Finanzkrise

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Ende 2006 war der jahrelange Boom an den amerikanischen Immobilienmärkten vorbei. Die zu diesem Zeitpunkt in astronomische Höhen gestiegenen Hauspreise brachen plötzlich ein, und dieser Trend zog sich bis ins Jahr 2008. Zum selben Zeitpunkt beginnt das Geschäft mit riskanten US-Hypothekenkrediten zu Problemen zu führen. Damit war die Subprimekrise geboren. Das niedrige Zinsniveau sowie die großzügige Vergabe waren für viele Hauskäufer verlockende Argumente. Plötzlich konnten sie ihre Raten jedoch nicht mehr bezahlen.

Inhaltsverzeichnis

Das Jahr 2007

Im Februar 2007 war die HSBC, immerhin die größe Bank Europas, dazu gezwungen wegen überraschend hoher Risikovorsorge im Hypothekengeschäft, die erste Gewinnwarnung ihrer Geschichte herauszugeben. Bereits sieben Monate später wurde die Hypothekentochter geschlossen. Insgesamt mussten 880 Millionen Dollar abgeschrieben werden.

2. Quartal

Am 3. April 2007 beantragte der US-Hypothekenfinanzier New Century Financial Insolvenz. Zu diesem Zeitpunkt war das der größte Kollaps der Branche im Zuge der US-Immobilienkrise. In den nächsten Monaten sollten weitere folgen.

Der 22.Juni 2007 war ein weiteres wichtiges Datum in dieser Finanzkrise. An diesem Tag brachen zwei Hedge-Fonds der Investmentbank Bear Sterns, die am HS-Hypothekenmarkt finanziert waren, zusammen. Drei Monate später wurde bekannt, dass der Gewinn um mehr als 60 % eingebrochen war. Unter den Hausbesitzern in den USA stieg der Unmut immer weiter.

3. Quartal

Am 30. Juli 2007, also ein gutes Monat später, erreichte die US-Immobilienkrise die deutschen Banken. Die Bonität der IKB Bank war durch Fehl-Spekulationen am Immobilienmarkt in Gefahr. Aus diesem Grund wurde die Ergebnisprognose gesenkt. Die staatliche Förderbank KfW griff dem Institut mit einer 8,1 Milliarden-Euro-Bürgschaft unter die Arme. In weiterer folge installierte die KfW einen eigenen Manger an der Spitze der IKB und Stefan Ortseifen musste sein Platz räumen.

Am 1. August 2007 wird bekannt, dass die US-Hypothekenbank American Home Mortgage ihre Gläubiger nicht mehr bedienen kann. Der Aktienkurs fällt daraufhin um 90 % auf 1,04 Dollar. Auch die Belegschaftsanzahl reduziert sich um etwa 90 %. Vorher waren mehr als 7000 Mitarbeiter bei der American Home Mortgage beschäftigt. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits etwa 50 US-Finanzierer bankrott oder haben selbst verkauft. Am schlimmsten trifft es jene, die sich auf zweitklassige Baufinanzierungen eingelassen haben. Die Pleite von American Home Mortgage war die erste, bei der die Kreditnehmer eine bessere Bonität aufgewiesen haben.

Am 9. August 2007 friert die französische BNP Paribas vorübergehend drei Fonds im Wert von 1,5 Milliarden Euro ein, gleichzeitig trennt sich die IKB von ihrem Finanzvorstand. Durch die Angst vor weiteren Verlusten wird der Interbankenmarkt lahm gelegt auf dem sich die Banken gegenseitig Geld leihen. Die EZB stellt 94,8 Milliarden Euro bereit. Weltweit werden in den Folgetagen mehr als 300 Milliarden Euro weltweit durch die Notenbanken in den Geldkreislauf gepumpt.

Bereits am nächsten Tag, dem 10. August 2007 kommen Gerüchte um Verluste der Sachsen LB auf. Die Bank wird mit der Krise in Verbindung gebracht. Zu diesem Zeitpunkt ziehen die Anleger Geld in sehr großen Umfang aus dem Aktienmarkt. Nur zwei Wochen davor (13.7.) erreicht der DAX die Rekordmarke von 8151,57 Punkten. Es folgte ein Rückgang um 8 %. Die WestLB teilt nun mit, dass sie im Umfang von 1,2 Milliarden Euro am US-Hypothekenmarkt investiert ist.

