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01.02.2013

US-Aktien – Aussieben trotz Marktoptimismus


Kommentar von Fidelity-Fondsmanager Adrian Brass

Investoren konzentrieren sich momentan eher auf Indikatoren, die eine positive Geschäftserwartung der Unternehmen zeigen. Nach der Verunsicherung im letzten Quartal über die Fiskalklippe reagiert die Wirtschaft jetzt erleichtert auf die geschaffene Klarheit bezüglich der Steuerpolitik und auf die wieder anziehende Binnennachfrage. Was viele Anleger dabei aber ignorieren, sind die mittelfristigen Auswirkungen der Steuererhöhungen für Verbraucher und der - selbst mit Fristverlängerung - noch in Kürze unausweichlich anstehenden Ausgabenkürzungen der Regierung.

Einige Kernursachen des BIP-Rückgangs im vierten Quartal 2012 – reduzierte Rüstungsausgaben und Lagerbestandsbereinigungen – sind von temporärer Natur und können sich theoretisch auch schnell wieder umkehren. Die wachsenden Staatsschulden werden das Wirtschaftswachstum aber auf langjährige Sicht behindern. Daher halte ich die Gewinnerwartungen der amerikanischen Unternehmen für 2013 insgesamt für zu optimistisch. Trotzdem erwarte ich, dass amerikanische Aktien in den nächsten Monaten von den anhaltenden Liquiditätsspritzen und der Niedrigzinspolitik der Fed profitieren werden, auch weil als Reaktion darauf Gelder verstärkt aus Anleihen in Aktien fließen dürften.

Aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Risiken am Horizont konzentriere ich mich jetzt auf Unternehmen, deren Wachstum zu einem erheblichen Teil von der Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft unabhängig ist. Dabei bieten von Unsicherheit geprägte Börsenphasen große Chancen, Aktien zu finden, deren Kurse ungerechtfertigterweise in Mitleidenschaft gezogen werden und die daher günstig zu haben sind. Das trifft aktuell stark auf den Gesundheitssektor zu, der mit einem beträchtlichen Abschlag auf sein durchschnittliches Kurs-Gewinn-Verhältnis gehandelt wird. Ich gehe davon aus, dass etwa die an der New Yorker Börse gelistete Sanofi-Aktie gewinnen wird, sobald Investoren feststellen, dass das Unternehmen auch nach der gefürchteten "Patent-Klippe" – also dem gehäuften Auslaufen von Patentschutz auf Pharmaprodukte – weiterhin solide Gewinne einfährt. Das kann es nicht zuletzt, weil es einen großen Teil seines Umsatzes in den Schwellenländern generiert.

Auch die amerikanischen Technologieunternehmen bedienen einen globalen Markt. Zudem hängt ihr Wachstum nicht nur an der Nachfrage, sondern wird auch ständig von Innovationen getrieben. So konnte Google durch die schwächere Wirtschaftslage bedingte Wachstumseinbußen durch Diversifikation in neue Bereiche wie mobile Suche und Google TV ohne Probleme auffangen.

Der Konsum im Medienbereich gewinnt generell an Bedeutung und ist sehr viel unabhängiger von Makro-Faktoren als das produzierende Gewerbe, deren Unternehmen ich meide. Während sich die amerikanische Bevölkerung als Folge der steigenden Lohnsteuer beim Konsum insgesamt künftig stärker einschränken dürfte, könnte die Nutzung bezahlter digitaler Unterhaltungsangebote sogar noch zunehmen – wenn die Menschen eher zuhause bleiben als auszugehen."


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