Der südafrikanische Präsident Jacob Zuma verdankt seine Wahl nicht zuletzt der Unterstützung der Gewerkschaften. In seiner Wahlkampagne rief er zum Kampf gegen die Armut auf und versprach Arbeitsplätze. Nach der Wahl entfernte er zwei Gegner der Gewerkschaften aus ihren Ämtern: Finanzminister Trevor Manuel und Zentralbankgouverneur Tito Mboweni.
Doch dann ersetzte er sie durch Nachfolger, die die Politik der Entlassenen fortsetzen - eine Politik, die nach Meinung der Gewerkschaften Wachstum und Beschäftigung behindern.
Beobachter sehen Parallelen zum brasilianischen Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva, der mit antikapitalistischen Parolen seinen Wahlkampf bestritt und dann mit marktfreundlichen Maßnahmen einen Wirtschaftsaufschwung ermöglichte. Seit Lulas Amtsantritt am 1. Januar 2003 hat sich das
Bruttoinlandsprodukt Brasiliens verdreifacht. Das Land ist seither zur achtgrößten
Volkswirtschaft der Welt aufgerückt.
"Zuma macht's wie Lula", sagt Lars Christensen, Leiter Schwellenmarktstrategie bei der Danske Bank in Kopenhagen. "Zuma ist Pragmatiker. Ich sehe keinen großen Unterschied zwischen seiner Politik und der seiner Vorgänger. Das hatte keiner erwartet".
Der Präsident setzte die Inflationsbekämpfungslinie seines Amtsvorgängers Thabo Mbeki fort; er hat Investoren empfangen, um ihnen die Ungewissheit zu nehmen; er hat davon gesprochen, es könne sich als notwendig erweisen, die öffentlichen Ausgaben zu kürzen; und er hat eine Studie in
Auftrag gegeben, die untersuchen soll, wie man effizienter mit Steuereinnahmen umgehen kann. Am Donnerstag erklärte Gwede Mantashe, Generalsekretär von Zumas Partei African National Congress (ANC), die Gewerkschaften übten keinen unangemessenen Einfluss auf den Präsidenten aus.
Der südafrikanische Rand weist nach Bloomberg-Daten seit Jahresanfang die zweitbeste
Performance unter den
Währungen der Schwellenländer auf. Besser hat sich nur der brasilianische Real geschlagen. Der ehemalige Gewerkschaftsführer Lula hält in seinem Land die öffentlichen Ausgaben unter Kontrolle, und er hat einen ehemaligen Spitzenmanager der FleetBoston Financial Corp. zum Präsidenten der Zentralbank ernannt, der sich Forderungen nach sofortigen Zinssenkungen aus Lulas eigener Partei verweigerte.
Fast vier Monate nach seiner Vereidigung ist Zuma nicht von der marktwirtschaftlichen Linie abgewichen, die seine Anhänger im Gewerkschaftslager so empörte, als sein Vorgänger Mbeki sie praktizierte.
Anleger, die zunächst von Zumas Gewerkschaftsbindung irritiert waren, sagen jetzt, Zumas Südafrika biete gute Investitionsgelegenheiten.
Seit der Wahl am 22. April hat der Rand gegenüber dem Dollar 13 Prozent zugelegt; der Benchmarkindex für südafrikanische
Aktien ist um 26 Prozent gestiegen; und Kreditausfallswaps, mit denen sich Investoren gegen einen Zahlungsausfall bei südafrikanischen
Anleihen absichern können, sind um ein Drittel billiger geworden.
"Zuma scheint sehr solide Entscheidungen zu treffen", sagt Joseph Rohm, Manager des Africa & Middle East Fund bei T Rowe Price International Plc in London. "Es ermutigt uns, dass das wirtschaftsfreundliche Klima erhalten bleibt".
Zuma hat zwar ranghohe Funktionäre der Gewerkschaften und der kommunistischen Partei in sein Kabinett aufgenommen; die Finanz- und Geldpolitik können sie aber kaum beeinflussen.
Selbst der als Finanzminister entlassene Trevor Manuel hat eine neues Amt: er fungiert als Chef des staatlichen Planungsausschusses, in einer Position, die ihm einen gewissen Einfluss auf die große Linie der Regierungspolitik erlaubt.
Die Gewerkschaften geben sich derweil zuversichtlich, dass Zuma ihre Interessen wahren wird. Dabei hat Zuma beispielsweise am 10. Juli Forderungen nach einer Verstaatlichung der südafrikanischen Bergbaubetriebe abgetan, wie sie die ANC-Jugendorganisation sowie der Gewerkschaftsdachverband Congress of South African Trade Unions (Cosatu) erheben. Das sei "nur eine Debatte", meinte Zuma.
Die Gewerkschaften drängen Zuma, den Arbeitern und den Armen zu helfen, beispielsweise durch eine Senkung der Leitzinsen unter den derzeitigen Satz von sieben Prozent, aber auch durch vermehrte Sozialausgaben zugunsten von Kindern oder durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Derzeit ist fast jeder vierte Südafrikaner ohne Beschäftigung. Bergwerkkonzerne wie Anglo Platinum Ltd. und Lonmin Plc haben Tausende von Beschäftigten entlassen.
"Zuma muss die Gewerkschaften bei Laune halten, aber er kann auch nicht zulassen, dass die Investoren davonlaufen", meint Peter Attard Montalto, Analyst für Schwellenmärkte bei Nomura International Plc in London. "Die Gewerkschaften werden eine Menge Lärm machen, aber wir erwarten keinen nennenswerten
Wechsel in der Wirtschaftspolitik."
( Bloomberg )