Ende August 2007 tritt Herbert Süß, der Chef der angeschlagenen Sachsen LB, zurück. Zwei weitere Vorstandsmitglieder folgen ihm. Das Eigenkapital der Bank (1,3 Milliarden Euro) reicht nicht mehr, um die potentiellen Kreditausfälle der drei irischen Zweckgesellsachften abzudecken. Die Rettung erfolgt erst durch eine Kreditlinie in der Höhe von 17,3 Milliarden Euro, die durch die Sparkassen aufgebracht wurde. Im selben Zeitraum ist die britische Großbank Barclays aus Liquiditätsproblemen dazu gezwungen zwei Milliarden Pfund bei der Bank of England zu leihen.

Wir bleiben in Großbritannien. Am 13. September 2007 gerät der Baufinanzierer Northern Rock wegen Liquiditätsengpässen unter Druck. Die Sparer stehen in Schlangen vor den Filialen der Bank um ihr Geld abzuheben. Insgesamt werden drei Milliarden Euro innerhalb von drei Tagen behoben. Wider springt die Bank of England ein und hilft mit einem Notfallkredit. Der Kurs der Northern Rock geht um ein Drittel zurück.

Am 20. September 2007 geben die Quartalszahlen der amerikanischen Investmentbanken einen Vorgeschmack auf das wahre Ausmaß der Krise. Goldman Sachs schafft es trotz Abschreibungen in Höhe von 1,7 Milliarden Dollar eines der besten Quartale in ihrer Geschichte hinzulegen. Lehman Brothers überrascht ebenfalls positiv, während Bear Sterns einen Gewinnrückgang um 61 % hinnehmen muss. Morgan Stanley ist zur Abschreibung von knapp einer Milliarde Dollar gezwungen, der Gewinnrückgang beträgt sieben Prozent. Für das vierte Quartal werden zusätzliche Wertberichtigungen im Wert von mindestens 3,7 Milliarden angekündigt.

4.Quartal

Am 1. Oktober 2007 kündigt die Citigroup einen Gewinneinbruch um etwa 60 % im dritten Quartal an. Bereits zwei Wochen später wird der Abschreibungsbedarf genauer quantifiziert. Er liegt bei 6,5 Milliarden Dollar. Weitere drei Wochen später muss die größte amerikanische Bank weitere 11 Milliarden Dollar in den Büchern berichtigen. Darauf hin nimmt Citigroup-Chef Charles Prince seinen Hut.

Am 5. Oktober 2007 stellt Merrill Lynch den ersten Quartalsverlust seit sechs Jahren in Aussicht. Der Grund dafür sind Abschreibungen im Wert von 4,5 Milliarden Dollar. Nur drei Wochen später werden die Wertberichtigungen von der Investmentbank bereits mit 8 Milliarden Dollar beziffert. Darauf hin muss Konzernchef Stan O’Neal seinen Hut nehmen. Finanzvorstand Jeffrey Edwards folgt ihm zwei Monate später nach.

Am 18. Oktober 2007 beweisen die Zahlen, wie schwer Bank of America getroffen ist. Die zweitgrößte US-Bank verdient im Investmentbanking fast kein Geld mehr. Der Konzerngewinn bricht um ein Drittel auf 3,7 Milliarden Dollar ein. Die Abschreibungen von JP Morgan Chase betragen 1,6 Milliarden Dollar.

Am 8. November 2007 stellt sich heraus, dass Deutschlands größte Filialbank, die Postbank, ebenfalls im Geschäft mit verbrieften US-Hypotheken aktiv war. Sie muss 61 Millionen Euro abschreiben. Auch die Dresdner Bank macht Verlust in ähnlichem Ausmaß. Die Probleme in den USA bewirken einen Quartalsverlust von 52 Millionen Euro. Die Gesamtbelastungen liegen bei 575 Millionen Euro.

Am 5. Dezember 2007 legt der US-Hypothekenriese Fannie Mae neue Aktien auf, er braucht Kapital in Milliardenhöhe. Die US-Regierung tut sich unterdessen mit zwei großen Kreditinstituten zusammen um einen Rettungsplan vorzulegen. Dieser sieht vor in den nächsten beiden Jahren mehr als eine Million Hauskäufer vor der Zwangsvollstreckung zu retten. Die variablen Zinssätze für Kreditnehmer mit geringer Bonität werden für fünf Jahre eingefroren.

