'Die Leute unterschätzen das Inflationsrisiko'

Investec stösst Staatsanleihen ab - Pimco sieht ein erhebliches Risiko, dass Griechenland zahlungsunfähig wird oder umschuldet.
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Investec Asset Management stösst nach eigenen Angaben Staatsanleihen ab. Die Bedenken von Anlegern zur Konjunktur seien überzogen und in den USA sei ein Anstieg der Leitzinsen zu erwarten, begründet der Vermögensverwalter mit einem Anlagevolumen von 65 Mrd. Dollar seine Strategie.

Investec verkauft neben amerikanischen auch europäische Staatspapiere. Sollten Konjunkturdaten eine weitere Stabilisierung der Konjunktur anzeigen, werde das Haus weitere Bonds abstossen, sagte John Stopford, Leiter des Bondbereichs in London. "Der Markt wird etwas hysterisch", sagte Stopford. "Das Wirtschaftswachstum schwächt sich eindeutig etwas ab. Der Bondmarkt preist allerdings eine Wahrscheinlichkeit von 50 oder 60 Prozent ein, dass die Konjunktur erneut in die Rezession abrutscht und es eine Deflation gibt. Diese Wahrscheinlichkeit ist zu hoch angesetzt. Das Risiko-Chance-Verhältnis spricht dafür, Bonds leer zu verkaufen."

Angesichts der Furcht vor einer stockenden Erholung der Weltkonjunktur ist die Rendite zweijähriger US-Treasuries am 24. August auf das Allzeittief von 0,4542 Prozent gefallen. Zehnjährige deutsche Bundesanleihen erreichten am 31. August das Rendite-Rekordtief von 2,087 Prozent. In den USA haben die Unternehmen im August mehr neue Stellen geschaffen als von Volkswirten erwartet worden war. Mit einem Stellenwachstum von 67.000 nach revidierten 107.000 im Juli wurde die Prognose einer Zunahme von nur 40.000 Stellen klar übertroffen.

Deutsche Bundesanleihen haben vergangene Woche ihren ersten Wochen-Kursrückgang seit Juli verzeichnet. Vorausgegangen waren Daten zur Konjunktur in Industrie und Dienstleistungssektor der Eurozone, die die Erwartungen der Volkswirte übertroffen hatten. Die Europäische Zentralbank hat ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum 2010 in der Eurozone auf 1,4 bis 1,8 Prozent erhöht. "Wir sehen allmählich Anzeichen, dass dem Markt der Schwung ausgeht", sagte Stopford. "Die wichtigen fundamentalen Faktoren stabilisieren sich. Die Leute unterschätzen das Inflationsrisiko." Investec habe Put-Optionen auf Eurodollar- Zinsfutures gekauft, so der Bondexperte.

Einem anderen Problem am Anleihenmarkt widmet sich Pimco: Griechenland weist immer noch ein "erhebliches" Zahlungsausfallsrisiko auf. Die Insolvenz werde das Land daran hindern, seine Schulden zu bedienen, wenn das Rettungsprogramm in drei Jahren ausläuft. Diese Ansicht vertritt Andrew Bosomworth, Leiter Portfoliomanagement bei Pacific Investment Management Co., dem weltweit grössten Anleihefonds.

"Griechenland ist insolvent", sagte Bosomworth in einem Interview mit Bloomberg News am Montag. "Ich sehe ein erhebliches Risiko, dass Griechenland am Ende zahlungsunfähig wird oder umschuldet." Im günstigsten Fall werden die griechischen Schulden auf das Niveau von 150 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anschwellen, schätzt Bosomworth. Das von der Europäischen Union auf den Weg gebrachte Rettungspaket sieht vor, dass die Regierung in Athen während seiner Laufzeit bei Investoren 82 Mrd. Euro aufnehmen wird. "Das wird sich als sehr schwierig erweisen", sagte Bosomworth. Der Schuldendienst, gemessen am Anteil der Staatseinnahmen der Regierung, werde sich erheblich erhöhen. Vor allem in dem Fall, dass die gegenwärtigen Renditen nicht nachgeben, so Bosomworth.

Die Risikoprämie für zehnjährige griechische Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit liegt gegenwärtig bei 902 Basispunkten. Ende Juni waren es noch 785 Basispunkte. Zum Vergleich: der Spread spanischer Anleihen gegenüber deutschen liegt bei 173 Basispunkten, bei portugiesischen erreicht er 331 Basispunkte und bei zehnjährigen Staatsanleihen aus Irland liegt die Risikoprämie bei 340 Basispunkten. Damit ist die Risikoprämie für spanische und irische Staatsanleihen höher als vor Ankündigung des EU-Rettungspakets am 10. Mai.

Wenn die Zinsen für einige südeuropäische Länder auf dem "Niveau verharren, wo sie derzeit sind, werden diese Länder ebenfalls einige Probleme bekommen", sagte Bosomworth. Der Bondmanager verwies auf die Gefahr einer Ansteckung. Solange nicht ganz klar sei, wie diese Gefahr gebannt werde, sei es ziemlich riskant, in Staatsanleihen auch dieser anderen Länder zu investieren, sagte Bosomworth.

Griechenlands Budgetdefizit erreichte im Mai einen Anteil von 13,9 Prozent am Bruttoinlandsprodukt, so eine Schätzung der EU-Kommission im Mai. Die Schulden des Landes summierten sich auf 115,1 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes. Bis Ende des Jahres werde dieser Prozentsatz auf 124,9 Prozent klettern, so die Kommission weiter.
 
Bloomberg
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© boerse-express.com 07.09.2010