S&P nimmt Boeing von der Beobachtungsliste, doch die Herausforderungen bleiben. Kann der Flugzeugbauer das Vertrauen zurückgewinnen?

Endlich ein Lichtblick für die leidgeprüften Aktionäre von Boeing? Nach Monaten voller Negativschlagzeilen sendet die Ratingagentur S&P am Montag ein erstes, vorsichtig positives Signal. Doch ist das wirklich die ersehnte Wende oder nur eine kurze Verschnaufpause auf dem steinigen Weg zurück für den Flugzeugbauer?

S&P hat die Bonitätsnote des US-Konzerns von der Beobachtungsliste für eine mögliche Herabstufung („CreditWatch negative“) genommen. Die Begründung: Die Flugzeugproduktion erhole sich langsam von den Folgen des vorangegangenen Streiks und den hartnäckigen Qualitätsproblemen. Zudem sei der Mittelabfluss („Cash Burn“) im ersten Quartal mit minus 2,3 Milliarden Dollar geringer ausgefallen als von Analysten befürchtet. Boeing selbst hat sich zum Ziel gesetzt, die Produktion des Verkaufsschlagers 737 MAX von den Januar-Niveaus bis zum Jahresende auf 38 Maschinen pro Monat hochzufahren – ein Niveau, das von der Aufsichtsbehörde maximal genehmigt ist.

Doch die Skepsis bleibt

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Aber S&P ist weit davon entfernt, vollständige Entwarnung zu geben. Der Ausblick für das Rating bleibt „negativ“. Zu groß scheinen die Risiken, dass die Erholung bei Produktion und Auslieferungen erneut ins Stocken gerät. Ein solches Szenario würde die dringend benötigte Verbesserung bei Cashflow und den wichtigen Bilanzkennzahlen weiter verzögern. Die bekannten Qualitätsprobleme schweben nach wie vor wie ein Damoklesschwert über dem Unternehmen. An der Börse sorgte die Nachricht dennoch für einen kleinen Freudensprung: Die Aktie legte am Montag über 2 Prozent zu, zusätzlich gestützt durch eine positive Analystenstimme von Bernstein, die Rating und Kursziel anhob.

Gleichzeitig versucht Boeing, eine weitere strategische Großbaustelle zu schließen: die Krise beim wichtigen Zulieferer Spirit AeroSystems. In einer komplexen Transaktion, bei der auch der europäische Konkurrent Airbus Teile des Zulieferers übernimmt, holt sich Boeing Kernbereiche von Spirit zurück – ausgerechnet jenes Unternehmen, das man vor rund zwei Jahrzehnten selbst ausgegliedert hatte.

Strategischer Zug oder Notoperation?

Dieser Schritt erscheint bitter nötig. Die finanziellen Probleme und erheblichen Produktionsverzögerungen bei Spirit, maßgeblich mit ausgelöst durch Boeings eigene 737-MAX-Krise, hatten sich zu einer ernsten Gefahr für die gesamte Lieferkette entwickelt. Die nun angestoßene Re-Integration soll dringend benötigte Stabilität bringen. Ob dieser strategische Schachzug allerdings schnell Früchte trägt und wie aufwendig die Abwicklung dieser Altlasten wird, bleibt abzuwarten. Die Komplexität des globalen Zuliefergeflechts wird hier überdeutlich.

Die jüngsten Nachrichten deuten also auf erste zarte Anzeichen einer operativen Stabilisierung hin. Ein geringerer Cash-Abfluss, eine weniger kritische Einschätzung durch S&P und der Versuch, die Lieferkettenprobleme bei Spirit zu lösen, sind Schritte in die richtige Richtung. Die entscheidende Frage für Anleger dürfte nun sein: Gelingt es dem Management, die Produktion endlich nachhaltig zu stabilisieren und das massiv verloren gegangene Vertrauen Schritt für Schritt zurückzugewinnen?

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