Die Kulturhauptstadt 2009 hat Linz international bekannter gemacht. Mit 738.555 Nächtigungen in den Linzer Hotels und Beherbergungsbetrieben hat die Kulturhauptstadt Europas 2009 zu einer neuen Rekordmarke in der Linzer Tourismusstatistik beigetragen. Die Zuwachsraten im Jahr 2009 kamen neben
Österreich (+ 19,9 Prozent) insbesondere auch aus
Deutschland (+ 15,6 Prozent) sowie aus den Nachbarländern
Schweiz (+ 28),
Tschechien (+ 28) und
Italien (+ 4,7 Prozent). Die ersten Zahlen 2010 zeigen, dass Linz auch heuer seine Rolle als Gastgeber Europas fortsetzen kann. Mehr als 1000
Unternehmen aus Linz (ca. 10 Prozent der aktiven WKO-Mitgliedsbetriebe in Linz) sind im Außenhandel (Export und/oder Import) tätig, zeigt WKO-Bezirksstellenobmann Heinz Hofmann auf. Einige Unternehmen sind zu fast 100 Prozent nur auf Auslandsmärkten aktiv und haben ihre Zentrale trotzdem nach wie vor in Linz. Kennzeichen vieler Unternehmen ist, dass sie großteils als international wenig bekannte "hidden champions" auf dem hart umkämpften internationalen Markt erfolgreich agieren und durch ständige Innovationen Wachstum, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit in Linz sicherstellen.
Bei den Einzelunternehmen in Linz gibt es bereits ca. 1000 Firmen, die von ausländischen Staatsbürgern geführt werden. Branchenschwerpunkte sind dabei Personenbetreuung, Handel, Gastronomie und Güterbeförderung. Zu beobachten ist, dass Einzelunternehmen mit Migrationshintergrund immer häufiger Nahversorgungsfunktionen übernehmen z. B. im Lebensmitteleinzelhandel, Gastgewerbe, Änderungsschneidereien. Zunehmend sind auch ausländische Gesellschaften (Schwerpunkt: Deutschland) mit Zweigniederlassungen vor allem in den Linzer Betriebsbaugebieten ansässig.
Die Johannes Kepler Universität beherbergt bereits mehr als 1000 ausländische Studierende. Die JKU genießt generell hohes internationales Renommee. Wissenschaftler aus der ganzen Welt arbeiten teilweise schon seit Jahren an der JKU. Auch an den anderen drei Linzer Universitäten studieren zusammen bereits mehr als 500 ausländische
Personen. Auch am
Arbeitsmarkt zeigt sich die zunehmende Internationalisierung von Linz. In vielen Branchen, wie der Gastronomie, dem Bau- und Bauhilfsgewerbe oder dem Reinigungsgewerbe könnten Arbeitsplätze und vor allem auch Lehrplätze ohne die Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte nicht mehr besetzt werden.
Für Hofmann hat die zunehmende Internationalisierung für Linz aber auch Schattenseiten. Die Linzer Bevölkerung wächst vor allem durch Zuwanderung, allerdings sehr unterschiedlich je Stadtteil mit entsprechenden "Ghettobildungen" in der Bevölkerungs- und Wirtschaftsstruktur. Dies wirkt sich auch in einigen Linzer Haupt- und Polytechnischen Schulen aus, wo der Anteil von Schülern mit Defiziten in der deutschen Sprache ansteigt. Auch im Handel und konsumnahen Gewerbe hat die Internationalisierung ihren Preis: Internationale Handelsketten in fast allen Handelsbranchen verdrängen den traditionellen Facheinzelhandel. Für den Konsumenten bedeutet das einerseits, dass die neuen Trends rasch nach Linz kommen, andererseits einen weiteren Abbau an Produktvielfalt und -auswahl.
Auch die Verkehrsinfrastruktur hält mit der zunehmenden Internationalisierung von Linz nicht Schritt: Eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur sowohl für den Individual- als auch den öffentlichen Verkehr für alle vier Verkehrsträger (Straße, Schiene,
Flughafen, Hafen) ist der "Blutkreislauf der
Wirtschaft". Dieser Blutkreislauf gerät immer öfter ins Stocken. Ohne ein integriertes Gesamtkonzept und umfangreiche Investitionen vor allem im öffentlichen Verkehr rechnen Experten mit einem Verkehrskollaps in Linz mit massiven negativen Auswirkungen für den gesamten Wirtschaftsstandort und vor allem die Exportwirtschaft.
Die Handlungsfelder aus Sicht der Wirtschaft für Linz beim Thema "Internationalisierung" liegen neben dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur daher vor allem in folgenden Bereichen:
+ Hilfs- und Fachkräfte mit Migrationshintergrund integrieren
+ Studierende und Forscher nach Linz holen bzw. in Linz halten
+ Englisch als Zweitsprache in allen Kindergärten und Schulen etablieren
+ Linz als europäische Zukunftsstadt auf der wirtschaftlichen und touristischen Landkarte positionieren
+ Linzer Städtenetzwerke, Exportbetriebe, Persönlichkeiten und "Auslandslinzer" aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur etc. auch nach Linz09 als Linz-Botschafter und "Türöffner" nutzen.