Die Milliardenschulden der von Finanzinvestoren übernommenen
Unternehmen könnten sich als Zeitbomben erweisen. Mehrere Beteiligungsfirmen warnten am Montag vor einer Refinanzierungswelle in den nächsten Jahren, die Firmen in Private-Equity-Hand in ernste Zahlungsnöte bringen könnte. "Das ist ein Thema, dem wir uns mit Notfallplänen und Vorbereitung annähern müssen und nicht mit Hoffen und Beten", sagte Thomas Pütter, Chairman des größten deutschen Finanzinvestors Allianz Capital Partners, am Montag auf der Branchenkonferenz "SuperReturn" in Berlin.
Pütter zitierte Bankenschätzungen, wonach bis 2014 rund 700 Mrd. Dollar (512 Mrd.
Euro) an Übernahmefinanzierungen fällig werden. Er sprach von der größten Herausforderung für die ohnehin krisengeschüttelte Branche - denn üppige Möglichkeiten zum Verkauf von Unternehmen gibt es vorerst nicht. Fehlt ihnen damit das nötige Geld, müssen sie die Kontrolle über die hoch verschuldeten Firmen an die
Gläubiger abgeben. Den
Banken drohen bei Ausfall der Kredite neue Abschreibungen. Und bei den betroffenen Unternehmen stehen Tausende Arbeitsplätze auf dem Spiel.
Pütter und einige seiner Kollegen sind sich einig, dass die Banken wegen ihrer Schrumpfkuren in den nächsten Jahren nur zögerlich Anschlussfinanzierungen zur Verfügung stellen dürften. Ob die Anleihemärkte die Lücke stopfen könnten, bleibe abzuwarten. Pütter zufolge drängt die Zeit: Er rechnet vor, dass bis Ende 2012 bereits knapp 60 Mrd. Euro an vorrangig besicherten Krediten fällig würden, ein Jahr später noch einmal fast soviel.
"Die nächste Refinanzierungswelle kommt bestimmt", betonte auch Ulf von Haacke, Co-Deutschlandchef der Beteiligungsfirma 3i. Traditionell bürden Finanzinvestoren den von ihnen übernommenen Firmen hohe Schulden auf. Dadurch verringert sich der eigene
Kapitaleinsatz, was wiederum die Renditen nach oben schraubt, den Unternehmen in Rezessionszeiten aber die Luft zum Atmen nehmen kann.
Mit Ausbruch der
Finanzkrise Mitte 2007 ist diese Bankengeldquelle weitgehend versiegt, weshalb Häuser wie Blackstone, KKR und Carlyle bei Milliardendeals in den vergangenen Jahren keine Rolle mehr spielten. Trotz allem hieß die traditionelle Branchenmesse aber auch in der Krise unverändert "SuperReturn" (Super
-Rendite). "Mager-Rendite wäre passender", sagte ein Banker am Rande.
Auch wenn Finanzinvestoren Berufsoptimisten sind und stets gute Kaufchancen wittern, sind in Berlin ungewöhnlich viele warnende Stimmen zu hören. "Die Krise ist noch nicht vorbei; die Banken müssen noch einiges ausschwitzen", sagte Carlyle-Partner Norbert Reis der Nachrichtenagentur Reuters. Auch die Wirtschaftserholung stehe auf tönernen Füßen. Er erwartet, dass es noch zu einigen Kapitalspritzen kommen werde, weil die Banken keine weiteren Kredite mehr zur Verfügung stellen wollten. Darin sieht Reis aber auch grundsätzliche Chancen für die Branche, weil die Investoren günstig an Zukäufe kommen könnten. Carlyle musste im vergangenen Jahr die Kontrolle an dem dann pleite gegangenen Autozulieferer Edscha abgeben, weil sich der Investor mit den Banken nicht auf eine neue
Finanzierung einigen konnte.
Pütter, der seit mehr als 20 Jahren in der Branche arbeitet, sieht eine große Gefahr auch darin, dass einige Finanzinvestoren von einer schnellen Rückkehr zu einem Boom wie in den Jahren 2006 und 2007 träumen. "Es wäre sehr gefährlich, jetzt keine Lehren aus der Krise zu ziehen", sagte er. Beteiligungsfirmen müssten bei Firmenübernahmen mittlerweile mindestens die Hälfte des Kaufpreises durch
Eigenkapital aufbringen. Früher haben die Private-Equity-Häuser oft nur zehn Prozent mit eigenem Geld bezahlt, der Rest waren Bankkredite.
Die Kreditbedingungen dürften auf absehbare Zeit schwierig bleiben. Einer Umfrage von PricewaterhouseCoopers (PwC) zufolge glauben zwar mehr als die Hälfte der Beteiligungsfirmen, dass in den kommenden zwölf Monaten mehr Darlehen für Übernahmen zur Verfügung stehen werden als 2009 - jedoch nur zu schlechteren Konditionen. Eine Verbesserung der Finanzierungsbedingungen erwartet nur jeder dritte Befragte.