Die US-Notenbank könnte nach Ansicht eines führenden regionalen Zentralbankchefs noch in diesem Jahr damit beginnen, Teile der zur Entlastung des Finanzsystems von ihr aufgekauften
Wertpapiere wieder abzustossen. "Wenn alles gut läuft, dann könnte man in der zweiten Jahreshälfte oder so vielleicht einen kleinen Teil davon verkaufen und sehen, wie die Finanzmärkte reagieren", sagte der Präsident der regionalen
Fed von St. Louis, James Bullard, am Montag der Nachrichtenagentur Reuters.
Die Federal Reserve beendet Ende März mehrere in der
Finanzkrise aufgelegte Ankaufprogramme, darunter das 1,25 Billionen Dollar schwere Programm für immobilienbesicherte
Anleihen. Die Fed und andere Notenbanken hatten wegen der Krise viele Milliarden in die Finanzmärkte gepumpt und in grossem Stil Wertpapiere angekauft, um die Bilanzen der
Banken zu entlasten. Sie muss nun ihre
Bilanz langsam aber sicher wieder bereinigen, wenn sie nicht auf mittlere Sicht einen Inflationsschub riskieren will. Bullard sagte, er erwarte nicht, dass die Programme für forderungsbesicherte Wertpapiere verlängert würden.
Mit Blick auf mögliche Inflationsgefahren erklärte Bullard, die Fed könnte in einem solchen Fall gegebenenfalls eher eine restriktivere Geldpolitik verfolgen. Dies sei selbst dann denkbar, wenn die Arbeitslosigkeit zu diesem Zeitpunkt noch hoch sei. Da die Fed im Gegensatz zu anderen Notenbanken nicht nur das Ziel hat, stabile Preise sicherzustellen, sondern auch Arbeitslosigkeit und
Wirtschaftswachstum bei ihren Entscheidungen berücksichtigen muss, sind dies überraschende Worte. Der
Leitzins in den
USA liegt derzeit bei redkordniedrigen 0 bis 0,25 Prozent.
Bullard erwartet, dass die US
-Wirtschaft in der ersten Jahreshälfte um mehr als drei Prozent wächst. Allerdings werde sich die konjunkturelle Dynamik im Vergleich zum Schlussquartal 2009, als die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten um 5,7 Prozent wuchs, abschwächen. Die Gefahr eines Rückfalls in die
Rezession bezeichnete er als "nicht sehr wahrscheinlich".