Am 10. Dezember 2007 teilt die UBS, weltgrößter Vermögensverwalter, mit, dass sie wegen fauler US-Hypothekenkredite erstmalig in die roten Zahlen rutschen könnte. Der Grund dafür waren Abschreibung von weiteren 10 Milliarden Dollar. Die Folgen der Kreditkrise erreichen mittlerweile auch die amerikanische Private Equity Branche. Der Markt für milliardenschwere Firmenübernahmen war davon besonders stark betroffen weil Banken sich mit der Finanzierung solcher Geschäfte stark zurückhalten.

Am 14. Dezember 2007 wird die Lösung für die angeschlagene Sachsen LB präsentiert. Mit Jahresende übernimmt die Landesbank Baden-Württemberg für insgesamt 328 Millionen Euro das Finanzinstitut, allerdings nur unter der Bedingung, dass das Land Sachsen mit 2,75 Milliarden Euro für die Verluste aus der Kreditkrise bürgt. Die sächsische Landesbank hatte sich wie die IKB ebenfalls am US-Hypothekenmarkt verspekuliert.

Das Jahr 2008

Das neue Jahr beginnt und im Januar belasten die neuen Milliarden-Abschreibungen diverser US-Banken die Märkte. Der US-Sender CNBC berichtet, dass alleine die Citigroup 24 Millarden Dollar im vierten Quartal 2007 verloren geben muss. Ein Rekordverlust von 4 Milliarden Dollar wird befürchtet. Die New York Times berichtet, dass Merrill Lynch 15 Milliarden Dollar abschreiben muss.

Am 13. Februar 2008 wird befürchtet, dass die Mittelstandsbank IKB endgültig im Strudel der US-Immobilienkrise versinkt. Die Bank hatte sich sehr intensiv an amerikanischen Ramschhypotheken beteiligt. Um einen Zusammenbruch zu vermeiden schießen der Großaktionär KfW und die gesamte Kreditwirtschaft 8 Milliarden Euro zu.

Mitte Februar 2008 zeigt sich folgendes Bild. Die problematischen Kredite summieren sich alleine bei den deutschen Landesbanken auf folgende Beträge. - Sachsen LB: Der Freistaat Sachsen und andere Landesbanken übernehmen Risiken von insgesamt 17,5 Milliarden Euro - Die WestLB erhält Finanzspritzen und Garantien in der Höhe von 5 Milliarden Euro. - BayernLB: Die Wertberichtigungen betragen alleine für 2007 rund 1,9 Milliarden Euro. - LBBW: Ende November hatte die Landesbank Baden-Württemberg die Höhe der Wertberichtigungen für 2007 auf rund 800 Millionen Euro beziffert. Laut Medienberichten hatten sich diese mittlerweile auf über 1 Milliarde Euro summiert. - HSH Nordbank: Die Krise schlägt mit rund 1,1 Milliarden Euro zu Buche. - NordLB: Wertberichtigungen in der Höhe von 210 Millionen Euro werden getätigt.

Auch die deutschen Privatbanken sind massiv von der US-Hypothekenkrise betroffen:

- Deutsche Bank: Abschreibungen von gut 2,3 Milliarden für 2007 - Commerzbank: Wertberichtigungen (vor allem für die Tochter Eurohypo) von fast einer Milliarde Euro fallen an - DZ Bank: Das genossenschaftliche Spitzeninstitut musst 2007 rund 1,4 Milliarden Euro werberichtigen - Dresdner Bank: Die Allianz-Tochter muss Abschreibungen von 1,6 Milliarden Euro verkraften. Weitere Belastungen von bis zu 400 Millionen Euro scheinen möglich - Hypo Real Estate: Der Immobilienfinanzierer schreibt 2007 knapp 400 Millionen Euro ab - Postbank: Abschreibungen von 112 Millionen Euro für 2007 - Münchner Rück: Wertberichtigungen für 2007 von Rund 166 Millionen Euro - HVB: Die Belastungen des Gesamtkonzerns Unicredit belaufen sich per Ende September auf mehr als 400 Millionen Euro


Am 27. Februar 2008 verunsichern ein Kurseinbruch an der chinesischen Börse, sowie Warnungen vor einer Rezession in den USA die Anleger rund um den Globus. In Shanghai stürzen die Aktienkurse um fast 9 Prozent ab, was den größten relativen Kursrückgang an einem Handelstag in den letzten 10 Jahren bedeutet. Das wirkt sich auch auf die US-Aktienmärkte aus – der Dow Jones verliert rund vier Prozent, die Technologiebörse Nasdaq 4,08 %. Auch in Europa fallen die Kurse an den großen Börsen.

