Die geplante Fusion von bwin und PartyGaming wird den Druck auf die Online Gaming Branche erhöhen. Der Zusammenschluss könnte auch der Beginn einer lang erwarteten Konsolidierungswelle in der fragmentierten Branche sein, meint Giulio Lombardi von FitchRatings.
"Ladbrokes, William Hill und Coral leiden seit längerem unter dem Markteintritt von Online-Konkurrenten, haben aber von Akquisitionen abgesehen. Sie stehen nun stärker unter Druck, ihre Internet-Einheiten durch Zukäufe und Investitionen zu stärken." Das neue
Unternehmen, das aus bwin und PartyGaming entsteht, hat laut Fitch-Kalkulationen im Sportwettenbereich eine kritische Masse (gemessen an den Brutto-Erträgen), die vier Mal so gross ist wie die E-Gaming-Einheiten von Lad- brokes oder William Hill. Bei Casino, Games und
Poker wird man drei Mal so gross wie die Konkurrenten 888 und William Hill Online sein. "Aufgrund der erwarteten Synergien hat das neue Unternehmen auch grössere Ressourcen, die in die Gewinnung neuer Kunden fliessen können", sagt Lombardi.
Arbeit für Analysten
Der Merger sorgt auch bei Aktienanalysten für Arbeit: Von Cheuvreux, UniCredit und Equita kommen höhere Kursziele für die bwin
-Aktie.
Ed Birkin von Barclays bestätigt seine Kursziele für bwin (46
Euro) und PartyGaming (330 Pence) und meint, die
Aktien seien nach dem Kurssprung vom Donnerstag infolge der Merger-Ankündigung nicht teurer als zuvor. Er begründet das folgendermassen: Beide Aktien legten nach der Fusionsansage am Donnerstag rund 14% zu (Exklusive der anfänglichen Kursgewinne, die darauf zurückzuführen sind, dass die
USA eventuell schon bald Online
-Poker erlauben könnten.) Dieser Sprung entspreche in etwa der erwarteten Ergebnis-Upside durch die Synergien. Sein Fazit: "Jede Ausweitung der Multiples oder höhere Synergien könnten weiteres Aufwärtspotenzial bieten."
UniCredit-Analystin Katharina Kastenberger bestätigt das
Buy für bwin und erhöht das Kursziel von 45 auf 52 Euro. Aus strategischer Sicht sei die Fusion ein exzellenter Schritt beider Unternehmen.
Bei der italienischen Equita wandert das Kursziel für bwin von 44 auf 51 Euro, jenes für PartyGaming wird mit 378 Pence angegeben. Und Cheuvreux-Analyst
Alfred Reisenberger erhöht das Kursziel für bwin von 31 auf 38 Euro, bleibt aber beim
Underperform.
Funke Hoffnung?
Wolfgang Matejka von Matejka & Partner sagt zum angekündigten Deal: "Guter Move. Auch für
Österreich ist es ein gutes Zeichen, dass unsere Unternehmen international ,lead sein können. Der Schritt ist auch positiv für die
Aktionäre (und zwar diesmal für alle), weil auch einige künftige Earnings dabei berücksichtigt wurden und man dadurch nicht erneut auf die jährliche (Gedulds)Probe gestellt wird. Der
Börse wird bwin allerdings fehlen."
Hier besteht aber noch ein Funke Hoffnung:
CEO Norbert Teufelberger sagte am Donnerstagabend bei der Pressekonferenz auf die Frage, ob er sich ein Doppellisting vorstellen könnte, zumindest nicht nein. Es gäbe Pros und Contras, dies sei zuerst einmal mit PartyGaming zu besprechen. (bs)
Aus dem Börse Express vom 30. Juli 2010