FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Der Scale-Index tritt weiter auf der Stelle, viele Unternehmen im Segment entwickeln sich aber gut. So gut, dass sie übernommen werden, wie nun Vectron. Auch Pantaflix, The Platform Group, Advanced Blockchain und die Veganz Group kommen auf kräftige Kursgewinne.

18. Juni 2024. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Und wieder wird ein erfolgreiches Scale-Mitglied aufgekauft: Die Shift4-Unternehmensgruppe übernimmt den Kassensystemanbieter Vectron (DE000A0KEXC7), wie seit vergangenem Freitag feststeht. Vectron - vielen bekannt aus Bäckereien - hatte schon Anfang Juni den Abschluss eines "Business Combination Agreement" mit dem auf integrierte Zahlungs- und Handelstechnologie spezialisierten US-Unternehmen gemeldet. Die Vectron-Aktie sprang nach Bekanntgabe des Angebots auf den Übernahmepreis von 10,50 Euro. Anfang des Jahres waren es noch 5,78 Euro, Anfang 2023 4 Euro. Der Wermutstropfen: Die Übernahme wird auch zum Ende der Börsennotiz von Vectron führen.

Schon das ehemalige Scale-Mitglied EQS Group war übernommen worden, und zwar von der Pineapple German Bidco GmbH, hinter der US-Finanzinvestor Thoma Bravo steckt. Die EQS Group hatte als führender Anbieter für Investorenkommunikation und einer der Marktführer für digitale Hinweisgebersysteme stark von den neuen Whistleblower-Regelungen profitiert.

Mehr als Kursverdopplungen

Insgesamt hat es die zweite und dritte Reihe aber weiter schwer: Der Scale All Share liegt mit aktuell 1.174 Punkten in etwa auf dem Niveau zu Jahresanfang - und weit unter den Hochs aus 2021 von über 1.900 Zählern. Top-Performer auf Zwölfmonatssicht im Scale-Segment sind Vectron Systems und - trotz jüngster Verluste - die Filmproduktionsfirma Pantaflix (DE000A12UPJ7). Beide kommen seit Juni 2023 auf mehr als Kursverdopplungen. Auch das Softwareunternehmen für Plattformlösungen The Platform Group (DE000A2QEFA1), der Blockchain- und Web3-Investor Advanced Blockchain (DE000A0M93V6) und der Anbieter veganer Lebensmittel Veganz Group (DE000A3E5ED2) schneiden auf Zwölfmonatssicht gut ab mit Kurszuwächsen zwischen 66 und 97 Prozent.

Video zum Thema: Nebenwerte - Zeit, dass sich was dreht. Mit Björn Glück, Lupus alpha

Während deutsche Bluechips für einen DAX-Rekord nach dem anderen sorgen, liegen kleinere Unternehmen, die Small- und Mid Caps, weit hinten im Kursrennen - auch europaweit. Zu zyklisch, zu hoch verschuldet, zu stark auf Deutschland und Europa fokussiert, so die gängigen Vorurteile. Völlig zu Unrecht, sagt Fondsmanager Björn Glück von Lupus alpha, der seit 12 Jahren einen sehr erfolgreichen Nebenwerte-Fonds verantwortet, den Smaller German Champs (WKN 974564).

Björn Glück war am 10. Juni Gast in der Online-Session. Wir sprachen mit ihm über die Gründe dieser Entwicklung und ob jetzt die Zeit fürs Aufholen der Nebenwerte kommen kann.

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Formycon: Tiefs durchschritten?

Etwas erholen von den deutlichen Kursverlusten seit Anfang 2023 konnte sich zuletzt Formycon (DE000A1EWVY8), der Entwickler von biopharmazeutischen Nachfolgeprodukten ("Biosimilars"). Nach dem Tief unter 38 Euro kostet die Aktie jetzt wieder 46 Euro. Formycon hatte gute Zahlen für das erste Quartal geliefert. Außerdem startet Formycon das klinische Programm für den Biosimilar-Kandidaten FYB206 gegen Lungenkarzinome.

