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16.01.2013

Draghi schürt Hoffnung auf 30-jährige deutsche Inflationsbonds


Die Aussicht auf eine Konjunkturerholung könnte Deutschland bewegen, mit einer 30-jährigen, inflationsgeschützten Anleihe an den Markt zu kommen. Zu den verbesserten Aussichten beigetragen hat die erfolgreiche Beruhigung der europäischen Bondmärkte durch EZB-Präsident Mario Draghi.

Die Europäische Zentralbank prognostiziert, dass der Euroraum sich 2013 von der Rezession erholen wird und die Regierungschefs der Europäischen Union sind der Meinung, dass das Schlimmste bei der Schuldenkrise überstanden ist. Die Aussicht, dass diese Kräfte die Inflation anschieben, steigert den Appetit der Anleger auf ein langfristiges Index-Papier mit Spitzenbonitätsnote. Nach der Rating-Herabstufung Frankreichs ist die Region nun ohne einen inflationsindexierten Bond mit “AAA“-Rating und einer Restlaufzeit von mehr als zehn Jahren.

“Wir würden wahrscheinlich 30-jährige inflationsgesicherte Bundesanleihen kaufen, wenn sie angeboten werden”, erklärt Robin Marshall, Leiter festverzinsliche Papiere bei Smith & Williamson Investment Management in London. “Inflation ist wohl
derzeit keine Gefahr im Euroraum, aber ich möchte gerne eine längerfristige Perspektive einnehmen, ohne Kreditrisiken einzugehen. Derzeit ist das nicht so leicht zu bewerkstelligen.”

Deutschland ist erst spät am Markt für inflationsgeschützte Papiere eingestiegen, es hat die ersten Anleihen, die an die Verbraucherpreise gekoppelt waren, im März 2006 an den Markt gebracht. Großbritannien hat bereits 1981 so genannte Linker
begeben, Frankreich kam 1998 an den Markt und Italien hatte im Jahr 2004 sein Debüt. Die Papiere sollen ihren Wert bewahren, wenn die Verbraucherpreise anziehen.

Gerhard Schleif, der frühere Leiter der Bundesfinanzagentur in Deutschland, sagte 2007, dass 30-jährige Inflationsbonds in dem Jahr wieder kommen könnten. Carl Heinz Daube, der 2008 die Leitung der Behörde übernahm und am heutigen Dienstag seine Tätigkeit beendete, bekräftigte die Absicht, derartige Papiere an den Markt zu bringen. Nachfolger von Daube wird Tammo Diemer, während die Anleger weiter auf die erste Emission warten.

Die Agentur werde die Marktlage weiter überwachen, erklärte Jörg Müller, Sprecher der Finanzagentur, in der vergangenen Woche in einer E-Mail auf Fragen. “Wir sind 2006 angesichts einer längerfristigen Erwartung niedrigerer Zinskosten in den Markt gegangen. Weitere Ziele waren eine breitere Investoren- Basis, eine Erhöhung der Finanzflexibilität und eine Ausweitung des Angebotsspektrums an Papieren”, erläuterte er.

Die langfristigen Inflationserwartungen sind in den G10- Ländern gestiegen, da für die Weltwirtschaft ein höheres Wachstum als im vergangenen Jahr erwartet wird. Die Weltwirtschaft wird in diesem Jahr um 2,4 Prozent und 2014 um 3,17 Prozent wachsen, lautet die Median-Prognose von Ökonomen in einer Bloomberg-Umfrage.

Die französische Breakeven-Rate im 15-Jahres-Bereich, die aus der Renditedifferenz zwischen traditionellen und inflationsgeschützten Anleihen ermittelt wird, ist in der vergangenen Woche auf 2,27 Prozentpunkte gestiegen, verglichen
mit 1,99 Prozentpunkten vor einem Jahr. Die entsprechende Rate bei 30-jährigen US-Bonds stieg im gleichen Zeitraum von 2,16 Prozentpunkten auf 2,56 Prozentpunkte, während sich die Differenz im britischen 30-Jahres-Bereich von 3,20 auf 3,27 Prozentpunkte ausweitete.

“Es muss gerechterweise gesagt werden, dass sehr bald nach der Emission der ersten inflationsindexierten deutschen Anleihen eine Reihe von Dingen passierten, die es eher schwierig machen, 30-jährige Linker zu begeben”, sagt Markus Heider, Leiter
Inflationsanalyse bei der Deutsche Bank AG in London. “Es gab die Finanzkrise, gefolgt von der Euroraum-Schuldenkrise. Die Leute haben sich mehr Sorgen um eine Rezession als um Inflation gemacht. Es kann argumentiert werden, dass die Marktlage und die Bewertungen sich verbessert haben. Der Zeitpunkt ist nun besser, derartige Papiere zu begeben.”

Die deutsche Inflationsanleihe mit der längsten Laufzeit wird im April 2023 fällig. Zwar rangiert das Land unter den umsatzstärksten Bondmärkten, die inflationsindexierten Papiere haben jedoch nur ein Volumen von 55 Mrd. Euro, verglichen mit 173 Mrd. Euro in Frankreich und 290 Mrd. Pfund (348,9 Mrd. Euro) in Großbritannien.

“Wenn Deutschland ein Benchmark-Emittent am Linker-Markt werden will, muss es 30-jährige Inflationsbonds begeben”, erläutert Kari Hallgrimsson, Leiter europäischer Inflationshandel bei JPMorgan Chase & Co in London. “Wir haben von starkem Interesse an langfristigen deutschen Linkern von Pensionsfonds aus Skandinavien, den Niederlanden und Deutschland gehört. Der Markt wird es sehr positiv aufnehmen.”

Die Rendite von 15-jährigen französischen, inflationsgeschützten Anleihen ist von 1,39 Prozent Ende Juni auf etwa 0,495 Prozent gesunken, was die Nachfrage nach längerfristigen Inflationspapieren widerspiegelt. Deutsche Papiere mit Fälligkeit April 2023 rentierten bei minus 0,21 Prozent, verglichen mit 0,01 Prozent Mitte 2012.

bloomberg


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