HVPI
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Konsumentenpreisindex (HVPI, Harmonized Index of Consumer Prices)
Quelle: Eurostat
Erscheinung: monatlich
Zeitpunkt: Mitte des Monats
Verzögerung: + 1 Monat
Der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) wurde von Eurostat eingeführt. Es wurden die verschiedenen Berechnungsmethoden der EU-Länder vereinheitlicht, um internationale Vergleiche durchführen zu können. Dieser Index wird seit 1995 publiziert, es liegen jedoch Rückrechnungen bis zum Jahr 1960 vor. Der HVPI beruht auf den nationalen HVPIs, die in allen Mitgliedstaaten der EU nach demselben Verfahren ermittelt werden. Der HVPI erfasst die monetären Ausgaben für den Konsum der privaten Haushalte im Wirtschaftsgebiet der Union.
Die Gewichtungsanteile der Verbrauchsgruppen verteilen sich folgendermaßen:
- Nahrungsmittel 15,3 %
- Tabak und alkohol. Getränke 4,0 %
- Bekleidung und Schuhe 7,3 %
- Mieten, Betriebskosten 15,4 %
- Haushaltseinrichtung 7,6 %
- Gesundheitsdienstleistungen 4,0 %
- Verkehr 15,7 %
- Nachrichtenübermittlung 2,9 %
- Freizeit und Kultur 9,5 %
- Erziehung und Unterricht 1,0 %
- Restaurants und Hotels 9,2 %
- Sonstige Waren und Dienstleistungen 8,2 %
Quelle: Reuters
Wie bei den meisten Preisindizes, wird auch der HVPI, respektive sein Produktportfolio ständig an die veränderten Konsumgewohnheiten der Bevölkerung angepasst, aber auch zwecks höherer Aussagekraft erweitert bzw. modifiziert. Die Informationen für die Berechnung des Index werden von nationalen Statistikämtern gesammelt und an Eurostat weitergeleitet, wo der harmonisierte Konsumentenpreisindex aus den je nach Land gewichteten Sub-Indizes errechnet wird. Die Anpassung der Länder-Gewichte erfolgt jährlich. Der Konsumentenpreisindex wird Mitte des Folgemonats der Referenzperiode veröffentlicht. Doch bereits am Ende des Berichtsmonats/in den ersten Tagen des Folgemonats steht eine erste Schätzung für die per anno Preissteigerung zur Verfügung. Diese beruht zwar nur auf wenigen ersten Preisdaten (beispielsweise aus den deutschen Bundesländern oder aus italienischen Städten), das tatsächliche Ergebnis weicht aber zumeist nicht und wenn nur wenig ab.
Die EZB (Europäische Zentralbank) verwendet den Verbraucherpreisindex als den Referenzwert für die Inflation. Sie hat zwar kein fixes Inflationsziel, strebt aber danach, die jährliche Preissteigerung mittel- bis langfristig in einem Rahmen von 1-2 % p.a. zu halten.
Kernrate (Core Rate)
Die Preisentwicklung auf der Verbraucherebene ist zwar der zentrale Indikator, doch werden aufgrund verschiedener Messprobleme ergänzend auch andere Messkonzepte verwendet. Hierzu gehört z. B. die so genannte Kerninflation. Dabei wird die Inflationsrate um besonders stark schwankende Güterpreise bereinigt. Die Kerninflation und der HVPI können daher auch auseinander laufen. Die EZB nimmt für die Ermittlung der Kerninflationsrate die Gütergruppen Energie sowie unverarbeitete bzw. Saisonnahrungsmittel aus dem Preisindex heraus. Eurostat errechnet dagegen die Kerninflation gänzlich ohne Nahrungsmittel, Alkohol, Tabak und Energie.
Die Kerninflation hat einen glatteren Verlauf als die Grundgesamtheit. Anhand der Kerninflation lässt sich ausmachen, ob bzw. ab wann und in welchem Ausmaß Kostenüberwälzung aus den volatilen aber wichtigen Gütergruppen Nahrungsmittel und Energie in die breite Wirtschaft stattfindet.
Vorläufiger deutscher VPI
Der vorläufige deutsche Konsumentenpreisindex ist eine offizielle Vorausschätzung des Endergebnisses. Das Statistische Bundesamt Deutschland verwendet ein ökonometrisches Modell zur Berechnung dieses vorläufigen Index. Die Vorausschätzung beruht auf den Zahlen der sechs Bundesländer Baden Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen. Am wichtigsten sind die Zahlen von Nordrhein- Westfalen, die mit 26,8 % in die Berechnung eingehen, gefolgt von Bayern (18,2 %) und Baden Württemberg (15,6 %). Saisonale Schwankungen werden bei diesem Index nicht berücksichtigt. Der endgültige deutsche Konsumentenpreisindex liefert meist nur wenig neue Information. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die Publikation von nationalen Konsumentenpreisdaten:
Relevanz für Finanzmärkte: Die Zahlen zur Preisentwicklung finden auf den Finanzmärkten große Beachtung. Dabei interessieren vor allem die Veröffentlichungen der ersten Preisdaten aus Deutschland und Italien sowie die vorläufige Schätzung für die Eurozone, da mit der Bekanntgabe dieser Daten das aktuelle Inflationsbild weitgehend klar ist. Inflationsdaten können sich auf zweierlei Arten auf Renditen (=Marktverzinsung einer Anleihe) auswirken. Höhere Preisanstiege führen direkt zu höheren Renditen und somit zu Kursverlusten bei Anleihen mit nominell fixiertem Kupon. Da sich der Kupon nicht an das Inflationsniveau anpasst, würde durch eine höhere Inflationsrate der reale Ertrag sinken, was die Attraktivität für Neuinvestoren mindert. Kursverluste bzw. Renditeanstiege sind also nötig um einen Ausgleich zu schaffen. Folgender Chart zeigt den deutlichen Zusammenhang zwischen der Inflationsrate und der Rendite:
Indirekt besteht ein Einfluss durch die Politik der Zentralbank. Wie bereits erwähnt, versucht die EZB die Teuerung unterhalb von, aber knapp bei 2 % p.a. zu halten. Steigende Leitzinsen bremsen den Preisauftrieb und vice versa. Zu hohe Inflationsraten können etwa die Erwartung der Marktteilnehmer dahingehend beeinflussen, dass diese mit steigenden Leitzinsen rechnen, was zu Renditeanstiegen führt.




