Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche hat endgültig den deutschen Papst Benedikt XVI. erreicht. Erst hörte Joseph Ratzinger am Freitag im Vatikan "tief erschüttert" den Bericht der deutschen Bischöfe über sexuelle Übergriffe. Dann wurde ein gravierender Fall aus seiner Amtszeit als Erzbischof von München und Freising bekannt.
Damals durfte ein einschlägig vorbelasteter Priester wieder Gemeindearbeit machen, verging sich erneut an Jugendlichen und wurde dafür gerichtlich verurteilt. Das Bistum München und Freising räumte schwere Fehler beim Einsatz des vorbelasteten Priesters ein.
Auch in
Österreich haben die sich häufenden Missbrauchsfälle in der römisch-katholischen Kirche eine Debatte losgetreten. Nach der
SPÖ hat auch ÖVP-Obmann Pröll laut über schärfere Regelungen wie eine Anzeigepflicht für Kirchenleute nachgedacht. Justizministerin Bandion
-Ortner winkte allerdings ab.
Die rechte Opposition nutzte die Debatte für rigorosere Forderungen: Eine "medizinische Kastration" für die Täter verlangte etwa FPÖ-Chef Strache neben einer Verlängerung oder Abschaffung der Verjährung und einer Anzeigepflicht. BZÖ-Chef Bucher sprach sich für höhere Strafrahmen und eine für jeden einsehbare Sexualstraftäterdatei aus. Grünen-Justizsprecher Steinhauser will die Prävention und den Opferschutz in den Mittelpunkt der politischen Debatte stellen.