ÖVAG soll über 900 Mio. Euro Verlust machen - Schwere Käufersuche

Lazard hat vorige Woche Verkaufsprospekte versandt - Abtrennung von Töchtern
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Einen Rekordverlust wird die vor dem Verkauf stehende Volksbank AG (ÖVAG) für 2009 schreiben. Die Rede ist von knapp weniger als einer Milliarde Euro. Das Investmenthaus Lazard hat nach APA-Informationen am 27. Jänner die Verkaufsprospekte versandt. Die Investmentbanker klopfen bei etlichen potenziellen Bietern an. Ob bis zum Ende des 1. Quartals ein Käufer da ist oder ob Raiffeisen oder wieder der Staat aushelfen müssen, gilt am Finanzplatz als offen. Auch Zerschlagungsszenarien gehen um.

Die ÖVAG hat im vorigen Frühjahr 1 Mrd. Euro Staatsgeld (Partizipationskapital) bekommen, das sie fürs erste nicht bedienen kann und kämpft weiterhin mit teuren Wertberichtigungen.

Raiffeisen (RZB) und Sparkassensektor (Erste) kommen für die Volksbank AG, wie berichtet, schon wegen ihrer eigenen Spitzeninstitutsfunktionen in Frage. Sie sind zumindest für die Finanzpolitik im Land Ansprechpartner Nummer eins, wie Banker sagen. Raiffeisen galt in den letzten Monaten als wahrscheinlichster Kandidat, hat aber nicht aktiv aufgezeigt. Die ÖVAG war selbst 1922 als Spitzeninstitut der Volksbanken gegründet worden.

Lazard soll für die ÖVAG parallel zur Käufersuche einen Restrukturierungsplan entwerfen und "ohne Tabus" ein Zukunftskonzept erstellen, wie das Magazin "Format" in seiner neuen Ausgabe schreibt. Auch ein Ende der Volksbank AG in der jetzigen Form werde von Lazard geprüft. Demnach sei eine "ÖVAG light", als Marketingplattform und Produktfabrik für die Genossenschaften, eine Option. Ein massiver Personalabbau, der über die konzernweit 1.000 einzusparenden Jobs hinausgeht, wäre allerdings eine dramatische Konsequenz.

Als größtes Sorgenkind gilt die Investkredit, die nach Wunsch der Volksbanker in jedem Fall verkauft werden soll. Im "Standard" (Freitag) bestätigte RZB-Generaldirektor Walter Rothensteiner, der auch im ÖVAG-Aufsichtsrat sitzt, dass seines Wissens "viel getan wird, die Töchter Investkredit und Europolis oder Osteuropa abzustoßen. Interessiert uns aber auch nicht." Im Fall ÖVAG steht laut Rothensteiner die Dreistufigkeit des Raiffeisensektors einem Zusammengehen entgegen. Eine Eingliederung der Volksbanken auf Landesbanken-Ebene wird dem Bericht nach generell als haarig angesehen. Wie es am Freitag in Finanzkreisen heißt, war Raiffeisen Niederösterreich einmal für ein Paket im Gespräch.

"Format" zufolge wäre ein Finanzinvestor den Volksbankern am liebsten, dann bliebe ihnen die Oberhoheit. Doch das Szenario sei unwahrscheinlich. In der Branche geistert seit längerem eine Variante auch mit BAWAG/Cerberus herum. Der BAWAG wird in der Branche seit längerem Gusto auf die Investkredit nachgesagt. Investkredit und einzelne Ostbanken sollen die ÖVAG derzeit vor "Funding-Herausforderungen stellen", sagen Experten.

Nach einem Standard-Bericht weist die ÖVAG für 2009 einen Verlust von rund 960 Mio. Euro aus, das Format berichtet von mehr als 900 Millionen. Für heuer peilen die ÖVAG-Manager ein Ergebnis an der Null-Linie an.
 
APA
 


© boerse-express.com 05.02.2010