Nach den Weinen haben Sammler inzwischen auch den Whisky als Objekt ihrer Leidenschaft entdeckt. Bei einer vom Auktionshaus Bonhams veranstalteten Whisky-Versteigerung in New York erzielte ein 50 Jahre alter Macallan Anniversary Malt einen Preis von 9250 Dollar - annähernd doppelt so hoch wie der bisher für eine Flasche Chateau Lafite gezahlte Rekordpreis.
Seit neuestem gibt es sogar einen Whisky-Index, der die auf Auktionen erzielten Preise abbildet. An der Bonhams-Auktion in New York nahmen neben rund drei Dutzend anwesenden Bietern auch Whisky-Fans aus Taiwan, Hongkong und Europa per Telefon teil. “Die Preise sind fair, und die Flaschen werden für das verkauft, was sie wert sind”, sagt Peter Silver. Der Zahnarzt, zu dessen Patienten der Jazz-Musiker Wynton Marsalis gehört, ist Mitglied der Malt Maniacs, einer Vereinigung von Fans des Malt Whisky.
Der für den Macallan gezahlte Preis liegt noch über denen für teure Bordeaux-Weine. Eine Kiste des gefragten 1982er Jahrgangs von Chateau Lafite wurde im Mai bei Zachys für 58.080 Dollar zugeschlagen. Der Flaschenpreis von 4840 Dollar ist gerade einmal gut die Hälfte der jetzt für den Macallan gezahlten Summe. “Der Preisanstieg hat im vergangenen Frühjahr richtig an Fahrt gewonnen”, sagte Martin Green, Whisky- Spezialist des Auktionshauses. Dabei seien bekannte Namen mit Kultstatus führend, wie beispielsweise Macallan, Dalmore, Bowmore, Springbank und Glenfiddich.
(Bloomberg)
“Die Leute investieren als Spekulation, und wenn sie Lust haben, können sie ihr Investment auch trinken”, führt er aus. Dabei haben Whiskys einen deutlichen Vorteil gegenüber Weinen. Ist eine Weinflasche erst einmal offen, muss sie auch bald getrunken werden, oder die Qualität leidet. Whisky-Flaschen halten sich offen über Monate, wenn nicht Jahre. Der rasante Preisanstieg zeigt sich auch im Whisky Index, den das britische Magazin Whisky vor kurzem eingeführt hat. Der Index bildet die Preise auf Auktionen ab und zeigt für den Zeitraum seit Mai 2009 einen steilen Anstieg. Die Preise haben sich mehr als verdoppelt.
Aber auch für Whisky-Fans mit schmalerem Geldbeutel sind die Auktionen interessant. Bei der Bonhams-Auktion wurden die meisten der 554 Lose zwischen 200 und 800 Dollar zugeschlagen. Mehr als die Hälfte sei von Privatkäufern erworben worden, sagt Green. “Wir beobachten immer mehr Erstkäufer.” Diese interessieren sich vor allem für die sogenannten Single Malts - Whiskys, die aus einer einzigen Brennerei stammen und im Gegensatz zu den sogenannten “Blends” nicht verschnitten sind.