Der österreichische Stahlkonzern
voestalpine blickt nun zuversichtlicher in die Zukunft als noch vor ein paar Monaten, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. "Einerseits erwarten wir einen leicht steigender Bedarf und damit eine bessere Auslastung und andererseits ab dem Frühjahr leicht steigende Preise in allen Bereichen", sagte voestalpine-Chef
Wolfgang Eder am Freitag in einem Interview mit Reuters.
Nach oben gehen sollte es auch bei den Ergebnissen. Für das Geschäftsjahr 2009/10 (per Ende März) werde ein
Betriebsgewinn (Ebit) zwischen 200 und 300 Millionen
Euro erwartet, so Eder gegenüber Reuters. Bisher sprach der Konzern von einem dreistellig positiven Ebit. Unter dem Strich werde sich auch ein
Nettogewinn ausgehen, räumte Eder ein. "Daher werden wir auch eine
Dividende zahlen", sagte er. Ob eine Dividendenrendite von vier Prozent wie in den Vorjahren auch diesmal realistisch sei, sei offen.
Zu der Entwicklung der kommenden Geschäfts-Quartale: "Das dritte Quartal wird etwas besser sein als das zweite und für das vierte Quartal erwarten wir auch keinen Einbruch", sagte Eder. "Und wir sehen eigentlich keinen Grund, warum sich das nicht 2010/11 fortsetzen sollte", fügte er an. 2010/11 sei daher mit einer deutlichen Verbesserung der Ergebnisse zu rechnen, sagte Eder.
Eder ist nun zuversichtlicher als im November, wo er noch vor einer Rückfallgefahr warnte. "Die Situation hat sich insofern entspannt, da wir bis zum Sommer eine wenigstens stabile Entwicklung sehen beim größten Teil der Branchen". Eine leichte Belebung sieht Eder etwa in der krisengebeutelten Automobilindustrie. Vor allem in der Mittel-, Ober- und Luxusklasse, wo die Nachfrage stark eingebrochen war, werde der Bedarf wieder leicht anziehen. Bei Kleinwagen werde die Nachfrage durch das Auslaufen der Abwrackprämie wieder etwas gebremst werden. Die
Voestalpine beliefert in erster Linie die oberen Klassen.
Trotz besserer Aussichten sind die Ergebnisse des Linzer Stahlkonzerns noch weit entfernt von den Boomjahren. "Wir werden frühestens 2013/2014 wieder dort sein, wo wir 2007/08 waren", sagte Eder. Die Auslastung sollte früher anziehen. Europas Stahlproduktion sieht er 2010 um fünf bis zehn Prozent steigen. Derzeit sei man in der Division Stahl sowie im Bereich Schienen und Weichen wieder vollausgelastet. Bei Drahten und Rohren liege die Auslastung bei 55 Prozent, was aber laut Eder genüge, um positive Ergebnisse zu schreiben. Das Sorgenkind des Konzerns, die Division Edelstahl, weise derzeit eine Auslastung von 75 Prozent auf (zum Tiefpunkt etwa 65 Prozent). Für den Automotivebereich nannte Eder eine Auslastung von 75 bis 80 Prozent, ebenfalls von einem Niveau von 65 Prozent ausgehend.
Von Branchenkennern wurde zuletzt befürchtet, dass chinesische Exporte den eurpäischen Markt überschwemmen werden. "Ich gehe langfristig davon aus, und hier habe ich eine andere Meinung als manche Kollegen, dass China diese Lektion lernen wird. Die sind ja noch relativ jung im internationalen Geschäft, da muss man schon eine gewisse Lernkurve zubilligen", sagte Eder.