Börse Express: Morgen ist Ihre erste
HV bei
JoWooD. Wie ist das Interesse der
Anleger und was werden Sie Ihren Aktionären sagen?
Franz Rossler: Von den Anmeldungen her ist es eine ganz normale
Hauptversammlung. Wir erwarten etwa 50 Teilnehmer. Ich werde mich jedenfalls vorstellen und berichten, wie ich das
Unternehmen sehe. Fünf Wochen sind zwar kurz, aber man erkennt schon einiges.
Börse Express: Haben Sie bereits etwas geändert?
Franz Rossler: Es wurde ein Projektmanagement eingeführt - aber so etwas dauert Monate bis zur vollständigen Umsetzung. Das geht von pünktlicher Projektfertigstellung bis zum Qualitätsmanagement. Was wir auch noch machen müssen, ist die Effizienz zu erhöhen.
Börse Express: Ende April, als Ihr Vorgänger
Albert Seidl ging, stand die
Aktie bei knapp über zehn
Euro, jetzt bei rund sechs. Was ist passiert?
Franz Rossler: Die Aktie ist leider dramatisch gefallen. Es gab einen Tag, da muss ein Grossaktionär viel verkauft haben, es waren deutlich überdurchschnittliche Umsätze.
Börse Express: Sie begannen am 17. Mai. Was fanden Sie bei JoWooD vor?
Franz Rossler: Eine hochmotivierte Mannschaft, was mich glauben lässt, dass das Unternehmen erhebliches Potenzial hat. Aber es bedarf einiger Änderungen. Teils war die Personalfluktation zu hoch.
Börse Express: Warum diese Fluktation? Und wurden Schlüsselpositionen bereits nachbesetzt?
Franz Rossler: Die Fluktation auf einen Grund zurückzuführen, ist schwer, und dafür bin ich auch noch nicht lange genug hier. Aber es ist gelungen, sie zu stoppen. Zwei Schlüsselpositionen sind per 1. Juli nachbesetzt - im Bereich Vertrieb auf Gruppenebene und für die Gesamtproduktionsverantwortung.
Börse Express: Österreichische Lösungen?
Franz Rossler: Wir konnten zwei Leute mit internationaler Erfahrung gewinnen. Für den Vertrieb einen Franzosen, die Produktion übernimmt ein US-Texaner mit 15jähriger Berufserfahrung.
Börse Express: Wie lockt man internationale Kräfte zu einem im Branchenvergleich nicht so grossem Unternehmen?
Franz Rossler: Ja, wir sind ein kleines Unternehmen und bewegen uns in einer Nische. Das ist für solche Leute aber auch die Chance, Ideen schneller umzusetzen.
Börse Express: Sie sind vom
Aufsichtsrat als interimistischer
CEO bestellt. Besteht nicht die Gefahr, dass Ihr Nachfolger eigene Leute in diese Schlüsselpositionen setzen will?
Franz Rossler: Die Positionen nicht zu besetzen, wäre für das Unternehmen schwieriger gewesen, als einfach abzuwarten. Ich werde jedenfalls bis zur nächsten HV zur Verfügung stehen. Im Herbst beginnt die Suche nach einem neuen CEO, spätestens mit dem 2. Quartal 2011 sollte er dann da sein.
Börse Express: Sie haben keine Lust auf mehr?
Franz Rossler: Ich bin mit 60 nicht mehr der Jüngste. Wenn gute, jüngere Leute zur Wahl stehen, werde ich gerne Platz machen. Aber wenn gewünscht, stehe ich noch zur Verfügung.
Börse Express: ArcaniA galt zuletzt als grosse Hoffnung. Um dieses Spiel ist es zuletzt eher ruhig geworden - gibt es Probleme?
Franz Rossler: Als Starttermin ist mittlerweile der 12. Oktober festgelegt, wir arbeiten an der entsprechenden Marketingkampagne bereits sehr intensiv. Der Start erfolgt zeitgleich in den
USA und Europa.
