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26.08.2012

Venezuelas Öldesaster

(c)


Wieder eine Raffinerie explodiert, die Infrastruktur bricht sukzessive zusammen


Venezuela ist einmal mehr ein Musterbeispiel, wohin es führt, wenn der Staat sich anmaßt, privatwirtschaftlich tätig sein zu wollen. Wie bekannt, hat der Revolutionsführer Hugo Chavez in den letzten Jahren diverse Industrien verstaatlicht, darunter die Ölindustrie, die eine Schlüsselindustrie darstellt. Seither taumelt der Industriesektor von einer Panne in die nächste. Am Wochenende flog wieder einmal eine Raffinerie in die Luft mit an die 40 Toten.
Die Ölindustrie wird seit Jahren nicht mehr ordentlich gewartet, Pannen sind an der Tagesordnung. Zu wundern braucht einen das nicht, wenn man bedenkt, dass allein in der staatlichen Ölfirma, wo das jüngste Unglück geschah (und geschätzte 80 schwere Zwischenfälle seit 2003 und 20 heuer), von den bei der Säuberungsaktion hinausgeworfenen 18.000 Mitarbeitern 10.000 (!) Techniker waren. Daher ist die Industrie in einem ähnlichen Zustand wie vor der Wende die Industrien in der UdSSR und ihren Peripheriestaaten.

Am allergroteskesten ist es aber wohl, dass Venezuela mit seinem weltweit größten Ölvorkommen kürzlich in den USA zu Weltmarktpreisen Benzin einkaufen musste, das dann an seine Bürger zum tieferen venezolanischen Preis verschleudert wurde.

Venezuela hat die größten Ölreserven

Venezuelas Ölreserven machen knapp 18% der weltweiten Reserven aus, womit das Land vor Saudiarabien (16%) und Canada (10%) liegt. Im Juni 2012 hat Chavez im übrigen angekündigt, bis 2019 die Ölförderung verdoppeln zu wollen, angesichts der Zustände in der Ölindustrie ein groteskes Wunschdenken, es sei denn Chavez kann sich wieder mit der internationalen Ölindustrie anfreunden. Denn diese ist ihm seit der Enteignungen wenig freundlich gesonnen (die Ölprojekte wurden zu 60% verstaatlicht), aber Chavez hat ohnehin kein Interesse an Investitionen aus dem imperialistischen Ausland. Chavez setzt auf China, das derzeit seine Claims in der venezolanischen Wirtschaft absteckt.
Nicht nur die Ölindustrie liegt danieder, vor 10 Tagen brach die Brücke einer der wichtigsten Straßenverbindung zusammen. Denn die ganzen Gewinne aus der Ölindustrie wurden nicht zur Modernisierung der Infrastruktur eingesetzt, sondern zur Umverteilung an die Bevölkerung verwendet, womit sich Chavez seine Wahlerfolge auf Kosten des Mittelstands erkauft.

Um wirtschaftsschädliche Maßnahmen war der Revolutionsführer nie verlegen. Bereits 2010 wurde die Verstaatlichung von Goldminen angedroht und inzwischen teils umgesetzt. Der Vorstand des weltweit größten Goldproduzenten Barrick Gold, Gregory Wilkins, sagte bereits im November 2007: "Die Liste der Länder, in die wir nicht gehen, wird immer länger. Da sind Venezuela und all die anderen Länder in Lateinamerika, die von Hugo Chavez beeinflusst werden.“ (http://www.foonds.com/article/59... )
Eine der wenigen sinnvollen Aktionen, die Chavez bisher geliefert hat, war die spektakuläre Heimholung der im Ausland lagernden Goldreserven. Die dürfte er aber wohl bitter nötig haben, um den wirtschaftlichen Verfall etwas abzubremsen. Denn von der Infrastruktur her ist Venezuela längst am Boden.

Fazit: Venezuela ist ein Musterbeispiel in der nachsowjetischen Ära, wie man durch maßlose Umverteilung letztlich auf lange Sicht alle ärmer macht, und ein ganzes Land gegen die Wand fährt.

(cr)


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