Angesichts der möglichen Ansteckung anderer EU-Staaten stuft Goldman die Kursziele zahlreicher Bankaktien zurück. Österreich bleibt relativ verschont
Bislang ist es
Griechenland (im Bild: das griechische Finanzministerium) nicht gelungen, das Vertrauen der Märkte in die Fähigkeit, den Staatshaushalt in Ordnung zu bringen, wiederherzustellen. Im Vorfeld des
EU-Sondergipfels am Donnerstag machen heute Spekulationen die Runde, die Staats- und Regierungschefs könnten sich auf ein Hilfspaket für Griechenland einigen ("The markets are smelling a deal for Greece", wie es ein
Marktteilnehmer gegenüber Bloomberg ausdrückt).
Insgesamt ist das beherrschende Thema wieder jenes des "Sovereign Risk", der Blick auf die Credit Default Swaps (CDS) als Gradmesser für die Risikowahrnehmung eines Staates durch den Markt erneut Routine. Und hier zeigt sich eindeutig, dass sich das Zentrum der Anlegersorgen von CEE nach Südosteuropa verschoben hat. Sprich, Griechenland,
Portugal,
Spanien und
Italien sahen zuletzt die deutlichsten Ausweitungen der CDS-Spreads. Ergo wären das jene Staaten, die in einem Default-Szenario Griechenlands zuerst von Spekulanten "angegriffen" werden.
Was würde die Ansteckung anderer EU-Staaten mit dem Griechenland-Virus für die europäischen
Banken bedeuten? Goldman Sachs hat sich das in einem aktuellen Report angesehen und bei so gut wie allen griechischen, italienischen und spanischen Banktiteln die Kursziele nach unten korrigiert. Die gute Nachricht aus österreichischer Sicht: Die Austro-Banken sind relativ aussen vor, auch wenn das Kursziel für
Raiffeisen International ebenfalls um 13% von 48 auf 42
Euro reduziert wird.
Die auf Credit Research spezialisierte CreditSights listet Deutsche Bank und Barclays als jene Institute auf, die das grösste
Exposure in Griechenland, Portugal, Spanien und Italien haben. Die Statistiken der
Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zeigen zudem, dass die französischen und die Schweizer Banken das grösste Exposure bei griechischen Kreditnehmern (75 Mrd. bzw. 64 Mrd. USD) haben, gefolgt von
Deutschland.
Österreich spielt laut BIZ eine untergeordnete Rolle (per Ende September 2009 waren es etwas mehr als 6 Mrd. USD).
Wer hält Griechenbonds?
Ein ähnliches Bild zeichnet eine andere Statistik: Nämlich die "Coordinated
Portfolio Investment Survey", kurz CIPS, des IWF. Dieser CIPS zufolge waren per Ende 2008 (jüngere Daten sind noch nicht verfügbar) 221 Mrd. USD an griechischen Bonds im Besitz von Ausländern - der überwiegende Anteil davon liegt in der Eurozone
(Frankreich mit rund 25%, gefolgt von Deutschland und Italien). Österreich liegt hier an 8. Stelle mit rund 8 Mrd. USD. Nicht-Mitglieder der Eurozone halten insgesamt weniger als 35 Mrd. USD an Griechen-Bonds.
Angst vor Liquiditäts-Crunch
Wie gehts nun weiter? Abgesehen vom EU-Sondergipfel wird der nächste kritische Punkt für Griechenland die
Refinanzierung von rund 20 Mrd. Euro, die im April und Mai fällig werden. Das
Basis-Szenario der CreditSights-Experten:
"Deutschland wird einen Default Griechenlands nicht zulassen." Das grösste und stimmgewaltige EU-Land könnte etwa ein Bridge-Loan, ähnlich dem amerikanischen TARP-Programm, arrangieren. Es wäre dann eine Art "Non-Bailout-Bailout", der zudem die Chance auf eine vernünftige
Rendite biete. Die Ironie an der Sache, so sie derart kommen sollte: Deutschland war in den Maastricht-Verhandlungen jener Staat, der eine Non-Bailout-Klausel verlangt hat. (bs)
Aus dem
Börse Express vom 9. Februar 2010