Unter dem Motto "Better City, Better Life" findet die kommende Weltausstellung von 1. Mai bis 31. Oktober in Shanghai statt. Mit 70 Millionen erwarteten Besuchern und über 240 Teilnehmern verspricht sie alle Rekorde zu brechen. Für
Österreich habe die Teilnahme an der diesjährigen EXPO besondere Bedeutung, erklärt Regierungskommissär
Hannes Androsch: "Die freundschaftliche Verbundenheit, die Österreich und China seit langer Zeit pflegen, soll durch unseren Beitrag zur Weltausstellung gefestigt und vertieft werden. Um uns gemeinsam den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts vor allem in den Bereichen Umwelt und Energieversorgung sowie Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik zu stellen, ist es notwendig, Vertrauen zueinander aufzubauen und gemeinsam mit innovativen und zukunftsweisenden Lösungsansätzen einen Weg zu suchen, der das Wohl aller Menschen zum Ziel hat."
Auch Wirtschaftskammer-Vizepräsident
Richard Schenz unterstreicht Chinas Rolle für die rot-weiß-rote Exportwirtschaft: "China ist für Österreich der wichtigste Handelspartner in Asien und nach den
USA der bedeutendste Wirtschaftspartner in Übersee. Für die österreichische
Wirtschaft stellt die EXPO 2010 eine große Chance dar, um das Know-how, die Innovation und Zukunftsorientierung der heimischen
Unternehmen in China zu präsentieren." Die Wirtschaftskammer will mit der Beteiligung bei der EXPO 2010 Shanghai österreichischen Firmen bereits im Vorfeld eine optimale Plattform bieten, um in China Fuß fassen zu können.
Beim Pavillon selbst tönt das Expo-Shanghai-Motto durchaus visionär: Better City, Better Life. Keine Frage, dass Österreichs best urban practice ein Kulturraum ist. Mit touristisch vermarktbarem Erbe - Steffl, Sisi, Goldenes Dachl - und mit viel, viel Musik vom Barock bis Olga Neuwirth, die naturgemäß von keiner Sprachbarriere abprallt. Die siegreiche Arbeitsgemeinschaft der Wiener Büros SPAN (Matias del Campo, Sandra Manninger) und Arkan Zeytinoglu überzeugte doppelt: mit einer kantenlosen Außenhaut - einem "Sonic body", rund 38 mal 38 Meter, welcher von Formen aus der Biologie und Schallgenerierung inspiriert ist; sowie mit einer 100-Meter-Schleife für die Besucher, die im Gletschereis beginnt und in einem sanften Decrescendo, vorbei an lieblichen Wäldern, Wiesen und Seen auf der einen Seite und einer Guckkastenwand der österreichischen Wirtschaft auf der anderen, in einen "Stadtraum" mündet, der als eine Bühne für vorrangig musikalische Events ausgerüstet wird.
Diskret ist "Austria" angeschrieben unter den größeren chinesischen Schriftzeichen, die als "Audili" ausgesprochen werden. Der Pavillon setzt einen Akzent des Andersseins unter konventionellere Nachbarn. Del Campo, ein aus Chile stammender Hollein-Schüler, beruft sich auf Vermessungen von Naturformen als
Basis seines computergerechneten Designprozesses und schuf eine "topologische Architektur", in welcher der Raum auch die sozialen Beziehungen mit einbezieht, die er als Behältnis einschließt. Diese Innenhaut wird von allen Seiten mit multimedialen Effekten zum Leben gebracht. Am Ende der Durchschleusung, die nicht mehr als 10 bis 15 Minuten dauern darf, bremst die Österreich-Werbung mit einem papierlosen Stand den Besucherstrom. Werbestand, Shopdesk, Restaurant- und VIP-Bar sind kantenlose Möbel, ebenfalls in organischen, biomorphen Formen. Im steirischen Stainz wurden sie in der Art Factory von "Idee & Design" aus Styropor gefräst und weiß kunststoffbeschichtet.
Die Außenhaut wirkt glatt wie Porzellan. Zwei Millionen sechseckige Minifliesen mit 2,5 Zentimeter Durchmesser aus chinesischer Produktion wurden verfugt. Österreichs Flaggenrot macht sich nur an einem Eck stark, in harmonischem Verlauf aufgetragen wie mit einem Luftpinsel. Von einem kleineren Eingang führt eine Treppe in die obere Etage: Ein Restaurant mit 100 Sitzplätzen sowie, unter freiem Himmel, ein Schanigarten teilen sich die 900 Quadratmeter Nutzfläche mit der Verwaltung, der Küche und dem VIP-Raum. In den kommenden Wochen erfolgen der Innenausbau und die Multimediatechnik, um rechtzeitig zur Eröffnung für die erwarteten 2,5-3 Millionen Besucher gerüstet zu sein.