Kapsch pusht "Zuwanderung und Integration in Wien"

Georg Kapsch: "Migration und Integration bergen hohes Potenzial für Wettbewerbsfähigkeit Wiens"
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Rudolf Bretschneider (GfK Austria GmbH), Caritasdirektor Michael Landau, Integrations-Stadträtin Sandra Frauenberger, Georg Kapsch (v. l.)

"Migration und Integration haben ein hohes Potenzial an Chancen für die Stadt Wien und ihre Wettbewerbsfähigkeit: Dabei geht es um wirtschaftspolitische (Fachkräftemangel, Innovation, internationaler Austausch) und gesellschaftspolitische (alternde Gesellschaft, Fertilitätsrate, kultureller Austausch) Faktoren" betont Georg Kapsch. Besonders spricht sich Kapsch für ein kriteriengeleitetes Zuwanderungsmodell sowie die Einrichtung einer dauerhaften, überministeriellen Koordinierungs- und Anlaufstelle für Migration und Integration auf Bundesebene aus. Ohne qualifizierte Migration könnten Wien, Österreich und Europa im globalen Wettbewerb schon lange nicht mehr so mithalten wie bisher. Wie der UNO-Bericht über die menschliche Entwicklung bestätige, sei "Zuwanderung ein wesentlicher Faktor in der Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit der Region und somit von zentraler Bedeutung für den Wirtschafts- und Arbeitsstandort Wien."

Wien halte sich prinzipiell gut, dennoch gebe es weiteren Verbesserungsbedarf - etwa bei der Erwerbsquote, u. a. bei Frauen mit Migrationshintergrund, bei der Verfügbarkeit von hochqualifizierten Beschäftigten mit industriebezogener IT-Ausbildung oder bei der Haltung der Bevölkerung gegenüber Internationalisierung und Globalisierung. Wichtig sei es dabei, einmal Ängste zu nehmen, so Kapsch: "Zuwanderung ist bewältigbar: Derzeit kommt auf 130 "alte" Wienerinnen und Wiener eine zuwandernde Person - Panikmache ist also unangebracht und unverantwortlich." Er schlägt u. a. vor, Internationalität auf breiter wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene zu fördern, das Wiener Migrations- und Integrationsmodell weiter zu entwickeln, die zielgruppenorientierte Integrationsbegleitung auszubauen oder auch vorhandene und zukünftige Potenziale weiter verstärkt zu fördern und zu nutzen. "Eine offene und pluralistische Gesellschaft wird von den Unternehmen als besonders Innovations-fördernd geschätzt", so Kapsch.

Wien sagt "JA" zur Vielfalt und erkennt die Vielfalt der Bewohnerinnen und Bewohner sowie ihre vielfältigen Kompetenzen als Zukunftspotenzial. "Auf diesem Bekenntnis hat Wien auch sein Integrationskonzept aufgebaut. Wien will demgemäß Zuwanderung zum Nutzen der Stadt und aller Menschen für eine sozial sichere und wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft steuern", erklärt Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger die Zielsetzung der Stadt. Daher hat Wien auch eine eigene Zuwanderungskommission eingerichtet. Unabdingbar an Zuwanderung zu koppeln sind Integrationsmaßnahmen. Dafür hat Wien das Integrationsbegleitungsprogramm "StartWien" ins Leben gerufen, das Neuzuwandernden ab dem Zeitpunkt der Einwanderung aktiv hilft, rasch in Wien Fuß zu fassen - was den Spracherwerb, den Einstieg in den Arbeitsmarkt, die Bildung der Kinder etc. betrifft.

Wien setzt weiters auf gezielte Sprachförderung. Die von Wien geförderten Kurse zeichnen sich dadurch aus, dass sie passgenau auf die Bedürfnisse der Menschen zugeschnitten, leicht zugänglich und vor allem kostengünstig sind. Alleine 2008 haben in Wien 10.000 Menschen Deutsch gelernt. "Wir wollen weiters sicher stellen, dass alle gleiche Chancen bei Zugang zu Bildung und Arbeit haben und der soziale Aufstieg sowohl für Migrantinnen und Migranten als auch für sozial Schwache ermöglicht wird", so Frauenberger weiter. Wien setzt daher auch gezielt Maßnahmen, um Dequalifikation zu verhindern.

Wien hat außerdem eine Initiative für ein besseres Zusammenleben gestartet, denn die Attraktivität des Standortes ist entscheidend von einem integrationsfreundlichen Klima abhängig. Die Wiener Integrationsstadträtin: "Für solch ein Klima braucht es aber auch entsprechende Rahmenbedingungen auf Bundesebene. Wien fordert daher eine Neudefinition der Zuwanderungspolitik jenseits des Quotensystems, die Entkoppelung von Sicherheit und Integration sowie den Einsatz entsprechender finanzieller Mittel für konkrete Integrationsmaßnahmen. Wien ist jedenfalls mit seinem Integrationskonzept bestens gerüstet und dient als best practice für die Bundesebene."

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© boerse-express.com 08.02.2010