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20.12.2012

"Längerfristig orientierten Investoren raten wir, der Versuchung vorübergehender Risiko-Rallys zu widerstehen"

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Kommentar von Sanjay Natarajan, Institutional Equity Portfolio Manager bei MFS

Die amerikanischen Präsidentschaftswahlen und der Führungswechsel in China sind vorüber. Die internationalen Konjunkturindikatoren haben sich leicht verbessert. Jetzt sind wir gespannt, was dies für die Aktienmärkte bedeutet. Erst kürzlich kam es zu einem Ausverkauf und wir glauben, dass das Wirtschaftswachstum so lange enttäuschen wird, bis sowohl in den Industrieländern als auch in den Emerging Markets echte Strukturreformen stattfinden. Dies dürfte zu erhöhter Marktvolatilität führen. Längerfristig orientierten Investoren raten wir daher, auf Qualität zu setzen und der Versuchung vorübergehender Risiko-Rallys zu widerstehen.

Nach einer heftig umkämpften Wahl war Obamas Sieg nicht überzeugend genug, um ihm ein klares Mandat zur Überwindung der Fiscal Cliff zu geben. Die amerikanischen Unternehmen investieren bereits weniger. Das zeigt sich etwa in den Auftragseingängen für langlebige Güter. Sie bereiten sich damit auf Turbulenzen vor und die geringeren Investitionen werden auch die Gewinne dämpfen. Wir glauben, dass die Fed unter der neuen Obama-Regierung ihre expansive Geldpolitik beibehält, was günstig für risikobehaftete Wertpapiere ist. Angesichts der schwachen Unternehmensgewinne und der unklaren politischen Situation wäre eine weitere Runde „Quantitative Easing“ ebenfalls keine Überraschung.

Wir werden die Konjunkturdaten und die Unternehmensgewinne sorgfältig beobachten. Bis jetzt haben die amerikanischen Unternehmensgewinne aufgrund unerwartet niedriger Umsätze leicht enttäuscht. Auch die Markt- und Stimmungsindikatoren sowie die Prognosen haben sich verschlechtert.

Im letzten Monat vor dem Führungswechsel in China - ein Ereignis, das nur alle zehn Jahre stattfindet - haben wir die Investoren davor gewarnt, dass die möglicherweise anstehenden Strukturveränderungen noch nicht vollständig in den Kursen abgebildet sind. Ausserdem möchten wir daran erinnern, dass der Shanghai Composite Index nach früheren Führungswechseln meist aufgrund der Unsicherheit über die weitere Politik einige Zeit schwach war. Die chinesischen Konjunkturindikatoren haben sich zwar stabilisiert und die Anleger rechnen wieder mit steigenden Kursen. Wir fürchten jedoch, dass ein kurzfristiger konjunkturbedingter Aufschwung letztlich durch die notwendigen Strukturreformen zum Erliegen kommt.

Für das übrige Asien werden wir hingegen etwas optimistischer. Die weltweiten Konjunkturindikatoren haben ihren Tiefpunkt erreicht. Auftragseingänge und Umsätze machen Fortschritte und es besteht die Möglichkeit steigender Gewinnmargen. Asiatische Aktien werden heute zum 12,9-fachen ihrer Vergangenheitsgewinne gehandelt, was die Kurse stützt. Bislang haben die Gewinne die Konsenserwartungen leicht übertroffen. Günstig waren auch die Mittelzuflüsse in den Emerging Markets.

Auch wenn wir Europa jetzt etwas positiver einschätzen, ist die Kursentwicklung eher enttäuschend. Zu Monatsbeginn hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel ähnlich geäussert wie wir, nämlich: Die Lösung der Krise erfordert noch einige Jahre. Die Bewertungen europäischer Aktien erscheinen daher auf den ersten Blick günstig, aber noch sind die Risiken nicht verschwunden. Ausserdem zeigt eine Analyse von Ned Davis, dass die Aktienrisikoprämien zwar fallen, aber noch immer hoch sind. Die Gewinne vieler Unternehmen waren daher etwas besser als erwartet.

Trotz politischer Fortschritte sprechen die strukturellen Herausforderungen des Schuldenabbaus (bei Verbrauchern und Regierungen) sowie das nachlassende Wachstum für eine längere Zeit der Volatilität.


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