Durchwegs zuversichtlich haben sich die einzelnen Spitzenkandidaten am Sonntag bei der Stimmabgabe zur Tiroler Landtagswahl gezeigt. Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) zeigte sich optimistisch, "dass ein Vierer vor dem Ergebnis steht". SPÖ-Spitzenkandidatin Elisabeth Blanik glaubt an Platz zwei vor der FPÖ, deren Vertreter Markus Abwerzger seinerseits mit "ordentlichen Zugewinnen" rechnet.


Beim zweiten Urnengang auf Landesebene unter der schwarz-blauen Bundesregierung sind 537.273 Wahlberechtigte aufgerufen, über die Verteilung der 36 Mandate zu entscheiden. Die ersten Wahllokale öffneten um 6.30 Uhr, die letzten schließen um 17.00 Uhr. Das vorläufige Endergebnis, das die Briefwahl enthält, soll gegen 22.00 Uhr vorliegen.


Platter gab seine Stimme in seiner Heimatgemeinde Zams ab. Dabei zeigte sich der schwarze Landeschef einmal mehr optimistisch. Er habe ein "gutes" Gefühl, sagte er. "Heute ist Zeugnisverteilung", erklärte Platter und meinte auf sein angestrebtes Wahlergebnis umgemünzt: "Ein Vierer wäre wie ein Einser".


SPÖ-Spitzenkandidatin Elisabeth Blanik zeigte sich bei der Stimmabgabe in der NMS Lienz Nord vorsichtig optimistisch. "Der zweite Platz ist nach wie vor das Ziel, auch wenn es in den aktuellen Umfragen nicht danach aussieht", sagte Blanik nach ihrer Stimmabgabe gegenüber der APA. Die Stimmung beschrieb sie aber als "insgesamt gut".


Auch Grünen-Spitzenkandidatin Ingrid Felipe gab sich bei ihrer Stimmabgabe in ihrer Heimatgemeinde Rum zuversichtlich. Sie hoffe unverändert auf Zweistelligkeit, um für den Koalitionspoker gut vorbereitet zu sein, sagte sie in einer kurzen Stellungnahme.


"Sehr optimistisch" war NEOS-Spitzenkandidat Dominik Oberhofer, der in seiner Heimatgemeinde Telfes im Stubaital das "Kreuzerl" machte. Die Stimmung sei "hervorragend" und er sei überzeugt, dass man am Wahlabend Grund zum Feiern haben werde und es mit dem Landtagseinzug klappen werde, sagte Oberhofer der APA.


Als letzter der Spitzenkandidaten schritt zu Mittag FPÖ-Landeschef Abwerzger zur Wahl. Anlässlich der Stimmabgabe in einer Volksschule in Innsbruck-Pradl gab er sich zuversichtlich, ordentliche Zugewinne zu erreichen. Abwerzger verwies darauf, dass Umfragen den Freiheitlichen mindestens 13 Prozent zuwiesen. Ab einem solchen Ergebnis müsse man zufrieden sein. Einmal mehr betonte der freiheitliche Spitzenkandidat, dass seine Partei bereit sei zu regieren.


Als erster der Spitzenkandidaten war Impuls Tirol-Frontmann Josef Schett zur Wahlurne. Der 57-Jährige zeigte sich in Innervillgraten in Osttirol relativ entspannt: "Ich lasse es auf mich zukommen".


Die Spitzenkandidatin von "Family - Die Tiroler Familienpartei", Andrea Krumschnabel, gab zu Mittag in einem Wahllokal in einem Kindergarten in Kufstein ihre Stimme ab. "Ich bin nach wie vor ganz zuversichtlich, dass wir den Einzug in den Landtag schaffen", meinte sie.


Die ÖVP verteidigt mit Landeshauptmann Günther Platter, der seit 2008 an der Spitze des Landes steht, den Landeshauptmannsessel und will den historischen Tiefstand von 39,35 Prozent vom Jahr 2013 hinter sich lassen. Für die Grünen, Koalitionspartner der Volkspartei, geht es nicht nur darum, nach der niederösterreichischen Landtagswahl auch in Tirol den Verbleib im hiesigen Landesparlament zu sichern, sondern sich mit einem guten Ergebnis neuerlich für eine Regierungsbeteiligung ins Spiel zu bringen. 2013 erhielt die Ökopartei 12,59 Prozent.


Den Kampf um Platz zwei haben die Freiheitlichen, die 2013 9,34 Prozent eingefahren hatten, und die SPÖ, die mit 13,72 Prozent beim letzten Mal auf einem historischen Tiefstand gelandet war, ausgerufen. Die NEOS wollen nach Niederösterreich auch in Tirol mit ihrem ersten Anlauf in den Landtag einziehen. Ebenfalls auf das Überspringen der Fünf-Prozent-Hürde hofft die Liste Fritz bei ihrem insgesamt dritten Antreten. Bei der Landtagswahl 2013 gelang dies mit 5,61 Prozent knapp. Den Kleinparteien "Impuls Tirol" und "Family - Die Tiroler Familienpartei" dürfte das Umfragen zufolge verwehrt bleiben.