Bankaktien: Ein Kauf reizt nicht

Peergroup: 2009 lief gut, wie heute etwa die Deutsche Bank mit ihrem Milliardengewinn zeigt. Doch die Rechnung bringt der Wirt erst heuer.
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"Die Deutsche Bank hat im Jahr 2009 eine Menge erreicht" - es ist ein Gewinn von fünf Milliarden Euro, den CEO Josef Ackermann heute präsentierte; mehr, als von Analysten erwartet. Ackermann erkennt "einen klaren Trend zur Erholung der Wirtschaft und zur Stabilisierung der Finanzmärkte, auch wenn die Bewältigung der jüngsten Krise noch andauert". Das mit der Bewältigung dürfte auch die spanische Bank Santander (übertraf ebenfalls die Erwartungen) so beurteilen: Santander sieht den Anteil notleidender Kredite im Portfolio derzeit bei 3,24% - 60 Prozent mehr, als noch vor einem Jahr - BBVA geht bei sich von 4,3% aus.
Die Deutsche Bank hat aber nicht nur ergebnismässig "2009 eine Menge erreicht" - auch die Aktie machte ihren Eignern mit plus 80% Freude, wie auch der Schnitt der Branchenvertreter, die den Gesamtmarkt outperformten. 2010 ist das Umfeld für Banken aber deutlich eingetrübt, auch weil der Basiseffekt nach dem Horrorjahr 2008 wegfällt.

Im Vorjahr konnte noch leicht überdeckt werden, dass sich das ureigene operative Geschäft doch eintrübt: ‘09 stieg die Zahl der Insolvenzen in Westeuropa um 22% auf 185.000, in Mittel- und Osteuropa lag das Plus bei 44%. Trotz diverser Stimulusprogramme der Politik (die heuer bereits reduziert werden), führten die Firmeninsolvenzen in Westeuropa zu direkten Arbeitsplatzverlusten von 1,7 Millionen Stellen - die Zahl der Privatinsolvenzen legte um 12,4% auf 361.000 zu (alle Daten Creditreform). Die Zuwächse werden heuer zwar sicher geringer, die absoluten Zahlen aber ebenso sicher nicht. Diese Belastungen wurden bei den Instituten ‘09 speziell durch die Sparte Investmentbanking übertüncht. Doch dieses Spiel ist eines mit Ablaufdatum: Einerseits werden die Zentralbanken die für diese Spielchen notwendige Liquidität zurückfahren, andererseits schwebt als Damoklesschwert über der Branche, dass die Politik diesem Treiben mehr und mehr den Riegel vorschiebt.

"Wir müssen vernünftige Reformen beschliessen, die den amerikanischen Steuerzahler und die amerikanische Wirtschaft vor künftigen Krisen schützen", heisst das etwa bei US-Präsident Barack Obama. Der Plan des Präsidenten: Er will den Handel mit komplizierten Finanzinstrumenten einschränken. Und die Grösse der Banken begrenzen - also das Investmentbanking-Geschäft erschweren. Zusätzlich sollen Banken eine Sondergebühr zahlen, um sich an den Folgekosten der Rezession zu beteiligen.

Pläne, die auch bei den ebenso finanzklammen europäischen Regierungen gut ankommen - an der Börse aber weniger: Der Outperformance 2009 folgte eine Underperformance im bisherigen Jahresverlauf. Besserung zeichnet sich dabei nicht ab. Auch wird sich erst zeigen, wie sich die dutzenden (zwangs-)verstaatlichten Banken auf das Wettbewerbsumfeld auswirken, Margensteigernd ist das sicher nicht.
Wie liegen die Österreicher? Die Erste Group präsentiert am 26. Februar ihr 2009er-Ergebnis. Analysten erwarten im Schnitt einen Anstieg beim Gewinn je Aktie um 210% auf 2,48 Euro. Die Raiffeisen International folgt am 23. März. Hier belasten weitere hohe (CEE-)Abschreibungen das Ergebnis, das aber noch im Plus bleiben soll. Vorteil für die RI: Heuer wird das Institut einen der besten Gewinnausweise der Branche aufweisen - der Basiseffekt lässt grüssen. Das mag mit ein Grund sein, warum Analysten derzeit die RI gegenüber einer Erste Group bevorzugen, zumindest punkto Kurspotenzial, das bei der reinen Ostbank derzeit mit etwas über 20% gesehen wird, während die auch in Österreich starke Erste "nur" auf etwas mehr als 15% kommt. Sonst gilt für beide Institute, dass sie im Branchenvergleich schwächere Margen bei trotzdem überdurchschnittlichen Bewertungen aufweisen (eine Folge der langfristigen Hoffnung Osteuropa). Einzig beim Verhältnis von Kurs zu Buchwert stechen die beiden Österreicher positiv hervor, was sich aber mit jeder Abschreibung ändern kann.

Allgemein gilt: Es wird noch bessere Einstiegszeitpunkte geben, um das Portfolio mit Finanzaktien voll zu laden. Es muss nicht unbedingt jetzt sein.

(gill)
 
gill
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© boerse-express.com 04.02.2010