Discount-Zertifikate

Aus Börse Express - Das Finanz- und Wirtschaftswiki zum Marktplatz Wien

Wechseln zu: Navigation, Suche
Discount-Zertifikate verbriefen den Anspruch auf eine Aktie oder einen Aktienindex. Der Einstieg ist günstig, denn der Kaufpreis des Zertifikates liegt unter dem aktuellen Stand des Basiswertes. Ab einer bestimmten Kursschwelle erhält der Anleger bei Fälligkeit des Zertifikates jedoch keine Aktie oder den Indexwert, sondern einen bestimmten Geldbetrag. Der Gewinn ist damit auf einen maximalen Wert begrenzt.

Discount-Zertifikate sind geeignet für Anleger, die einen günstigen Einstieg suchen, jedoch gleichzeitig ihr Risiko reduzieren. Der Investor rechnet aber auch damit, dass der Anstieg nicht geradlinig verlaufen, sondern der Kurs leicht fallen oder seitwärts tendieren könnte. Ein direktes Investment in den Wert erscheint somit nicht ratsam. In dieser Situation und unter Verzicht auf den unlimitiert möglichen Gewinn ist das Discount-Zertifikat das richtige Produkt für Anleger.


Inhaltsverzeichnis

Grundlagen

Rein rechtlich ist der Emittent jenes Institut, dass die Zertifikate auflegt. Der Emittent erhält den Erlös aus dem Verkauf des Discount-Zertifikates und ist im Gegenzug verpflichtet, eine bestimmte Leistung zu erbringen, die in den Zertifikatsbedingungen für das Discount-Zertifikat genau festgelegt ist. Aus diesem Grund ist die Bonität, also die Fähigkeit des Emittenten, seine Verpflichtungen zu erfüllen, von besonderer Bedeutung.

Unterschied Aktie und Discount Zertifikat?

Wirtschaftlich betrachtet verbrieft das Discount-Zertifikat den Anspruch auf eine Aktie. Zwei Unterschiede zu Aktien sind dabei wesentlich:
  • Zum einen ist die Laufzeit des Zertifikates begrenzt.
  • Zum anderen haben Sie keinen Anspruch auf Dividendenzahlungen, andere Ausschüttungen oder das Recht auf Teilnahme an der Hauptversammlung.
  • Wahlrecht des Emittenten bei der Tilung am Ende der Laufzeit: dh Lieferung der jeweiligen Aktie oder Zahlung des Höchstbetrages


Beispiel:

Dem Discount-Zertifikat liegt die Aktie XY zugrunde. Der Discount ergibt sich aus der prozentuellen Differenz zwischen dem Verkaufskurs des Zertifikates von 34 Euro und dem Kurs der zugrunde liegenden Aktie XY von 40,50 Euro zum Zeitpunkt des Zertifikatekaufs.

In diesem Beispiel ist der Emittent berechtigt, bei Fälligkeit das Discount-Zertifikat auf die Aktie XY in Aktien zu tilgen, wenn die Aktie unter dem Höchstbetrag von 40 Euro notiert. Sollte die Aktie bei oder über 40 Euro notieren, dann zahlt der Emittent den Höchstbetrag.

Im Gegenzug zum Preisabschlag, der dem Anleger als Risikopuffer dient, wird auch das Steigerungspotenzial, d. h. die Höhe des maximalen Gewinns des Produktes, begrenzt. Das Discount- Zertifikat kann also den Kursanstieg einer Aktie oder des Index nur bis zu einem vorher definierten Maximalniveau mitmachen. Dieses Kursniveau wird in der Fachsprache auch „Cap“ (englisches Wort für „Deckel“) genannt. Dies bedeutet, dass der Anstieg nach oben gedeckelt bzw. begrenzt ist. Wichtig für den Anleger ist daher die optimale Auswahl des Caps, da dieser sowohl auf die Höhe des Risikopuffers als auch auf die des Gewinns Auswirkungen hat.


Aufbau

Während das Auszahlungsprofil eines Discount-Zertifikates am Laufzeitende klar definiert ist und allein vom Kursverlauf des Basiswertes abhängt, wird der Kurs des Zertifikates während der Laufzeit auch von zusätzlichen Parametern beeinflusst. Der Grund liegt in der Struktur des Zertifikates. Wie bei den meisten verbrieften Derivaten investiert auch der Käufer eines Discount-Zertifikates indirekt in Optionskomponenten.

Im Prinzip kauft der Investor einen Zero-Strike-Call – also eine Kaufoption mit einem Basispreis von null. Wenn der Basiswert eine Aktie ist, dann entspricht ein Zero-Strike-Call einer Aktie ohne Dividenden-Anspruch. Darüber hinaus verkauft der Anleger indirekt eine Kaufoption, einen so genannten Call-Optionsschein. Der Basispreis des Calls befindet sich in Höhe des Caps.

        CLASSIC-Discount-Zertifikat = Zero-Strike-Call – Call


Entwicklung

Aktien

Dem Discount-Zertifikat liegt eine Aktie zugrunde, dh die Aktie, auf die sich ein Discount-Zertifikat bezieht, ist der Basiswert. Für Sie ergibt sich daraus eine grundsätzliche Konsequenz: Die Entwicklung eines Discount-Zertifikates leitet sich zu einem wesentlichen Teil aus der Bewegung des jeweiligen Basiswertes ab.