Am 17. März 2008 bricht die Aktie von Bear Stearns im vorbörslichen Handel um 87 Prozent ein. Zuvor hatte JPMorgan Chase die Übernahme der Investmentbank zu einem Spottpreis angekündigt. JP legt für Bear Stearns lediglich 236 Millionen Dollar auf den Tisch. Das sind zwei Dollar je Aktie, immerhin 93 Prozent weniger als der Schlusskurs am Vortag. Dieser Notverkauf ist der unrühmliche Schlussstrich unter der 85-jährigen Bear Sterns Geschichte. In diesem Zeitraum hat die Bank den Zweiten Weltkrieg, Rezessionen und mehrere Börsencrashs überstanden.

2. Quartal

Am 1. April 2008 überraschten die Deutsche Bank sowie die Schweizer UBS die Märkte mit milliardenschweren Verlusten. Die Deutsche Bank musste von Januar bis März 2,5 Milliarden Euro abschreiben. Die UBS trifft es noch härter als dies bislang angenommen wurde. Alleine im ersten Quartal erwartete die UBS Abschreibungen im Wert von 19 Milliarden Dollar.

Auch am 2. April 2008 reißt die Kette schlechter Neuigkeiten nicht ab. Die drittgrößte deutsche Landesbank WestLB hat 2007 einen deutlich höheren Verlust verbucht als erwartet. Der Fehlbetrag belief sich auf insgesamt 1,6 Milliarden Euro. Im Januar war noch von einem Verlust von 1 Milliarde Euro die Rede.

Bereits am 3. April trifft die Kreditkrise die bayerische Landesbank, und zwar härter als erwartet. Die Bayern LB ist dazu gezwungen statt der bisher bekannten 1,9 Milliarden Euro 4,3 Milliarden Euro abzuschreiben. Rund 2,3 Milliarden davon waren laut Management bereits bis Jahresende 2007 angefallen. Der Restbetrag von 2 Milliarden Euro summierte sich hingegen im ersten Quartal 2008. Ähnlich der WestLB plant auch die BayernLB dieses Portfolio in eine Zweckgesellschaft auszugliedern und gegen Ausfallsrisiken von bis zu 6 Milliarden Euro abzuschirmen.

Wir schreiben den 9 Mai 2008. Die internationale Finanzkrise hat die Dresdner Bank im ersten Quartal 2008 in tief rote Zahlen gestürzt. Der Verlust beträgt 513 Millionen, nur ein Jahr zuvor war das Ergebnis noch bei Plus 612 Millionen Euro gelegen. Im Gesamtkonzern führten das schwache Börsenumfeld und die Belastungen der Tochter in den ersten drei Monaten zu einem Gewinneinbruch um fast zwei Drittel, welcher nun bei 1,15 Milliarden Euro lag.

Am 30 Mai 2008 teilte William Thompson, seines Zeichens Rechnungsprüfer der Stadt New York, mit, dass im Finanzsektor der Stadt New York im Zuge der Finanzkrise zwischen 15000 und 25000 Stellen gestrichen werden könnten. Seiner Meinung nach habe der Stellenabbau-Zyklus im August 2007 begonnen und würde bis März 2009 andauern.

Am 18. Juni 2008 verschärft die Bayerische Landesbank ihr Sparprogramm, was den Stellenabbau von bis zu 430 Mitarbeitern inkludiert. Bis zum Jahr 2010 sollten damit Einsparungen von bis zu 150 Millionen Euro erreicht werden. Ein Drittel davon durch die Einsparung von Personal, zwei Drittel durch das Kappen von Sachkosten. Die Einschnitte sollten sich dabei hauptsächlich in der Verwaltung ergeben, wo die BayernLB 100 Millionen Euro einsparen will, was mit dem Abbau von bis zu 350 Stellen einhergeht.


23. Juni 2008. Die Citigroup (Mutter der Citibank) will insgesamt ein Zehntel der Angestellten in der Investment-Banking-Sparte kündigen, das sind immerhin 6500 Mitarbeiter. Von diesen Entlassungen sind auch einige hochrangige Bank-Manager betroffen. Bereits zuvor mussten 9000 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen.

3. Quartal

Am 4. Juli 2008 schlägt es in der Hochfinanz Alarm. Eine Studie besagt, dass Europas Banken deutlich stärker unter der Finanzkrise leiden als bisher angenommen. Die US-Investmentbank Goldman Sachs geht davon aus, dass die durch die Kreditkrise mitgenommenen europäischen Kreditinstitute einen Kapitalbedarf von 60 bis 90 Milliarden Euro haben. Außerdem revidierte Goldman Sachs die Kursprognosen von 50 der 52 untersuchten Institute.

