhin als vergleichsweise günstig. Experten von Raiffeisen Research stufen ihn als fair bewertet ein. Gegenüber dem breiten europäischen Aktienmarkt notiert er mit einem Abschlag von knapp unter 20 %. Das robuste Gewinnwachstum, vor allem der Finanzwerte, stützt diese Einschätzung.
Ein weiterer großer Pluspunkt ist die Dividendenstärke. Mit einer Ausschüttungsrendite von rund 5 % liegt der ATX im internationalen Vergleich deutlich vorn. Für Anleger, die auch die Dividenden mit einrechnen (Total Return), ist der Index bereits seit dem Frühjahr 2021 im Plus. Das dürfte viele langfristig orientierte Investoren anziehen.
Privatanleger entdecken den Heimatmarkt neu
Die Rally wird auch von einer wachsenden Basis heimischer Privatanleger getragen. Laut einer Studie besitzen mittlerweile 30 % der österreichischen Wohnbevölkerung Wertpapiere – ein Plus von drei Prozentpunkten. Zwei Drittel von ihnen setzen auf österreichische Aktien.
Die Motive sind überwiegend langfristig: 79 % sehen Aktien als Instrument für den Vermögensaufbau, 74 % zum Werterhalt. Mehr als die Hälfte denkt dabei an die private Pensionsvorsorge. Dieses fundamentale Interesse könnte dem Markt auch in den kommenden Jahren Stabilität verleihen. Die Wiener Börse sieht Potenzial: 1,4 Millionen Menschen ohne Depot haben laut Umfrage Interesse an einem Investment.
Fazit: Globaler Rückenwind für lokalen Index
Der ATX hat 2025 gezeigt, wie ein nationaler Index von globalen Faktoren profitieren kann. Getrieben von starken Finanzwerten, der internationalen Umsatzbasis seiner Konzerne und einer wiedererstarkten Region CEE, schrieb er eine Erfolgsgeschichte. Kombiniert mit einer attraktiven Bewertung und hohen Dividenden bleibt der österreichische Leitindex auch auf Rekordniveau für viele Anleger interessant. Die zunehmende Beteiligung der Privatanleger an der Heimatbörse gibt dieser Entwicklung zusätzlichen Halt.








