Börse Express: Wie beurteilen Sie die Entwicklung bei den Unternehmensanleihen, die in letzter Zeit wieder populär geworden sind? Ist es schwierig, Volumina hier abzusetzen?
Christoph Klaper: Wir beurteilen den Markt für Unternehmensanleihen als äusserst attraktiv. Dies gilt sowohl für Investmentgrade- als auch High-Yield
-Anleihen. Vor allem Neuemissionen stossen auf grosses Kaufinteresse. Seit Anfang des Jahres wurde ein Rekordvolumen von über 190 Mrd.
Euro an Non-Financial Neuemissionen platziert. Mit Ausnahme von äusserst bonitätsschwachen
Unternehmen sind die Schleusen des Primärmarktes weit geöffnet, die Emissionen treffen noch immer auf einen durstigen Investorenkreis.
BE: Sind bei den Emissionen eher Institutionelle oder Retail-Investoren beteiligt?
Klaper: Wir meinen, dass sich vor allem institutionelle Investoren bei den durchwegs attraktiv gepreisten Neuemissionen engagieren. Retailanleber haben gar nicht die Möglichkeit, dieses grosse Volumen aufzusaugen. Aber auch für diese Investorengruppe ist es noch nicht zu spät, Unternehmensanleihen zu kaufen. Auf Sicht von einem Jahr sind wir für diese Asset-Klasse durchwegs optimistisch. Aufpassen sollte man jedoch bei Unternehmen mit sehr schlechter
Bonität, die bestehende Schulden nicht refinanzieren können.
BE: Mit welcher Renditeerwartung kann ein
Anleger rechnen?
Klaper: Derzeit bezahlen Investmentgrade- Anleihen eine durchschnittliche
Rendite von 4,5%. Bei deutlich riskanteren High-Yield- Anleihen erhält der Investor durchschnittlich 15,3%. Treffen unsere Prognosen ein, kann man mit Euro- Investmentgrade-Unternehmensanleihen auf Sicht von einem Jahr eine Gesamtperformance (Preis und
Kupon) von 10% erreichen. High-Yield- Anleihen trauen wir bis zu 50% zu. Zum Vergleich: Seit Jahresanfang 2009 weisen Investmentgrade- Unternehmensanleihen eine Gesamtperformance von 9,5% auf; High-Yield- Unternehmensanleihen sogar 32%.
BE: Auf Bloomberg quotiert die RZB beispielsweise in der letzten
voestalpine Emission nur geldseitig. Ist die Nachfrage nach dieser Tranche nach wie vor so hoch?
Klaper: Exakt, so ist es. Zur Zeit ist es quasi unmöglich, die 8,75% voestalpine 2013
Anleihe (AT0000A0D5J1) zu kaufen. Die Anleihe ist stark gesucht.
BE: Wie sieht die Stimmung generell am Markt aus?
Klaper: Die Stimmung hat sich deutlich verbessert. Das ist aber nicht das einzige. Auch die Liquiditätssituation präsentiert sich positiv. Unternehmensanleihen sind wieder relativ gut handelbar. Die Gründe sind vielfältig. Einerseits können sich Unternehmen wieder refinanzieren und reduzieren so das unmittelbare Ausfallsrisiko. Ein historisch niedriger
Leitzins hilft hier etwas mit. Unternehmen betrachten die Ansprüche der (Anleihen-)
Gläubiger gegenüber jenen der
Aktionäre als vorrangig. Das stiftet am Credit-Markt zusätzliches Vertrauen. Nicht zu vergessen ist, dass zahlreiche
Konjunktur-Vorlaufindikatoren auf eine Besserung der aktuellen Lage hindeuten.
BE: Ist in nächster Zeit mit einer neuen Emission eines Corporate Bond, wo Sie dabei sind, zu rechnen?
Klaper: Hierzu können wir seitens
Raiffeisen Research keine Auskunft geben. Aber es wird zu Emissionen kommen, die die RZB begleitet.
Interview:
Herbert Gmoser
Aus dem Börse Express vom 2. Juli 2009