Sprint-Zertifikate
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Die bisher vorgestellten Outperformance-Zertifikate sind für Aufwärtsbewegungen an den Aktienmärkten ideal. Anleger nehmen mit diesen Produkten überproportional an Kurssteigerungen des Basiswertes teil. Abgesehen von Outperformance-Cap-Zertifikaten sind die Gewinnmöglichkeiten sogar unbegrenzt. Dabei beweisen diese Investmentprodukte einen langen Atem. Bei Laufzeiten von zwei Jahren oder länger können Investoren eine kontinuierliche Überrendite erzielen. Doch genau wie sich ein Langstreckenläufer auf kurzen Strecken schwertut, werden auch Outperformance-Zertifikate bei kurzfristigen Engagements von anderen Investmentpapieren überholt. Wenn es auf einen schnellen Spurt ankommt, haben beispielsweise Sprint-Zertifikate klare Vorteile.
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Grundlagen
Sprint-Zertifikate bieten teilweise eine deutlich höhere Hebelwirkung als klassische Outperformance-Zertifikate. Innerhalb einer bestimmten Bandbreite, zwischen Start- und Stoppkurs, hebeln die Sprint-Zertifikate Kursveränderungen des Basiswertes um das Zweifache. Sie agieren mit einem Hebelfaktor von zwei und verschaffen sich nach dem Start einen Vorteil. Im Gegensatz zu den meisten Outperformance-Zertifikaten sind die Gewinnmöglichkeiten hier allerdings begrenzt. Ein Sprint-Zertifikat ist also quasi ein Outperformance-Cap-Zertifikat mit einem Hebel von 2,0 und einer relativ kurzen Laufzeit.
Aktie < Startkurs Auszahlungsbetrag = Aktienkurs
(Aktie wird geliefert)
Startkurs < Aktie < Stoppkurs Auszahlungsbetrag =
Startkurs + (Aktienkurs – Startkurs) x 2
Aktie > Stoppkurs Auszahlungsbetrag =
Startkurs + (Stoppkurs – Startkurs) x 2
Das Ertragsprofil
Das folgende Beispiel zeigt das Auszahlungsprofil eines Sprint-Zertifikates auf die XY AG. Der Startkurs beträgt 100,00 Euro, der Stoppkurs 120,00 Euro. Innerhalb dieser Bandbreite partizipiert der Inhaber des Zertifikates doppelt an Kurssteigerungen der XY-Aktie. Der maximale Gewinn ist auf 140,00 Euro (100,00 + [120,00 – 100,00] x 2) begrenzt.
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Was die reine Kursentwicklung angeht, sind Aktie und Sprint-Zertifikat bei Kursen unterhalb des Startkurses von 100,00 Euro gleichgestellt. Zwischen dem Startkurs und dem Höchstbetrag von 140,00 Euro bringt das Sprint-Zertifikat höhere Kursgewinne. Sollte die XY-Aktie über 140,00 Euro klettern, ist sie die bessere Alternative.
Der Aufbau
Auch das Sprint-Zertifikat ist eine Kombination aus Aktie und Call-Optionen. Konkret wird eine Call-Option mit einem Basispreis in Höhe des Startkurses erworben. Diese Option sorgt für die zusätzlichen Kursgewinne. Bei Kursen oberhalb des Startpreises profitieren sowohl die Aktie als auch die Kaufoption von steigenden Notierungen und bringen dem Anleger die doppelte Performance.
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Die Call-Option wird auch bei Sprint-Zertifikaten mit der Dividende finanziert. Darüber hinaus werden zwei Call-Optionen mit Basispreisen in Höhe des Stoppkurses verkauft. Der Ertrag aus dem Verkauf dieser Optionen dient der Finanzierung des höheren Hebelfaktors von 2,0. Im Auszahlungsprofil führen die verkauften Optionen später zu einer Gewinnbeschränkung. Die Rückzahlung ist auf den Höchstbetrag begrenzt.
Sprint-Zertifikat = Zero-Strike-Call
+ Call-Option (Basispreis Startkurs)
– 2 Call-Optionen (Basispreis Stoppkurs)
Eine hohe Dividendenrendite und eine lange Laufzeit sind prinzipiell auch hier von Vorteil. In der Regel ist die Höhe der vereinnahmten Ausschüttungen bei Sprint-Zertifikaten allerdings nicht so entscheidend wie etwa bei Outperformance Zertifikaten, weil durch den Verkauf von zwei Call-Optionen eine zweite Einnahmequelle für die Finanzierung der Struktur zur Verfügung steht.
Es stellt sich weiterhin die Frage, welchen Einfluss andere Faktoren wie etwa die implizite Volatilität auf das Zertifikat haben. Eine niedrige Schwankungsbreite verbilligt die Optionen. Bei einem Outperformance-Zertifikat würde eine niedrige implizite Volatilität des Basiswertes in der Regel zu einem höheren Hebelfaktor führen. Denn der Emittent könnte in diesem Fall mehr Call-Optionen erwerben.
In einem Sprint-Zertifikat stecken aber drei Optionskomponenten. Einen Call mit Basispreis in Höhe des Startkurses erwirbt der Anleger indirekt. Gleichzeitig veräußert er indirekt zwei Calls mit Basispreis in Höhe des Stoppkurses. Da der Inhaber des Zertifikates gleichzeitig als Käufer und Verkäufer von Optionen auftritt, lässt sich der Einfluss von der Volatilität nicht so leicht erklären wie bei Outperformance-Zertifikaten. Die Frage ist, welche Komponente stärker von der Volatilität beeinflusst wird: die Call-Option mit Basispreis in Höhe des Startkurses oder die beiden Calls mit Basispreis in Höhe des Stoppkurses? Die Volatilitäten sind in der Regel bei verschiedenen Basispreisen unterschiedlich.
Am Erstverkaufstag notiert der Basiswert gewöhnlich in der Nähe des Startkurses. Somit ist der Call „am Geld“, der gekauft wird, deutlich teurer als die beiden verkauften Calls, die weit „aus dem Geld“ notieren. Eine niedrige Volatilität verbilligt den Call „am Geld“. Im Gegenzug bringt der Verkauf der beiden Calls „aus dem Geld“ weniger. Unterm Strich kommt die niedrige Schwankungsbreite dem Sprint-Zertifikat tendenziell entgegen.

