Ölquellen sind in den USA eine private Vorsorge - wie bei uns Zinshäuser, sagt Herbert Pöltl, Leiter Familiy Office der Capital Bank
Börse Express: Die
Inflation beschäftigt derzeit Ihre Kunden?
Hermann Pöltl: Die Inflation ist in allen Köpfen, das Thema rückt immer stärker in den Vordergrund. Schliesslich wäre es eine angenehme Art und Weise, die Staatsverschuldung wieder zu verringern. Deshalb gilt es auch, sich rechtzeitig abzusichern. Wir haben uns frühere Phasen angesehen, vor allem die 70er-Jahre, in denen es zu einer zweistelligen Inflation gekommen ist. Die einzige Assetklasse, die damals gut performt hat, waren
Rohstoffe. Andere Substanzwerte, etwa
Immobilien oder
Aktien, haben nicht performt.
BE: In Bezug auf Rohstoffe setzen ja ohnehin immer mehr
Anleger auf
Gold.
Pöltl: Ja, das stimmt. Gold hat eigentlich schon fast jeder zu einem gewissen Grad im
Portfolio. Deshalb ist auch interessant, was sonst möglich ist. Und hier zeigt sich, dass Öl mit der Inflation korreliert. Die Frage ist natürlich, wie kann ich am besten in Öl investieren.
BE: Über Aktien oder
Zertifikate?
Pöltl: Ölaktien korrelieren stärker mit dem Gesamtmarkt als mit dem Ölpreis. Bei Zertifikaten kann ich nur über den Ölfuture spekulieren. Und der
Futures-Preis hat in der Regel immer einen Aufschlag, da sind etwa Lager- und Zinskosten eingepreist. Wir sind daher an
Richard Schenz (früherer
OMV-Generaldirektor, Anm.) herangetreten und konnten ihn als Senior Partner gewinnen. Seine Empfehlung: Man muss in Öl investieren, das unter der Erde liegt. Sprich, in bestehende Ölquellen, die bereits konstant fördern. Damit sind auch Explorationsrisken ausgeschlossen. Mit Northern Energy, einem deutschen Emissionshaus, und der amerikanischen FlairTex Energy Management konnten wir zwei Partner gewinnen, die uns mit ihrem Know-how bei Investments in die die richtigen Ölquellen unterstützen.
BE: Wie sieht das im Detail aus?
Pöltl: Die
Capital Bank hat eine im US-Bundesstaat Delaware ansässige Firma gegründet, die in Ölförderrechte investiert. Der Anleger kann über
Performance Linked Notes partizipieren, die eine
Laufzeit von fünf Jahren aufweisen. Im Wesentlichen ist der Marktpreis das einzige Risiko. Aber auch dieses ist unserer Meinung nach begrenzt. Denn wir haben verschiedene Szenarien durchgerechnet, und dabei zeigt sich, dass es bereits bei gleich bleibenden Ölpreisen zu hohen Rückflüssen kommt. Sollten Öl- und Gaspreis etwa über die Laufzeit ein konstantes Niveau von 70 USD
/Barrel aufweisen, dann errechnet sich ein Ertrag von rund 7% p.a. nach Spesen und vor KESt. Bei einem moderat steigenden Ölpreis, also etwa knapp 10% pro Jahr, würde sich der Ertrag auf 16% p.a. belaufen. Und selbst bei einem fallenden Preis auf 55 USD/Barrel würde der Investor kein Geld verlieren.
BE: Wie viel Geld wollen Sie einsammeln, und wie hoch ist das Mindest-Investment?
Pöltl: Das Mindest-Investment liegt bei 20.000
Euro. Wir wollen maximal 35 Mio. Euro erreichen. Das ist für uns eine ordentliche Grössenordnung, da wir uns in einem Preissegment für Ölquellen bewegen werden, das von 500.000 bis 5 Mio. USD je
Quelle reicht. Darüber hinaus würde man bereits mit den Ölriesen konkurrieren. Die
Zeichnungsfrist läuft bis Ende April 2010.
BE: Ölquellen sind ja hierzulande kein gängiges Investment. Wie liquide ist der Markt?
Pöltl: In den
USA ist das ein relativ liquides Investment. In Texas etwa gibt es 400.000 private Ölquellen und natürlich einen Markt dafür. So finden quartalsweise Auktionen statt. Für die Besitzer ist das eine private Pensionsvorsorge - wie wenn man in
Österreich in Zinshäuser investiert.
BE: Die Performance Linked Notes werden allerdings nicht gehandelt.
Pöltl: Das stimmt, der Anleger erhält nach fünf Jahren sein Kapital zurück. Inflationsabsicherung kann man meiner Meinung aber auch nur strategisch betreiben.
BE: Wie lautet Ihre Ölpreis-Prognose?
Pöltl: Sieht man sich die Entwicklung des Weltenergieverbrauchs und das erwartete Wachstum der Ölnachfrage in den Entwicklungsländern an, gibt es langfristig nur einen einzigen Weg für den Ölpreis - den nach oben. Mittelfristig wird der Ölpreis jedenfalls über 80 Dollar bleiben.
(bs)
Aus dem Börse Express vom 17. März 2010