Dotcom-Blase
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Der Begriff Dotcom-Blase ist ein durch die Medien geprägter Kunstbegriff für das Platzen einer Spekulationsblase im März 2000 an der Börse, die insbesondere die Aktien der so genannten Dotcom-Unternehmen betraf und vor allem zu heftigen Vermögensverlusten für Kleinanleger führte.
Die Dotcom-Blase war ein weltweites Phänomen. Der größte Markt für Technologieunternehmen war damals wie heute die amerikanische Nasdaq. In Deutschland richtete die Deutsche Börse als Pendant den Neuen Markt als eigenes Marktsegment ein, an dem angeblich zukunftsweisende und stark wachsende Unternehmen, als die die Technologieunternehmen galten, notiert sein sollten.
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Die Boom-Phase
Auslöser des Booms waren die hohen Gewinnerwartungen, die durch neue technologische Entwicklungen entfacht wurden. So fand das Internet seine Verbreitung in weiten Kreisen der Bevölkerung der Industriestaaten, das Mobiltelefon zog in den Alltag ein, PDAs wurden entwickelt usw. Daher kam es ab 1995 zu einer Vielzahl von Neugründungen von Unternehmen und durch das große Anlegerinteresse vermehrt zu Börsegängen. Viele Anleger schöpften die Hoffnung, dass die in diesen Märkten operierenden Unternehmen „Zukunftsunternehmen“ seien, und wollten über einen Aktienkauf an vermeintlichen zukünftigen Gewinnen teilhaben. Zudem führte insbesondere in Deutschland der von umfangreichen Werbemaßnahmen begleitete Börsengang der Deutschen Telekom zu einer stark gestiegenen Popularität des Investmentobjekts Aktie. Ab Mitte 1999 vervielfachte sich innerhalb weniger Monate die Börsenbewertung zahlreicher Unternehmen durch eine deutlich erhöhte Nachfrage der vormals am Aktienmarkt nicht aktiven Neuanleger.
Weiter verstärkt wurde dieser Effekt durch den starken Expansionsdrang vieler Unternehmen. Die durch die Börsengänge erzielte Liquidität wurde in den Aufkauf weiterer börsennotierter Unternehmen via Übernahmen investiert. Andere Anleger wurden von den häufig prozentual zweistelligen Kurssteigerungen selbst angezogen, die sie zwar für teilweise übertrieben hielten, von denen sie aber - oft als Daytrader - dennoch profitieren wollten.
Auch Investmentfonds verstärkten die Spekulationsblase, indem sie ihren Kunden immer höhere Gewinne in Aussicht stellten. Es wurde eine Vielzahl von „Neue-Markt“-, Internet-, Telekommunikations- und Technologiefonds gegründet, die reißenden Absatz fanden.
Der Höhepunkt in Deutschland
Die deutschen Aktienindizes erreichten ihren Höhepunkt am 13. März 2000, dem Tag des Infineon-Börsengangs (Siemens-Spin-off). Auch die in dieser Zeit zu einer Art Volkssport ausgeartete Spekulation mit Neuemissionen erreichte ein noch nie dagewesenes Ausmaß: Am 13. März wurden so viele Infineon-Aktien gehandelt, dass die Handelssysteme der Frankfurter Wertpapierbörse und damit zugleich die Orderverarbeitungen einiger Bankhäuser zusammenbrachen.
Der Absturz
Gegen Ende des Booms zeichnete sich ab, dass die hochbewerteten Unternehmen die Gewinnerwartungen nicht in absehbarer Zeit würden erfüllen können. Ihr Börsenwert war zumeist nicht durch materielle Gegenwerte gedeckt, da das Kapital eines IT-Unternehmens weniger in materiellen Gütern als vielmehr in den geistigen Leistungen seiner Mitarbeiter zu finden ist. Oftmals bestand der Buchwert der Unternehmen aus nicht viel mehr als einigen Gebäuden und der IT-Infrastruktur, die im Expansionsdrang zugekauften Unternehmen waren zudem meist nicht profitabel.
Die Zweifel wurden lauter, als die ersten der vermeintlichen Hoffnungsträger Insolvenz anmelden mussten. Überdies stellte sich heraus, dass in einigen Fällen die ausgewiesenen Umsätze nur fingiert waren. Als im März 2000 die Kurse zu sinken begannen und vermehrt Verkäufe getätigt wurden, brach der Markt vollends in sich zusammen. Als die ersten Anzeichen eines Kursverfalls erkennbar wurden, zogen erfahrene Börsianer ihr Kapital aus dem Markt ab. Durch den anhaltenden Kursabfall gerieten die häufig neuen, unerfahrenen Kleinanleger in Panik und verkauften „um jeden Preis“, um ihre Verluste in Grenzen zu halten. Der Kursverfall verwandelte sich in einen Kurssturz.
Anlagefehler und die Unerfahrenheit
Als Anlegerfehler der damaligen Spekulationsblase gelten vor allem überhöhte Gewinnerwartungen, das Ignorieren der fundamentalen Unternehmensbewertung und die Missachtung Jahresabschlüsse. Gier und Unerfahrenheit trugen zusätzlich zur Krise bei. Auch dem noch unerfahrenen Anleger wurde vielerorts der irrige Eindruck vermittelt, die Börse sei eine Einbahnstraße - mit fatalen Folgen für die Vermögen vieler Kleinanleger.
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