Kleinaktionärsvertreter
Wilhelm Rasinger (im Bild) blickt auf ein Jahr zurück, "wo man wütend sein kann". Weder sei 2009 bei der Aufarbeitung der "grossen Anlegerskandale" viel weitergangen, noch seien die Rechte der Privatanleger gestärkt worden. Auch für heuer ist der Präsident des Interessenverbandes der
Anleger (IVA) besorgt über den Kapitalmarkt. Bei einem Pressegespräch am Donnerstag erneuerte er seine Forderung nach einer Stärkung der
Finanzmarktaufsicht (FMA), besseren Aufsichtsräten und einer verpflichteten
Dividende von Immobilienunternehmen.
2009 sei aus Sicht der Kleinanleger einiges schief gelaufen, so Rasinger. Das Aktienänderungsgesetz beispielsweise habe das Fragerecht der Anleger bei der
Hauptversammlung (HV) beschnitten. Ausserdem sei es eine "Zumutung", dass die Geschäftsberichte nur mehr auf der Homepage des Unternehmens veröffentlicht werden müssen.
"Beim Mohrenkopf" werde die Justiz "provoziert und permanent herausgefordert".
Julius Meinl V. tue alles, damit das Strafverfahren nicht ins Rollen kommt. Obwohl einem Staatsanwalt ein Stab hochkarätiger Berater und Anwälte gegenüberstehe - "das ist wie Fussballspielen auf einem schiefen Feld" - glaubt Rasinger "noch immer an den Rechtsstaat". In dem von der
Meinl Bank scharf angeschossenen Gutachten des mittlerweile wegen Befangenheit abberufenen Sachverständigen
Thomas Havranek "habe ich keine 80 Fehler gefunden", meinte der IVA-Präsident. Höchstens ein bis zwei Beistrichfehler seien ihm aufgefallen.
Bei der geplanten Fusion von
Raiffeisen International (RI) mit der
Raiffeisen Zentralbank (RZB) wird sich Rasinger das "Austauschverhältnis genau anschauen". "Vom Grundgedanken her" ist er dem Zusammenschluss "vorsichtig positiv" gesinnt.
In der Causa
Immofinanz /Immoeast ist in Rasingers Augen "erfreulich, dass das
Delta für die Anleger kleiner geworden ist". Bei
conwert und Eco Business gebe es noch einige ungelöste Probleme, "insbesondere, was die Managementverträge betrifft".
Folge all dieser Entwicklungen sei, dass die Privatanleger ihr Interesse am Kapitalmarkt verlören, was wiederum dem Wirtschaftsstandort
Österreich schade. Um dem Abhilfe zu schaffen, sollten Immobilienfirmen gezwungen werden, eine Dividende auszuschütten, fordert Rasinger. Immo
-Aktien mit einer nachhaltigen Dividendenrendite von 2 bis 3 Prozent bezogen auf den Net Asset Value
(NAV) seien nämlich ideal für den Einstieg eines breiten Publikums in den Kapitalmarkt.
Bei dem Immo
-Unternehmen wünscht sich Rasinger ausserdem strengere Bestimmungen für die Bewertungsgutachter, damit ihre Unabhängigkeit und Qualität sichergestellt wird. Wichtig wären aus Rasingers Sicht auch die Offenlegung der Management- und Beratungsverträge sowie die Festlegung einer maximalen Verschuldung in der
Satzung. Damit solle verhindert werden, dass "wie mit einem Staubsauger" Liegenschaften mit billigem
Fremdkapital aufgekauft und so die Preise in die Höhe getrieben werden.
Der IVA stösst sich auch daran, dass in Österreich Vorstandsbezüge noch immer nicht veröffentlicht werden müssen. Neben einer gesetzlichen Verpflichtung zur Transparenz urgiert Rasinger eine nicht verbindliche Abstimmung in der HV über die Managergehälter. In
Deutschland hätten dies die grossen börsenotierten Firmen bereits akzeptiert. Ausserdem sollten Boni erst nach drei Jahren - und nur bei Erfolg - ausgeschüttet werden.
(APA/red)