Freddie Mac
Aus Börse Express - Das Finanz- und Wirtschaftswiki zum Marktplatz Wien
Die Nummer 2 hinter Fannie Mae bei den US-Hypothekenfinanzierern. Aufgabe von Freddie Mac (wie auch von Fannie Mae) ist es, möglichst günstige Immobilienkredite in den USA zu ermöglichen. Freddie Mac bietet dazu Hauskäufern nicht selbst Kredite an, sondern kauft sie von Banken auf. Die Banken erhalten dadurch frisches Geld - und können neue Kredite vergeben. Die aufgekauften Kredite fasst Freddie Mac zusammen, verkauft sie als Anleihen an Investoren und garantiert für die Zahlungen. Daneben verkauft das Unternehmen u.a. auch Schuldverschreibungen an internationale Investoren.
Hypothekenfinanzierer-Zwillinge Fannie Mae und Freddie Mac
Der börsenotierte US-Hypothekenfinanzierer Freddie Mac ist im Strudel der Subprime-Krise in die Bedrouille geraten. Das Unternehmen musste empfindliche Verluste und einen eklatanten Einbruch des Börsewerts hinnehmen. Mehrere Kapitalspritzen waren nötig, nachdem die US-Immobilienkrise sich über das Segment der Ramschhypotheken ausgeweitet und auch besser besicherte Hypotheken, die den Löwenanteil des Geschäftes von Freddie Mac und Fannie Mae ausmachen, erreicht hatten. In Zahlen besitzen oder garantieren die beiden Finanzierer zusammen Kredite im Wert von 5,2 Billionen Dollar (3,3 Billionen Euro) und stehen damit für etwa 40 Prozent des Gesamtwertes der Immobilienkredite des Landes.
Am Rande der Insolvenz in der Finanzmarktkrise
Im Juli 2008 publizierten Analysten der Lehman Brothers Berichte, wonach die beiden Immobilienfinanzierer einen weitaus höheren Kapitalbedarf haben könnten als bis dato angenommen. Die Rede war von zusammen 75 Mrd. Dollar. Ex-Fed-Gouverneur William Poole bezeichnete im gleichen Zeitraum die beiden Unternehmen gar als faktisch zahlungsunfähig. Zudem crashte die Hypothekenbank IndyMac (war die grösste Pleite eines US-Bankinstituts seit 20 Jahren), was zu weiteren Problemen bei "Freddie" und "Fannie" führte. Daraufhin schaltete sich das US-Finanzministerium endgültig dominant ein und griff dem taumelnden Duo mit einem umfassenden Notpaket unter die Arme (weil die beiden Firmen nach dem Rückzug vieler Banken den Markt für Hypotheken dominieren, würde bei einer Pleite ein Kollaps des US-Immobilienmarktes drohen). Den unter Liquiditätsproblemen leidenden Freddie Mac und Fannie Mae wurde von US-Finanzminister Henry Paulson im Juli 2008 auf dreifache Weise Hilfe versprochen:
1. Sein Ministerium kündigte an, vorübergehend den staatlichen Kreditrahmen für die beiden Branchenführer von derzeit 2,25 Milliarden Dollar anzuheben.
2. Der Staat versprach zudem, auch Aktien der zwei an der Börse massiv abgestürzten Gesellschaften kaufen, falls dies zur Stärkung der Kapitalbasis nötig sei.
3. Die US-Notenbank FED gab überdies grünes Licht, beiden Instituten notfalls ihr Diskont-Kreditprogramm zu öffnen, sprich Kredite für einen Zinssatz von 2,25 Prozent ermöglichen. Zu diesen günstigen Konditionen bekommen sonst nur Handelsbanken und grosse Wallstreet-Firmen Geld von der Zentralbank. Damit sollte der Zugang zu Hypothekendarlehen "in einer Stressphase in den Finanzmärkten" erleichtert werden.
Vor diesem umfassenden Notpaket hatte schon der US-Senat staatlichen Garantien von 300 Milliarden Dollar zugestimmt. Ein US-Gesetz von 1992 sieht vor, dass der Staat einspringen kann, wenn einer der beiden Finanzierer Kapital benötigen sollte. Sowohl Freddie Mac als auch Fannie Mae sind private Unternehmen und sollen es auch bleiben. Eine Verstaatlichung der beiden Hypothekenfinanzierer wurde seitens der Regierung in Washington bislang mit der Begründung abgelehnt, dass sich durch die enormen Aussenstände beider Banken die Staatsschulden zu stark erhöhen würden.
Das Schicksal von Freddie Mac und Fannie Mae erinnert an die Turbulenzen rund um den britischen Baufinanzierer Northern Rock im September 2007. Nach Notkrediten der Notenbank griff die Regierung in London als letzte Rettung schliesslich zur Verstaatlichung.
Mit Material der APA.


