Die syrische Luftabwehr hat Berichten von Staatsmedien zufolge Raketen über der Stadt Homs im Westen des Landes abgeschossen. Die Raketen seien in den "Luftraum über Homs eingedrungen", meldete die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana in der Nacht auf Dienstag. Es habe sich um falschen Alarm gehandelt, berichtete die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf syrische Militärkreise.


Zunächst berichtete Sana, dass mehrere militärische Einrichtungen mit Raketen beschossen worden waren, darunter der Flughafen Shayrat südlich von Homs. Später meldete auch die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte heftige Explosionen in der Nähe der Luftwaffenbasis sowie in der Region Kalamun bei Damaskus. Dort gibt es zwei weitere Luftwaffenstützpunkte. Der Chef der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, sagte, die Raketen hätten keinen der Stützpunkte getroffen.


Ein falscher Alarm habe die syrische Flugabwehr in höchste Bereitschaft gesetzt und den Einsatz von zahlreichen Flugabwehrraketen und Flugabwehrgeschützen bewirkt, berichtete die dpa ohne weitere Details zu nennen.


Das syrische Staatsfernsehen wertete den Vorfall als "Aggression". Angaben dazu, wer für die Raketenangriffe verantwortlich sein könnte, machte der Sender aber nicht. Nach offiziell unbestätigten syrischen Medienberichten sollen israelische Kampfjets die Angriffe geflogen haben. Ein Sprecher der israelischen Armee sagte der Nachrichtenagentur AFP zu den Gerüchten, er habe keine Informationen "zu einem solchen Vorfall".


Das US-Verteidigungsministerium erklärte umgehend, dass die USA in der Region derzeit nicht militärisch aktiv seien. "Wir haben keine weiterführenden Infos dazu", so der Sprecher des Pentagon, Eric Pahon.


Am vergangenen Wochenende griffen die Westmächte USA, Großbritannien und Frankreich als Reaktion auf einen neuen Chemiewaffeneinsatz in der Ortschaft Douma (Duma) mehrere Ziele in Syrien an. Nach Angaben aus Washington und Paris richteten sich die Angriffe gegen Einrichtungen zur Chemiewaffen-Produktion. Der Westen macht die syrische Staatsführung für den mutmaßlichen Giftgasangriff vom 7. April in Douma in der einstigen Rebellenenklave Ost-Ghouta verantwortlich. Bei der Attacke wurden nach Angaben von Helfern mehr als 40 Menschen getötet.


Der syrische Luftwaffenstützpunkt Shayrat war bereits im vergangenen Jahr Ziel eines US-Raketenangriffs als Reaktion auf einen mutmaßlichen Chemiewaffenangriff auf den von Rebellen gehaltenen Ort Khan Sheikhoun, für den UNO-Experten ebenfalls den syrischen Machthaber Bashar al-Assad verantwortlich machten.


Elf Tage nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff in Douma sollen sich unabhängige Ermittler an Ort und Stelle ein Bild machen können. Ein ranghoher russischer Vertreter sagte am Montag in Den Haag, am Mittwoch könnten die Untersuchungen der Experten der Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) in Douma beginnen.


OPCW-Chef Ahmet Üzümcü sagte bei einer Dringlichkeitssitzung in Den Haag, Moskau und Damaskus hätten "Sicherheitsprobleme" angeführt, die dem Besuch in Douma noch im Wege stünden. Die Experten müssten aber "so schnell wie möglich" dorthin gelangen, da Beweise für den Einsatz chemischer Waffen extrem flüchtig seien. Am Abend wurde dann in der russischen Botschaft in Den Haag der Mittwoch als Zieltag genannt. Bis dahin sollten die Straßen nach Douma von Minen geräumt sein. Die am Samstag angereisten neun Experten der OPCW sollten eigentlich am Sonntag mit ihren Untersuchungen in Douma beginnen, trafen sich jedoch lediglich mit Behördenvertretern in ihrem Hotel in Damaskus. Über ihren Zeitplan wurde eine strikte Nachrichtensperre verhängt