Am 11. Juli 2008 heben Kunden der US-Bank IndyMac in Panik Milliardenbeträge ab, daraufhin wird der kalifornische Immobilienfinanzierer von den Aufsichtsbehörden geschlossen. Sämtliche Bankgeschäfte von IndyMac werden darauf hin von der staatlichen Bundeseinlagensicherung (FDIC – Federal Deposit Insurance Corporation), welche von einer Belastung zwischen 4 und 8 Milliarden Dollar ausgeht. Es handelt sich damit um den zweitgrößten Bankenzusammenbruch in der US-Geschichte.

Am 14. Juli 2008 bieten die amerikanische Regierung und die Notenbank den beiden größten Hypothekenfinanzierern des Landes, Fannie Mae und Freddie Mac umfangreiche Hilfe an. Finanzminister Henry Paulsen will damit das Vertrauen in die Stabilität des Finanzsystems und der Finanzmärkte während der Finanzkrise stärken. Marktführer Fannie Mae und die Nummer Zwei Freddie Mac stehen hinter mehr als der Hälfte aller Hypotheken in den USA. Die Probleme dieser beiden Institute belasten die angeschlagenen Finanzmärkte massiv, ein Ausfall wäre Experten zur Folge nicht verkraftbar.

Am 18. Juli schockiert die angeschlagene US-Bank Merrill Lynch die Märkte mit einem Milliardenloch. Die Verluste belaufen sich auf insgesamt 19 Milliarden US-Dollar. Um an frisches Kapital zu kommen, trennt sich die drittgrößte amerikanische Investmentbank daraufhin von ihrem 20 Prozent Anteil an Bloomberg.

Am 25. Juli 2008 geben die beiden Rückversicherer Münchner Rück und Hannover Rück Gewinnwarnungen heraus. Somit hat die Kapitalmarktkrise auch die Versicherungsbranche erfasst.

Am 31. Juli wird die EZB tätig. Der Chef der Europäischen Zentralbank Jean-Claude Trichet hat die Nöte des Geldmarktes erkannt und schießt bis zu 100 Milliarden Euro nach. Das tut die EZB durch Verlängerung zweier Kredite.

Am 21. August 2008 verkauft die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) die Krisenbank IKB an den Finanzinvestor Lone Star. Insgesamt belastet die IKB die Staatsbank und den Bund mit 10,7 Milliarden Euro.

Am 8. September 2008 komm es an den Börsen weltweit zu einem Kursfeuerwerk nachdem die US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac unter staatliche Aufsicht gestellt werden. Dieser Schritt ist der letzte von zahlreichen Hilfsaktionen der Regierung für die halbstaatlichen Institute.

Am 15. September muss die viertgrößte US-Investmentbank Lehman Brothers nach milliardenschweren Verlusten Gläubigerschutz beantragen. Diese Insolvenz löst weltweit massive Turbulenzen an den Finanzmärkten aus. Der DAX fällt daraufhin auf ein Zweijahrestief. Zur selben Zeit kündigt die Bank of America an, dass sie die von der Finanzkrise ebenfalls stark mitgenommene Investmentbank Merril Lynch für 50 Milliarden Dollar übernehmen wird. Noch am selben Tag überweist die deutsche Bankengruppe KfW mindestens 300 Millionen Euro an Steuergeldern an Lehman Brothers. Zwei Vorstandsmitglieder werden darauf hin suspendiert.

Es geht Schlag auf Schlag. Am 17. September steht AIG (American Internaional Group), einer der weltgrößten Versicherer vor dem Aus. Eine Finanzspritze der US-Regierung in Höhe von 85 Milliarden Dollar rettet AIG jedoch. Damit hält der Staat 80 Prozent des Versicherungskonzerns.

Am 20. September tritt erneut US-Finanzminister Henry Paulsen in den Vordergrund und kündigt ein Milliardenpaket für die Kreditwirtschaft an. Insgesamt 700 Milliarden Dollar Steuergelder sollen in die Wirtschaft fließen. Dieser Plan stößt jedoch nicht überall auf Gegenliebe und löst heftige Diskussionen aus. Außerdem ist noch die Zustimmung des Kongresses notwendig.

Am 24. September steigt US-Investor Warren Buffett mit mindestens fünf Milliarden Dollar bei der angeschlagenen Investmentbank Goldman Sachs ein. Dies wird weltweit als Vertrauensbekundung interpretiert.

