Importpreisindex
Aus Börse Express - Das Finanz- und Wirtschaftswiki zum Marktplatz Wien
Quelle: Eurostat
Erscheinung: monatlich
Zeitpunkt: erste Woche (meist gemeinsam mit den Produzentenpreisen)
Verzögerung: + 2 Monate
Das Euro-Währungsgebiet ist eine relativ geschlossene Volkswirtschaft. Die Einfuhren von Waren und Dienstleistungen aus der übrigen Welt entsprechen etwa 18 % des BIP im Euroraum; die Importquote ist somit deutlich geringer als in den einzelnen Ländern des Währungsgebietes. Auch wenn der Öffnungsgrad relativ gering ist, die Importpreise können dennoch erhebliche Auswirkungen auf die Verbraucherpreise des Binnenmarktes haben.
Es lassen sich drei Kanäle identifizieren, über die sich die Einfuhrpreisentwicklungen auf den HVPI im Euro-Währungsgebiet auswirken. Diese sind:
- Direkte Effekte, die fast unmittelbar oder mit einer geringen zeitlichen Verzögerung auftreten. Das deutlichste Beispiel ist die Auswirkung der Entwicklung bei den Importpreisen für Öl (Preis für Flüssigbrennstoffe für private Haushalte -> Betriebskosten, Preis für Kraft- und Schmierstoffe -> Verkehr). Will man einen quantitativen Eindruck von dem direkten Effekt der Ölpreisveränderungen
auf den HVPI gewinnen, so lautet eine allgemeine Regel, dass ein dauerhafter Anstieg der Ölpreise um 10 % mit einem nahezu unmittelbaren Anstieg der Energiepreiskomponente des HVPI um einen Prozentpunkt verbunden ist. Da Energie einen Anteil von ca. 10 % am HVPI hat, würde ein solcher Anstieg der Ölpreise den HVPI insgesamt um knapp 0,1 Prozentpunkte erhöhen.
- Indirekte Effekte ergeben sich, sobald die Importpreisänderungen allmählich über die Produktionskette weitergegeben werden: Beispielsweise schlagen nach einer gewissen Verzögerung die Preise für importierte Rohstoffe auf die Komponente der Vorleistungsgüter im Index für industrielle Erzeugerpreise im Euro- Währungsgebiet durch. Eine grobe Schätzung lässt darauf schließen, dass ein dauerhafter Anstieg der Importpreise um 20 %, über die indirekten Effekte innerhalb von zwei bis drei Jahren zu einem kumulativen Anstieg der Verbraucherpreise von rund einem Prozentpunkt führt.
- Zweitrundeneffekte entstehen etwa, indem sich Änderungen bei den Importpreisen (über direkte und indirekte Effekte auf die Verbraucherpreise) auf die Höhe der Lohnabschlüsse auswirken, welche dann wiederum den Preistrend beeinflussen: Das Auftreten und das Ausmaß von möglichen Zweitrundeneffekten hängt von der komplexen Wechselbeziehung zwischen Löhnen, Inflationserwartungen, dem Konjunkturzyklus und den wirtschaftspolitischen Reaktionen ab. Die Erfahrung der Vergangenheit deutet darauf hin, dass Zweitrundeneffekte im Zuge von vorangegangenen Ölpreis- und Wechselkursentwicklungen zuweilen einen erheblichen Einfluss auf die Teuerung hatten. Die Auswirkung auf die Inflation fällt umso geringer aus, je weniger akkomodierend die geldpolitische Reaktion
ausfällt.
Relevanz für Finanzmärkte: Siehe Produzentenpreise


