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19.12.2012

So ticken die deutschen Selbstentscheider

(c)


Deutscher Derivate Verband hat Studie zu Selbstentscheider-Kunden in Auftrag gegeben

Etwa zwei Drittel der Zertifikate-Anleger stufen sich als Selbstentscheider ein. Das ist ein Ergebnis der Studie „Selbstentscheider-Kunden im Wertpapiergeschäft“, die vom Research Center for Financial Services der Steinbeis-Hochschule Berlin im Auftrag des DDV erstellt worden ist.

Für die repräsentative Untersuchung wurden 5111 Bürger im Alter über 18 Jahren befragt. Ziel war es, mehr über die Anlegergruppe der Selbstentscheider zu erfahren und zwar mit Blick auf ihr Anlageverhalten und auch auf ihre sozio-ökonomischen Merkmale. In der Studie wurden die Unterschiede zwischen Selbstentscheidern und Beratungskunden untersucht, außerdem wurden die Zertifikatebesitzer unter den Wertpapieranlegern genauer analysiert.

Sie kennen das Risiko

„Die Studie zeigt, dass die große Mehrheit der Zertifikate-Anleger nicht zu den Beratungskunden, sondern zu den Selbstentscheidern zählt. Diese Tatsache sollten die politischen Entscheider im Auge behalten. So richtig und notwendig der Anlegerschutz bei Beratungskunden ist, so wenig darf er bei den Selbstentscheidern zur Bevormundung führen“, so Hartmut Knüppel, geschäftsführender Vorstand des DDV.

Während fast zwei Drittel der Zertifikatenutzer ihre Kenntnisse über Kapitalanlagen für sehr gut bzw. gut halten, trifft dies nur auf jeden zweiten Wertpapierbesitzer zu. Im Vergleich zu allen befragten Wertpapierbesitzern weisen Zertifikate-Anleger auch eine höhere Risikobereitschaft auf. Jeder fünfte Zertifikatenutzer schätzt seine Risikobereitschaft als sehr hoch oder hoch ein und jeder zweite als mittel. Dabei sind sich die befragten Zertifikate-Anleger bewusst, wie hoch das Risiko ihrer Anlageentscheidung ist. So geben 84 Prozent an, alle oder die meisten Risiken ihrer Kapitalanlage zu kennen. Ein Viertel aller Wertpapierbesitzer schätzt hingegen, die Risiken ihrer Anlage nicht, wenig oder nur in Teilen zu kennen.

Sie haben hohes Interesse

Laut Studie stufen sich 59 Prozent aller befragten Wertpapierbesitzer als Selbstentscheider ein. Ein Viertel dieser Gruppe sieht sich selbst als gelegentliche Beratungskunden, während sich 12 Prozent zu den überwiegenden Beratungskunden zählen. Nur 4 Prozent derjenigen, die Wertpapiere halten, sind nach eigener Einschätzung reine Beratungskunden ein. Allerdings gaben 39 Prozent der befragten Wertpapierbesitzer an, lediglich eine Wertpapiertransaktion pro Quartal durchzuführen.

Die Frage nach den Gründen für die eigenständigen Anlageentscheidungen, beantworten 63 Prozent mit einem hohen Interesse am Thema Kapitalanlagen. 44 Prozent begründen dies mit fehlendem Vertrauen in ihren Berater. Ein Viertel ist überzeugt, ein besseres Wissen im Vergleich zu ihrem Berater zu haben.

Sie haben hohe Anforderungen

Selbstentscheider nutzen Wertpapiere im Unterschied zu Beratungskunden deutlich seltener als Langfrist-Kapitalanlage. Sie nutzen den Wertpapierhandel nicht zuletzt dafür, schnelle Gewinne zu erzielen. Die durchschnittlichen Handelsvolumina sind bei Beratungskunden jedoch tendenziell höher.

Beim Wertpapierhandel sind Selbstentscheider aktiver und in ihrem Anlagespektrum breiter aufgestellt als Beratungskunden. Sie handeln häufiger und investieren vor allem in Aktien, Anleihen, Anlagezertifikate und auch Hebelprodukte. „Selbstentscheider haben hohe Renditeanforderungen und sind dafür bereit, viel Zeit zu investieren. Der häufig kaufmännische Background sowie das hohe Interesse am Thema Kapitalanlage unterstützen dies. Generell hat mich jedoch der hohe Anteil von Selbstentscheidern bei Wertpapieranlagen in der Bevölkerung überrascht“, erklärt Jens Kleine, Professor für Finanzdienstleistungen an der Steinbeis-Hochschule Berlin.

Zwei von drei sind Männer

Mit Blick auf die sozio-ökonomischen Merkmale zur Unterscheidung von Selbstentscheidern und Beratungskunden kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass mit zunehmender Selbständigkeit bei Anlageentscheidungen die Männerquote steigt und das Alter der Anleger sinkt. Zudem sind Selbstentscheider häufiger in den höheren Einkommensklassen zu finden. Jeder zweite Selbstentscheider hat einen kaufmännischen Beruf, was diese Anleger deutlich von den Beratungskunden unterscheidet.