Index

Eine andere Möglichkeit liegt in Index-Discount-Zertifikaten. Index-Discount-Zertifikate funktionieren im Grunde wie Aktien-Discount-Zertifikate, mit dem Unterschied, dass man nicht auf ein Unternehmen sondern auf die Entwicklung eines gesamten Marktes setzt.


Discount

Der Discount ist deshalb keine statische, im Voraus festgelegte Größe. Dieser ergibt sich aus der prozentualen Differenz zwischen dem Verkaufskurs des Discount-Zertifikates und dem Kurs der Aktie zum Zeitpunkt des Zertifikatekaufes. Der Discount ändert sich mit jeder Änderung des Verkaufskurses und bewegt sich somit kontinuierlich während der Laufzeit des Zertifikates.

Für den maximalen Gewinn gilt das Gleiche: Diese Größe ergibt sich als prozentuale Differenz zwischen dem Höchstbetrag und dem jeweils aktuellen Verkaufskurs und verändert sich deshalb auch fortlaufend bis zum Ende der Laufzeit


Faktoren, die den Discount beeinflussen:

Die Art und Höhe der Rückzahlung von Discount-Zertifikaten hängt vom Kurs des jeweiligen Basiswertes am Bewertungstag ab. Der Emittent ist berechtigt, das Discount-Zertifikat in Aktien zu tilgen, wenn die Aktie unter 40,00 Euro notiert (siehe hiezu das oben gezeigte Beispiel). Dieser maßgebliche Kurs von 40,00 Euro wird in der Fachsprache auch als Höchstbetrag oder englisch „Cap“ bezeichnet. Damit es nicht zu Unstimmigkeiten kommt, wird der für die Entscheidung über die Rückzahlung ausschlaggebende Kurs der Aktie genau festgelegt.

Für die Rückzahlung von Discount-Zertifikaten sind zwei Zeitpunkte maßgeblich:

  • zum einen der Bewertungstag, an dem die Entscheidung fällt, ob das Zertifikat in Geld oder Aktien getilgt wird.
  • zum anderen ist dies die Fälligkeit, das heißt der Tag, an dem das Discount-Zertifikat aus Ihrem Depot ausgebucht und im Gegenzug der Höchstbetrag in Euro gutgeschrieben oder die Aktien in Ihr Depot eingebucht werden.

Der Tag der Fälligkeit liegt aus abwicklungstechnischen Gründen einige Tage nach dem Bewertungstag.


Gewinn / Rendite

Grundsätzlich gilt: Welchen Gewinn Sie mit einem Discount-Zertifikat tatsächlich erzielen, können Sie erst feststellen, wenn Sie die Rückzahlung erhalten oder das Zertifikat vor Fälligkeit veräußert haben. Ihren Gewinn – sprachlich genauer wäre der Begriff „Rendite“ – können Sie leicht selbst errechnen:


Da Sie während der Laufzeit keine Ausschüttungen erhalten, müssen Sie den Wert des Discount-Zertifikates bei Rückzahlung mit Ihrem Einstand, also dem ursprünglichen Kaufpreis, vergleichen. Im Falle der Lieferung einer Aktie entspricht der Wert dem dann aktuellen Aktienkurs, im Falle der Rückzahlung in Geld dem Höchstbetrag. Aufgrund des Höchstbetrages ist Ihr Gewinn begrenzt. Bei unserem Discount-Zertifikat Beispiel beträgt der maximale Gewinn 17,65%, entsprechend der Differenz zwischen dem Höchstbetrag von 40,00 Euro und dem Kurs von 34,00 Euro, ausgedrückt in Prozent.


Bei dieser Betrachtung lassen wir die Gebühren, die Ihnen von Ihrer Hausbank für Kauf, Verkauf bzw. Einlösung sowie die Depotführung in Rechnung gestellt werden, außer Acht.

   Berechnung des Gewinns:
      Maximale Rendite = (Rückzahlungswert - Kaufpreis)/ Kaufpreis x 100
   Rechenbeispiel:
      Maximale Rendite = (40,00 - 34,00)/ 34,00 x 100 = 17,65 %


Varianten von Discount-Zertifikaten


Tipps für die Praxis

  • Wählen Sie eine solide Aktie
  • ... oder konzentrieren Sie sich auf einen marktbreiten Index
  • Prognostizieren Sie, wie sich Aktie oder Index entwickelt
  • Schaffen Sie sich einen Risikopuffer
  • Kaufen Sie Discount-Zertifikate von einem Experten
  • Beobachten Sie den Kurs Ihres Discount-Zertifikates
  • Setzen Sie sich klare Ziele: Gewinne realisieren, Verluste begrenzen
  • Lesen Sie die Zertifikatsbedingungen
  • Setzen Sie nicht alles auf ein Discount-Zertifikat
  • Überwinden Sie Vorurteile bei Ihren Anlageentscheidungen


Quelle

Persönliche Werkzeuge