Lohnstückkosten

Aus Finanz- und Wirtschaftswiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Quelle: Eurostat

Erscheinung: vierteljährlich

Zeitpunkt: erste Woche

Verzögerung: + 3 Monate

Als Lohnstückkosten werden angefallene Lohnkosten je erbrachter Leistung bezeichnet. Um die Lohnstückkosten zu erhalten, wird die Gesamtheit der Lohnkosten, die für ein Produkt oder eine Dienstleistung anfallen, durch den gesamten Output dividiert. Lohnstückkosten können somit für einzelne Produkte oder Unternehmen berechnet werden, aber auch für ganze Branchen und Volkswirtschaften. Für letztere bedeutet dies absolut betrachtet den "Preis einer Einheit BIP".

Lohnstückkosten auf einem niedrigen Niveau können durch niedrige Löhne und/oder eine hohe Produktivität erzielt werden. Dieses Ziel kann erreicht werden, indem in Niedriglohnländern und/oder auf einem hohen technischen Grad gearbeitet wird. In vielen entwickelten Ländern wird versucht, den Lohnkosten mit einer hohen Produktivität zu begegnen, wodurch die Lohnstückkosten kompetitiv gehalten werden sollen. Umgekehrt kann man argumentieren, dass eine höhere Produktivität hohe Lohnkosten rechtfertigt.

Für die Finanzmärkte ist vor allem die Änderung dieser Größe relevant. Ist der nominelle Lohnzuwachs in einem Betrieb oder einem Land stärker als dessen Produktivitätsfortschritt, so steigen folglich die Lohnstückkosten. (Relativ betrachtet ist das Wachstum der Lohnstückkosten gleich der Differenz aus dem nominellen Lohnzuwachs abzüglich dem Produktivitätsfortschritt.) Dies ist also ein wichtiger Faktor der (internationalen) Wettbewerbsposition eines Betriebes/Landes und wird oft auch relativ zu den wichtigsten Handelspartnern angegeben! Vor allem aber können stark steigende Lohnstückkosten in einer Volkswirtschaft, z. B. aufgrund von "Engpässen" am lokalen Arbeitsmarkt oder überzogenen Lohnverhandlungen deutlich über dem Produktivitätszuwachs, bei einem entsprechenden Umfeld ein markantes Ansteigen der Inflation begünstigen. Dies kann letztendlich - neben einer potenziellen Erosion der preislichen Wettbewerbsfähigkeit - zu höheren Zinssätzen/Kapitalmarktsätzen (=[Rendite|Renditen]]) führen.

Persönliche Werkzeuge