Das Analysehaus First Berlin hält die Aktie für viel zu billig, rät zum Einstieg und nennt ein Kursziel von 80 Euro. Der Kursrückgang um mehr als 40 Prozent seit Anfang 2023 sei auf niedrigere Lizenzeinnahmen aus dem Lucentis-Biosimilar FYB201 zurückzuführen - dem ersten von Formycon auf den Markt gebrachten Medikament. FYB201 sei jedoch nur eins von sechs Biosimilars, die bis zum Ende dieses Jahrzehnts auf den Markt gebracht werden sollen. First Berlin geht davon aus, dass Formycon bereits 2026 dreistellige Lizenzgebühren aus FYB202 ("Stelara") generieren wird. "Die aktuelle Kursschwäche ist eine Gelegenheit, die Formycon-Aktie vor der lukrativen Markteinführung des FYB202 günstig zu erwerben."

Mensch und Maschine mit Rekordquartal

Das stärkste Quartal der Firmengeschichte meldete Mensch und Maschine (MuM), Anbieter von CAD/CAM-Software (Computer Aided Design/Manufacturing). Im ersten Quartal 2024 wurde der Allzeitrekordgewinn aus dem ersten Quartal 2023 übertroffen. Im Herbst 2022 war die Aktie bis unter 42 Euro gefallen, mittlerweile sind es wieder 55,80 Euro. SMC-Research spricht von einem "überraschend starken" Start in das neue Geschäftsjahr. Die Ziele für das Gesamtjahr würden untermauert, auch die Aussichten seien gut. Die Analysten sehen das Kursziel weiter bei 69 Euro und stufen die Aktie unverändert auf "Strong Buy".

Weitere Kursverluste für Cliq

Bei Cliq Digital, wie Formycon und MuM einer der Umsatzspitzenreiter im Scale-Segment, setzten sich hingegen die Kursverluste fort. Am Geschäftsmodell des Düsseldorfer Streaming-Anbieters waren Zweifel aufgekommen, Anfang Mai hatte Cliq dann einen deutlichen Umsatz- und Ebitda-Rückgang im ersten Quartal gemeldet. Der Kurs halbierte sich innerhalb kurzer Zeit auf 8 Euro, aktuell sind es nur noch 7 Euro. Cliq galt lange als Shooting-Star, der Kurs war von rund 2 Euro im Sommer 2019 auf 39 Euro im April 2022 gestiegen. Im Scale-Segment gehört Cliq weiter zu den Schlusslichtern bei der Kursentwicklung auf Zwölfmonatssicht, neben der insolventen Helma Eigenheimbau (DE000A0EQ578) und dem Finanzinvestor für Gewerbeimmobilien Publity (DE0006972508).

Meist gehandelte Scale-Aktien auf Xetra und Börse Frankfurt waren im Mai Cliq Digital (11,5 Millionen Euro), Formycon (10,9 Millionen Euro), 2G Energy (10,6 Millionen Euro), Deutsche Rohstoff und Mensch und Maschine (jeweils 8,2 Millionen Euro) sowie die Data Group (8 Millionen Euro). Auch seit Jahresanfang sind diese sechs Aktien die umsatzstärksten, in etwas anderer Reihenfolge: Auf Spitzenreiter 2G folgen Cliq, Formycon, Datagroup, Deutsche Rohstoff und Mensch und Maschine.

Neuer Name: Verve SE statt Media and Games Invest

Aus Scale-Mitglied Media and Games Invest SE ist im Übrigen die Verve SE geworden, die ISIN (SE0018538068) bleibt die alte. Die Umbenennung wurde auf der Hauptversammlung vergangenen Donnerstag beschlossen. Der ehemalige Spielekonzern hat sich mittlerweile zum Werbeplattformbetreiber gewandelt.

Vom Handel ausgesetzt ist seit dem 27. Mai Rigsave (IT0005526295).

Von Anna-Maria Borse © 18. Juni 2024, Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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