Kostspielige Abhängigkeiten, Kommentar zu Uniper von Annette Becker

Düsseldorf (ots) - Die gute Nachricht vorweg: In dem für das erste Halbjahr

ausgewiesenen Nettoverlust von Uniper von mehr als 12 Mrd. Euro sind die künftig

erwarteten Verluste aus der Ersatzbeschaffung von Gas weitestgehend enthalten.

Zwar hängt der genaue Betrag am Ende auch davon ab, wie viel Gas die russische

Gazprom tatsächlich liefert, doch wird dem ungebremsten Verlustaufbau von

Oktober an mit der Gasumlage Einhalt geboten. Dann muss Uniper "nur noch" 10

Prozent der Mehrkosten der Ersatzbeschaffung tragen.

Die schlechte Nachricht aber ist: Das Ende Juli zwischen Bundesregierung, Uniper

und Fortum beschlossene Rettungspaket im Volumen von 15 Mrd. Euro wird aller

Voraussicht nach nicht ausreichen. Bis zum 17. August sind Verluste aus der

Ersatzbeschaffung von 3,8 Mrd. Euro aufgelaufen, durchschnittlich gut 60 Mill.

Euro täglich. Basierend auf diesem Durchschnittswert wird sich bis Ende

September ein Verlust von 6,5 Mrd. Euro anhäufen. Im Zweifel wird der

tatsächliche Verlust höher ausfallen, eilt der Gaspreis derzeit doch von Rekord

zu Rekord und verteuert die Ersatzbeschaffung.

Gemäß der Vereinbarung hat sich der Bund verpflichtet, weitere

Stabilisierungsmaßnahmen zu ergreifen, sollte der Nettoverlust aus der

Ersatzbeschaffung 7 Mrd. Euro übersteigen. Zu welchem Instrument dann gegriffen

wird, ist offen. Fest steht lediglich, dass die Altaktionäre von Uniper - allen

voran die finnische Mehrheitsaktionärin Fortum - nicht weiter verwässert werden.

Frisches Eigenkapital kommt also nicht infrage. Zugleich muss die Unterstützung

so ausgestaltet werden, dass es unter Beihilfegesichtspunkten grünes Licht aus

Brüssel gibt.

Fortum hat angesichts der dramatischen Entwicklung inzwischen aber auch das

Interesse an Uniper verloren. Von einer Übernahme samt vollständiger

Inte­gration in Fortum ist spätestens seit dem Jahreswechsel keine Rede mehr.

Damals trat der immense Liquiditätsbedarf der deutschen Tochter als Folge der

gestiegenen Gaspreise erstmals zutage. Fortum stopfte das Loch mit einem

Darlehen und einer Garantie von zusammen 8 Mrd. Euro. Geld, an das so schnell

nicht mehr heranzukommen ist.

An zusätzlichen Rettungsmaßnahmen des Staates führt kein Weg vorbei. Dazu hängt

die deutsche Gasversorgung zu stark von Uniper ab. Doch wie bei der Abhängigkeit

von russischem Gas gilt auch hier die Frage: Wie stark sollte sich ein

Industrieland wie Deutschland von einem einzelnen Unternehmen der

systemrelevanten Infrastruktur abhängig machen?

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