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19.01.2010 09:06
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Internet-Telefonieanbieter Skype steuert auf Börsengang zu

Es könnte das grösste IPO eines Technologiekonzerns werden seit dem von Google Inc. im Jahre 2004

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Es passierte in einer Nacht des Jahres 2007. Mitarbeiter von Skype Technologies SA entschieden sich, ihrem neuen Mutterkonzern eine klare Botschaft zu schicken: Im Londoner Büro schoben sie klammheimlich den Schreibtisch von Henry Gomez, Top-Manager von Ebay Inc. und Präsident von Skype, in die äußerste Ecke, erinnert sich ein ehemaliger Ebay-Mitarbeiter.

Der Streich macht deutlich, wie zerrüttet das Verhältnis damals war zwischen Skype-Gründer und -Vorstandschef Niklas Zennström sowie dem Internet-Auktionshaus, welches das Startup-Unternehmen zwei Jahre zuvor erworben hatte. Im September 2007 schmiss er seinen Job hin und verließ den Anbieter von internetbasierten Telefondiensten.

Inzwischen sind zwei weitere Jahre vergangenen, und Zennström ist zurück bei Skype - zusammen mit Skype-Mitgründer Janus Friis. Mit einer Reihe von Klagen haben sie Ebay und die neuen Skype-Mehrheitseigner rund um die Beteiligungsgesellschaft Silver Lake in die Knie gezwungen.

Der Vorwurf: Skype nutze Software, die von den Gründern in einer Lizenzvereinbarung zur Verfügung gestellt worden waren, unrechtmäßig. Den neuen Eigentümern blieb im November nichts anderes übrig, als klein beizugeben. Sie überließen den beiden Gründern 14 Prozent an Skype und zwei Sitze im Verwaltungsrat. Im Gegenzug zogen Zennström und Friis ihre Klagen zurück.

Einige Analysten erwarten nun, dass Skype geradewegs auf einen Börsengang zusteuert. Es könnte das größte IPO eines Technologiekonzerns werden seit dem von Google Inc. im Jahre 2004, meint beispielsweise Paul Bard von Renaissance Capital LLC im amerikanischen Connecticut.

Immerhin: Skype verfügt weltweit über 548 Mill. Benutzer und damit über mehr Nutzer als Facebook Inc., MySpace Inc. und Twitter Inc. zusammen. Vergangenes Jahr dürfte das Unternehmen einen operativen Gewinn von 165 Mill. Dollar erwirtschaftet haben, was einem Plus von 42 Prozent im Vergleich zu 2008 entspricht, schätzt Thomas Weisel Partners LLC.

Sollte es Skype gelingen, den Gewinn bis 2013 auf 400 Mill. Dollar zu erhöhen, könnte der Konzern laut Bard beim Börsengang mit vier Mrd. Dollar bewertet werden. "Investoren würden einen großen Appetit verspüren für ein profitables Internet- Unternehmen mit einem solchen Wachstum", sagt er.

So ähnlich sieht das auch Bill Gossman von Mohr Davidow Ventures in Menlo Park. "Was Skype so wertvoll macht, ist die Tatsache, dass das Unternehmen eine halbe Milliarde verbundener Nutzer hat. Und es verfügt über eine Plattform, mit der sich eine Vielzahl von Diensten anbieten lässt", sagt er. "Keine Frage, für traditionelle Telefonanbieter ist das eine massive Bedrohung." So wie Google Inc. einst den Anzeigenmarkt neu aufrollte, könnte Skype nun Unternehmen wie der Deutschen Telekom AG das Telefongeschäft streitig machen.

Bereits heute ist Skype in den USA der größte Anbieter von Telefongesprächen ins Ausland mit einem Marktanteil von rund zwölf Prozent, wie der Marktforscher TeleGeography Research Group aus Washington schätzt. Gespräche zwischen Skype- Mitgliedern sind kostenlos, jedoch kosten Anrufe ins Festnetz- oder ins Handynetz einen geringen Geldbetrag. Hinzu kommen Gebühren für Anrufbeantworter, SMS-Angebote und andere Dienste.

Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass ein potenzieller Börsengang zu neuen Spannungen im Unternehmen führt - und zwar zwischen Zennström und Friis auf der einen Seite und den neuen gewinnorientierten Großinvestoren auf der anderen Seite. "Es ist doch ersichtlich, dass die Gründer ein eher emotionales Interesse an dem Konzern haben", sagt Phillip Phan, Wirtschaftsprofessor mit Schwerpunkt Corporate Governance an der Johns Hopkins Carey Business School in Baltimore. Zennström und Friis weisen solche Befürchtungen zurück. Sie würden sich auf die Zusammenarbeit freuen, ließen sie über einen Sprecher mitteilen.

Fest steht: Die neuen Eigentümer haben viel vor mit Skype. Sie wollen in den 203 Mrd. Dollar schweren Markt für geschäftliche Telefonie vordringen. Bislang beschränken sich die Dienste im Wesentlichen auf Privatkunden. Dazu wird das Unternehmen, das derzeit etwa 700 Mitarbeiter beschäftigt, eigens eine neue Abteilung aufbauen. "Wir jagen hier eine ganz große Chance", sagt Skype-Vorstandschef Josh Silverman. Silverman war davor bei Ebay für die Sparte Shopping.com zuständig.

Leicht dürfte die Expansion allerdings nicht werden, warnte Analystin Vanessa Alvarez von Frost & Sullivan in Boston. "Viele Unternehmen können sich wohl nur schwer mit dem Gedanken anfreunden, ein Privatkunden-Unternehmen an Bord zu holen, das bisher vor allem für Smalltalk genutzt wird."

Unterschätzt sollte Skype jedoch nicht werden. Denn an anderer Stelle kann das Unternehmen durchaus bereits Erfolge bei der Ausdehnung der Geschäftsfelder vorweisen. So gelang es dem Konzern unter anderem, den Chef des US-Telekomregulierers Federal Communications Commission (FCC), Julius Genachowski, auf seine Seite zu ziehen.

Vergangenen September schlug Genachowski neue Regeln vor, die es den Mobilfunkanbietern verbieten würden, den Zugang zum Internet via Handy zu begrenzen. Genau unter diesem Vorgehen hatte Skype in der Vergangenheit stark gelitten - auf vielen Mobiltelefonen war der Dienst nicht verfügbar.

Beobachter erwarten, dass die Regulierungsbehörde noch in diesem Jahr über den Vorschlag von Genachowski abstimmen wird. Sollte das Votum positiv ausfallen, würde sich Skype für einen Börsengang noch attraktiver machen.

( Bloomberg )

 



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