Börse Express: Das Börsenjahr 2009 neigt sich langsam dem Ende zu. Wo lagen in diesem Jahr die Herausforderungen im Vergleich zum Vorjahr?
Christian-Hendrik Knappe: Es war, ist und bleibt bis zum Schluss ein sehr turbulentes Jahr. Klare Trends an den Weltbörsen waren nicht wirklich zu erkennen. Für
Anleger und Investoren hiess es, ihre Anlagen immer gut im Auge zu behalten. Kurzfristigere Investments standen im Fokus. Auch auf Seiten der Emittenten wurden gerade im Kurzfristbereich diverse Produkte lanciert, die vom Markt sehr rege nachgefragt wurden. Das Thema Emittentenrisiko rückte 2009 stärker in den Vordergrund. Allgemein war ein gesteigertes Sicherheitsbedürfnis seitens der Kunden zu beobachten.
BE: Welche Veränderungen konnten Sie im Anlageverhalten Ihrer Kunden beobachten?
Knappe:
Hebelprodukte spielen bei Anlegern eine wachsende Rolle, ist doch gerade hier die Produktvielfalt besonders gross. Bei der Palette an
Optionsscheinen, WAVEs, WAVEs XXL und WAVEs Unlimited auf die verschiedensten Basiswerte hat Deutsche Bank X-markets mittlerweile die Zahl von 40.000 überschritten.
Aktien,
Indizes,
Währungen,
Rohstoffe - die Kunden können aus über 600 verschiedenen Basiswerten das für sie geeignete Produkt auswählen. Angesichts einer solchen Produktvielfalt haben wir ein gestiegenes Informationsbedürfnis unserer Kunden wahrgenommen. Sowohl mit unseren Internetseiten unter www.xmarkets.at, als auch mit den verschiedensten Broschüren und nicht zuletzt mit unserer telefonischen Hotline tragen wir diesem Anliegen Rechnung.
BE: Welche Veränderungen mussten Sie vornehmen, um den Kundenwünschen entsprechen zu können?
Knappe: Die Frequenz an Neuemissionen nahm, den volatilen Märkten geschuldet, deutlich gegenüber den Vorjahren zu. Auch wir haben 2009 so viele Produkte wie nie zuvor begeben. Kürzere Produktlaufzeiten sind ein weiteres Resultat.
BE: Hebelprodukte machen laut neuesten DDV-Zahlen nur 1 Prozent des ausstehenden Volumens aus. Dennoch konnten gerade hier teilweise beachtliche Umsatzsteigerungen erzielt werden. Welche Gründe könnte das haben?
Knappe: Volatile Märkte, auch infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise, machen den Einsatz solcher Hebelprodukte sehr attraktiv. Das Auf und Ab der verschiedenen Märkte kann mit deren Einsatz gezielt für den eigenen Anlageerfolg genutzt werden. Die Möglichkeit sowohl auf steigende als auch auf fallende Märkte setzen zu können, eröffnet dem Kunden einen breiten Spielraum für die Umsetzung seiner persönlichen Marktmeinung. Das X-markets Team der Deutsche Bank sieht sich im Hebelprodukte-Bereich als kompetenter Anbieter einer der breitesten Produktpaletten im Retail-Derivatemarkt. Der 1. Platz beim
Zertifikate Award Austria 2009 für den Bereich Hebelprodukte ist für unser Haus Auszeichnung und Ansporn zugleich.
BE: Hat sich der Ruf nach einfacheren Strukturen durchgesetzt?
Knappe: Der Absatz komplizierter strukturierter Produkte ging in 2009 signifikant zurück. Auf der anderen Seite wurden einfachere Produkte wie zum Beispiel Diskontzertifikate oder
Aktienanleihen verstärkt nachgefragt. Der
Trend hin zum einfacher verständlichen Produkt ist hier deutlich zu erkennen. Durch das Emittieren einer breiten Palette von Diskontzertifikaten, Aktienanleihen oder auch Bonuszertifikaten auf verschiedenste Basiswerte wurde diesem Trend durch uns Rechnung getragen.
BE: Sie kennen sowohl den deutschen als auch den österreichischen Zertifikatemarkt. Welche Unterschiede sehen Sie?
Knappe: Der grösste Unterschied zwischen den beiden Märkten besteht darin, dass das Filialgeschäft mit Zertifikaten in
Österreich deutlich stärker ausgeprägt ist als in
Deutschland. Die Zielgruppe der sogenannten Selbstentscheider, d.h. Kunden die ihre Investitionsentscheidungen ohne Beraterhilfe treffen, ist in Österreich noch relativ gering ausgeprägt. Doch gerade dieser Teilmarkt ist für uns als ausländischer
Emittent ohne grosses Filialnetz in Österreich sehr interessant.
BE: Zuletzt war es an den internationalen Börsen wieder äusserst turbulent. Denken Sie, dass die hohe
Volatilität ein
Einflussfaktor sein wird, den uns die
Finanzkrise langfristig gebracht hat?
Knappe: Es gab historisch gesehen immer wieder Zeiten mit stark erhöhten Volatilitäten. Die aktuellen Schwankungsbreiten werden uns aus meiner Sicht noch eine ganze Weile begleiten. Aber es wird auch wieder Marktphasen mit eher geringer Volatilität an den Märkten geben.
BE: Denken Sie, dass eine hohe
Inflation auf uns zukommt?
Knappe: Das Thema Inflation spaltet selbst die Gilde der Wirtschaftsexperten. Deshalb möchte ich mich bei diesem Thema nicht zu weit aus dem Fenster lehnen und eine Meinungsbildung hierzu den Anlegern selbst überlassen. Wer sich vor steigender Inflation schützen möchte, wird natürlich auch hierfür Produkte finden.
Interview:
Michael Plos