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22.02.2013

Italien-Wahl: Sicher ist nur die Unsicherheit


Am letzten Börsentag vor den Parlamentswahlen in Italien zeigen sich die Märkte bisher noch freundlich. Immerhin ist laut Ifo-Geschäftsklimaindex die Stimmung in der deutschen Wirtschaft im Februar schon den vierten Monat in Folge aufgehellt. Die Unsicherheit könnte aber im Laufe des Tages wieder die Oberhand gewinnen. Denn eines scheint klar, keiner kann auch nur annähernd sagen, wie die Wahlen in Italien ausgehen werden. 


Seit zwei Wochen dürfen keine Umfrageergebnisse mehr veröffentlicht werden. Manche Medien tarnen die in den Parteizentralen täglich kursierenden Befragungen dann eben als Ergebnisse von Pferderennen. Danach soll die Koalition Italia. Bene Comune von Mitte-Links-Parteien und dem Ministerpräsidentenkandidat Per Luigi Bersani (34%) sechs Prozent vor der von Berlusconi organisierten Koalition von Mitte-Rechts-Parteien (29%) liegen. An dritter Stelle hat sich die Partei des Komikers Beppe Grillo - Movimento 5 Stelle - platziert, noch vor der Agenda Monti per l’Italia, einer zentristischen Koalition, die sich für eine Weiterführung der Regierung von Mario Monti ausspricht. 


So weit, so gut? Ja, aber nur, wenn der Sieg Bersanis haushoch ausfällt, sagen die meisten Experten. Was noch vor Wochen, bevor Berlusconi wieder die politische Bühne betrat und populäre Wahlversprechen abgab, möglich gewesen wäre, wird heute allerdings von niemandem mehr erwartet. Ein knapper Sieg Bersanis rückt dagegen Neuwahlen und damit eine wenig stabile Zukunft Italiens aber auch der Währungsunion ins Blickfeld. Das hart erarbeitete Vertrauen in Italien wie auch in die gesamte Eurozone wäre dann wieder auf den Prüfstand gestellt, prophezeien die Experten der DZ Bank. 


Wegen der heiklen Konsequenzen lässt niemanden das Wahlthema kalt. Unter den meist ähnlichen Meinungen gibt es daher auch Ausreisser. Für die grösste börsennotierte  italienische Mediobanca zum Beispiel wäre ein Sieg von Silvio Berlusconi das beste Ergebnis, denn es würde “den Markt in Panik versetzen” und der viertgrössten Volkswirtschaft Europas über eine Hilfsaktion zu niedrigeren Fremdkapitalkosten verhelfen. Analyst Antonio Guglielmi schreibt in einer am Montag veröffentlichten Studie, dass der nach diesem Wahlausgang folgende Anstieg der Renditen italienischer Staatsanleihen “der perfekte Vorwand” für einen Hilfsantrag an die EZB sei und “den besten Ausweg” aus dem unhaltbaren Schuldenniveau Italiens biete. Für Holger Schmieding von der Berenberg Bank sind allerdings im Gegenzug für finanzielle Mittel Reformen notwendig und die sind mit Berlusconi unwahrscheinlich. 


Was die Reaktion auf einen Berlusconi-Sieg an den Märkten anbelangt, herrscht jedenfalls Einigung: "Italien dürfte an den Märkten brutal abgestraft werden", spricht UBS-Volkswirt Martin Lück das aus, was die meisten denken. Die Analysten der Nordea-Bank rechnen dann für zehnjährige italienische Papiere mit einem Sprung von derzeit 4,4 auf Niveaus um die sechs Prozent. Geht es nach Alberto Chiandetti, Manager des Fidelity Italy Fund, dürfte nur eine Konstellation Bersani-Monti eine Rally an den Märkten auslösen. 

(cg)



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