In
Irland ist im Zuge der Aufarbeitung der Wirtschafts- und
Finanzkrise Kreisen zufolge erstmals ein Top-Banker festgenommen worden. Dabei handle es sich um den ehemaligen Direktoriumschefs der inzwischen verstaatlichten Anglo Irish Bank, Sean FitzPatrick, sagte eine mit dem Fall vertraute Person am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Polizei erklärte lediglich, dass ein Mann Anfang 60 nach einer Hausdurchsuchung am Morgen festgenommen worden sei. Seinen Namen oder den eines Instituts nannte sie aber nicht. Allerdings war auch im öffentlich-rechtlichen Radiosender RTE von einer Festnahme FitzPatricks die Rede.
Das Finanzministerium, das die in Schieflage geratene Bank mit vier Milliarden
Euro gestützt hat, sprach lediglich von umfassenden Ermittlungen. Die Regierung hat angekündigt, die Rolle der Geldhäuser beim Kollaps der heimischen Bankenbranche vollständig aufzuklären. Der Zusammenbruch führte zu einem jähen Ende des irischen Wirtschaftsbooms.
In
Deutschland sind im Zusammenhang mit der Krise noch keine Bank-Manager festgenommen worden. Seit kurzem muss sich aber der Ex-Chef der beinahe zusammengebrochenen Mittelstandsbank
IKB, Stefan Ortseifen, wegen des Vorwurfs der Untreue und Börsenmanipulation vor Gericht verantworten, auch anderen Bankern drohen Anklagen.
Nach der Verstaatlichung der Anglo Irish Bank Anfang 2009 hatten zahlreiche Investoren dem Land den Rücken gekehrt. Die Regierung versucht daher mit rigiden Sparmassnahmen und einer verschärften Finanzaufsicht Vertrauen zurückzugewinnen. In der Bevölkerung wurden zudem die Forderungen immer lauter, die für die Krise Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. FitzPatrick, der zuvor auch Chef des Instituts war, hatte Ende 2008 erklärt,
Anleger jahrelang über Kredite von mehr als 80 Millionen Euro im Dunkeln gelassen zu haben, die er von der Bank erhalten habe. Die Finanzaufsicht untersucht zudem, ob die Bank versucht hat, mit kurzfristigen Einlagen eines institutionellen Anlegers über sieben Milliarden Euro den massenhaften Einlagenabzug von Sparern zu vertuschen.
Irland hatte nach Deutschland Ende Februar als zweites
EU-Mitglied aus Brüssel grünes Licht für sein Bad-Bank-Programm erhalten. Mit einer Auslagerung von mindestens rund 28 Milliarden Euro an faulen Immobilienkrediten dürfte Anglo der grösste Nutzer des Notprogramms unter den irischen
Banken sein. Anfang März hatte die Bank mit einem Minus von 2,3 Milliarden Euro für 2009 ihren ersten Jahresverlust seit ihrer Gründung 1966 ausgewiesen.