Am 26. September ist auch die größte US-Sparkasse Washington Mutual pleite. Der größte Zusammenbruch einer Bank in der US-Geschichte ist damit traurige Realität. JP Morgan Chase steigt mit 1,9 Milliarden Dollar ein und übernimmt große Teile des Mitstreiters.

Der Morgen des 29. September. Die Finanzkrise schlägt jetzt auch in Europa hohe Wellen. Erstmals steht mit dem Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate auch ein DAX-Unternehmen vor dem Abgrund. Nur eine Gruppe privater und öffentlich-rechtlicher Banken verhindert mit kolportierten 35 Milliarden Euro den Zusammenbruch. Die Regierungen der Niederlande, Belgiens und Luxemburgs pumpen 11,2 Milliarden Euro in den Finanzkonzern Fortis. In Großbritannien kommt es zur Verstaatlichung der Hypothekenbank Bradford & Bingley.

Noch am selben Tag, jedoch abends, lehnt das US-Repräsentantenhaus den 700 Milliarden Dollar Plan der US-Regierung völlig überraschend ab. Die Reaktion der Börsen ist panisch, die Kursverluste sind stärker als am 11. September 2001. Mit einem Minus von 738 Punkten ist ein neuer Negativrekord beim Dow Jones erreicht. Am Nachmittag hatte die Citigroup die viertgrößte US-Bank Wachovia übernommen.

Am 30. September reagieren die Börsen weltweit auf das Scheitern des Rettungsplans. Der DAX fällt auf ein Jahrestief und die Regierungen der Benelux-Staaten pumpen 6,4 Milliarden Euro in die Dexia Bank.

4. Quartal

Am 3. Oktober stimmt das US-Repräsentantenhaus dem leicht veränderten Rettungsplan doch zu. Der Senat hatte diesem bereits am 1. Oktober zugestimmt.

Am 5. Oktober kommt es zu einem wahrhaften Krimi um die Rettung der Hypo Real Estate. Nachdem etliche neue Millardenlöcher bekannt werden, wollen einige Banken das Rettungspaket nicht mehr mittragen. Nach zähen Gesprächen einigen sich die Bundesregierung und die Finanzinstitute jedoch auf ein neues Hilfspaket. Die Kreditlinien für die Hypo Real Estate werden um 15 Milliarden auf 50 Milliarden erhöht. Darüber hinaus gibt die deutsche Bundesregierung erstmals eine Komplettgarantie des Staates für private Spareinlagen ab. Trotz dieser Nachrichten erreicht der DAX am folgenden Tag den niedrigsten Stand seit Juli 2006, der Eurokurs fällt auf ein Jahrestief.

Am 7. Oktober setzt sich das Finanzchaos in Europa fort. Der Inselstaat Island steht vor dem Bankrott. Per Notstandsgesetzt übernimmt Island die vollständige Kontrolle über das Finanzwesen. Die drei größten isländischen Banken Glitnir, Kaupthing und Landsbanki hatten sich zuvor hoch verschuldet. Innerhalb der EU wird die Mindestgarantie auf Sparguthaben auf 50.000 Euro erhöht.

Am 8. Oktober senken sechs Notenbanken, darunter auch die Europäische Zentralbank und die amerikanische Fed die Leitzinsen, um die Märkte zu beruhigen. Diese Maßnahme wirkt jedoch nicht. Die Kurse brechen weltweit ein und auch die Realwirtschaft bekommt die ersten Konsequenzen zu spüren. Der Autohersteller Opel legt vorübergehend die Bänder in Bochum still und vielen US-Autohändlern droht die Pleite. Die britische Regierung verstaatlicht Banken für 200 Milliarden Pfund.

Am 10. Oktober 2008 ändert die Wiener Börse AG in Abstimmung mit der Finanzmarktaufsichtsbehörde FMA mit sofortiger Wirkung die Handelsregeln. Erstens kann - sobald der Handel an der Wiener Börse wider aufgenommen wird - die Wiener Börse AG bis auf weiteres bei Kursänderungen in einem Finanzinstrument von mehr als 10 Prozent den Handel in diesem Wertpapier befristet oder bis auf Widerruf aussetzen. Zweitens kann Short-Selling in einzelnen oder allen gehandelten Wertpapieren mit sofortiger Wirkung befristet oder bis auf Widerruf untersagt werden. Diese beide Regeln gelten ab sofort.

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