Börse Express: Das heisst, das Spiel wurde auf der Messe E3 bereits präsentiert?
Franz Rossler: Ja. Und das Feedback war hervorragend. In vielen Most-Wanted-Charts stehen wir damit in den Top-10.
Börse Express: Wieviel Geld floss in die Entwicklung und welchen Return kann man sich erhoffen?
Franz Rossler: In ArcaniA flossen sechs Millionen Euro. Über den Return möchte ich nicht spekulieren, da ist die mögliche Bandbreite zu hoch.
Börse Express: In Yoga für Wii wurden ebenfalls grosse Hoffnungen gesetzt, vor allem knapp vor dem Weihnachtsgeschäft. Dieses Spiel liegt in den Rankings nicht ganz vorne ...
Franz Rossler: Das stimmt leider. In der kurzen Zeit konnte wir aber noch nicht genau analysieren, was nicht ganz optimal gelaufen ist.
Börse Express: Was, wenn ArcaniA die Erwartungen ebenfalls nicht erfüllt?
Franz Rossler: Es gibt derzeit keine Anzeichen dafür, dass ArcaniA ein Flop werden könnte. Wenn doch, bin ich ratlos, da eben die Indikatoren nichts dergleichen angezeigt hätten.
Börse Express: Wenn neue CEOs ans Ruder kommen, gibt es oft ausserordentliche Abschreibungen. Droht bei Ihnen ähnliches?
Franz Rossler: Lassen Sie uns auf den Halbjahresbericht warten. Da wird diese Thematik aufgearbeitet. Aus heutiger Sicht gibt es dafür jedoch keine Anzeichen.
Börse Express: Dann versuche ich es anders. Das erste Quartal von JoWooD war nicht unbedingt rosig. Wie werden die weiteren aussehen?
Franz Rossler: Das zweite Quartal bringt sicher einen Verlust, soviel kann ich sagen. Das dritte und vierte Quartal sollten durch ArcaniA einen deutlichen Schub nach oben bringen.
Börse Express: Ihre Ergebnisziele für das Gesamtjahr?
Franz Rossler: Bezüglich
Umsatz und Ergebnis wollen wir das Vorjahr übertreffen.
Börse Express: Ergebnis meinen Sie unterm Strich?
Franz Rossler: Nur das ist für den
Aktionär interessant.
Börse Express: 2011 wird der Rest einer
Anleihe fällig - 4,2 Millionen Euro. Sorgt Sie das?
Franz Rossler: Das sorgt mich nicht wirklich. Wir haben da einige
Optionen.
Börse Express: Aus der derzeitigen
Bilanz heraus könnten Sie den Bond aber nicht zurückzahlen ...
Franz Rossler: Das stimmt. Aber die Frage ist, was bringt ArcaniA. Wenn das ein Erfolg wird, könnten wir Teile des Bonds sicher damit zurückzahlen. Aber wie schon erwähnt, wir haben da einige Optionen, zu denen ich aber noch nichts sagen kann, um die entsprechenden Verhandlungen nicht zu gefährden.
Börse Express: Stichwort 3D. Von Konsolenherstellern bis zu Spieleproduzenten ist das der aktuelle Trend. Wie ist Ihr Zugang dazu?
Franz Rossler: Wir können uns natürlich nicht dagegenstellen und beschäftigen uns auch mit diesem Thema. Es ist aber noch zu früh, um zu einem endgültigem Urteil gekommen zu sein.
Börse Express: Aus Aktionärssicht. Warum sollte dieser in den Nischenplayer JoWooD investieren?
Franz Rossler: Der Vorteil eines Nischenplayers ist, dass er anpassungsfähig ist. Ausserdem haben wir viele Spiele in der Pipeline, die im zweiten Halbjahr erscheinen. Da müssen wir dann das Produktsortiment nur adaptieren.