Das Thema ist nicht neu und durchaus emotional besetzt, das ATX-Komitee wird sich am Dienstag mit der Frage befassen. Der BE hat vorab einige Statements eingefangen.
Immoaktien in den
ATX oder nicht? Diese Frage hat durch die jüngste Ankündigung von
Immofinanz-Chef
Eduard Zehetner, wonach für das fusionierte Immounternehmen die Aufnahme in den ATX ein Thema werden könnte, wieder an Brisanz gewonnen. Das ATX-Komitee, das am Dienstag nach Marktschluss tagt, wird sich daher auch mit dieser Frage beschäftigen, wie der BE erfahren hat. Wir haben im Vorfeld unser BE100-Expertenforum daher auch mit der Frage "Sollen Immoaktien in den ATX?" konfrontiert.
Das Ergebnis: 40% der Befragten stimmen der Aufnahme zu, auch wenn damit ein grösserer Branchenanteil im Leitindex auf diesen Sektor entfallen würde. Das spiegle nur die Verhältnisse in der österreichischen
Wirtschaft wider. 23% unserer BE100 sind dagegen, 37% ist dieser Themenbereich egal.
Die Befürworter
Unter den Befürwortern finden sich u. a. Fondsmanager
Alois Wögerbauer und Investor
Wolfgang Matejka. Wögerbauer findet, "es gibt kein einziges überzeugendes Argument, warum die Immo-Titel nicht in den ATX kommen sollen". Matejka ist aufgrund von Diversifikationsüberlegungen für eine Aufnahme, "aufgrund des unterschiedlichen Geschäftsmodells von Immo-Aktiengesellschaften zu herkömmlichen
Aktien aber für einen verschärften Korrekturfaktor von zumindest 0,5".
Roland Mayrl von Metrum Communications: "Die Diskussion ist emotional sicherlich negativ vorbelastet, es hat sich aber in den letzten beiden Jahren sehr viel verändert und zum Besseren gewandt. Deshalb sollte man unter die Vergangenheit einen Schlussstrich ziehen. Denn: Immo-Titel wie Immofinanz,
CA Immo oder
conwert haben mit hoher MarketCap, hohen Handelsvolumina und einer extrem breiten Aktionärsbasis sicher eine wesentlich höhere Börsenrelevanz als kleine Tier-2-ATX-Industriewerte. Und der ATX sollte die wichtigsten Player des Börsenplatzes repräsentieren. Deshalb wäre es nur fair, wenn Immo-Titel auch in den ATX dürfen."
Die Kritiker
René Berger von nextmarch sieht das anders: "Die Management-Historie der Immotitel spricht gegen eine Aufnahme. Eine Branche, deren GuV so massiv durch Auf- und Abwertungen auf
Basis von Wertgutachten und Marktpreisen beeinflusst wird, hat als Publikumsgesellschaft Transparenzpflichten, denen sie kaum nachkommen kann." Weitere Argumente von Aufnahme-Gegnern: Das Branchenbild des ATX werde unverhältnismässig verzerrt, der ATX wäre damit nicht mehr wirklich repräsentativ.
Eine Frage der Zeit?
Einige andere BE100-Experten sehen die Zeit noch nicht ganz reif: "Ich bin nicht generell und pro futuro dagegen, vertrete aber die Meinung, dass eine Änderung derzeit zu früh kommt und für den Kapitalmarkt nicht gut wäre. Der Vertrauensverlust in den letzten 18 Monaten war gravierend und soll den ATX nicht beeinträchtigen. Es ist daher zunächst an einer nachhaltigen
Konsolidierung der Werte zu arbeiten und einer damit Hand in Hand gehenden Imageverbesserung beim
Anleger".
Und: "Generell bin ich dafür, dieses Thema wieder zu diskutieren. Die Welt hat sich geändert, die Märkte ebenso." Prinzipiell ist nicht ausgeschlossen, dass das ATX-Komitee morgen entscheidet, Immoaktien in die Beobachtungsliste aufzunehmen. Wären sie schon enthalten, dann würde der ATX nicht nur für die Immofinanz, sondern auch für CA Immo und conwert ein Thema. In sechs Monaten - bei der nächsten regulären Umstellung - könnte dann eine Qualifikation erfolgen.
Aufgrund der aktuellen Beobachtungsliste wird sich am Dienstag wohl
Semperit anstelle von
Palfinger für den ATX qualifizieren. (bs)
Details zu den BE100 unter
http://www.boerse-express.com/be100
Aus dem
Börse Express vom 1. März 2010