Aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise haben viele Venture Capital-Gesellschaften ihre Anlagestrategien verändert und investieren kurzfristig weniger. Laut einer Umfrage von Deloitte Touche Tohmatsu (DTT) in Zusammenarbeit mit der European Private Equity & Venture Capital Association (EVCA) planen 51 Prozent der Befragten, weniger
Unternehmen zu finanzieren als ursprünglich geplant. Nur 13 Prozent wollen ihre Planzahl übertreffen.
Die Global Venture Capital Survey 2009, die Meinungen von mehr als 700 Venture Capital-Gebern weltweit erfasst, beleuchtet auch die Zeit nach der Wirtschaftsflaute. So weist die Umfrage auf eine verstärkte Internationalisierung der Venture Capital-Branche hin, da Zielregionen und Investoren in
Fonds zunehmend globaler werden. Gleichzeitig entwickelt sich die Cleantech-Branche zum Investitionsliebling der Venture Capital-Firmen.
"Der aktuelle Wirtschaftsabschwung hat dazu geführt, dass Risikokapitalgeber sich hauptsächlich auf ihre aktuellen Portfoliounternehmen konzentrieren", sagte Serge Prosman, Deloitte Financial Advisory Services CVBA. "Die Verfügbarkeit qualitativ hochwertiger Investmentchancen mit vernünftigen Bewertungen könnte die Aussichten für Venture Capital-Gesellschaften in Europa verbessern - sowohl im Hinblick auf die investierten Kapitalmengen als auch auf die Erträge."
Trotz einer Tendenz zu abnehmenden Investitionsvolumina verändert die Mehrheit der Venture Capital-Firmen ihre Strategien hinsichtlich der Zielbranchen für ihre Investitionen nicht. Das Gros der Venture Capital-Geber (79 Prozent) rechnet mit stabilen Investitionshöhen in allen Branchen, mit Ausnahme des Cleantech-Sektors. Hier erwarten 63 Prozent der Befragten einen Anstieg ihrer Investitionen in den nächsten drei Jahren. So planen in Europa 71 Prozent der befragten Venture Capital-Unternehmen, mehr in Cleantech zu investieren. Technologische Fortschritte, steigende Nachfrage nach alternativen Energien und die ambitionierten Pläne der Regierungen in aller Welt, in Erneuerbare Energien zu investieren, machen diese Branche zu einem Hauptziel für den Venture Capital-Sektor.
37 Prozent der Befragten erwarten vermehrte Kapitalzuflüsse zu Unternehmen aus der Medizingerätebranche, die zweitwichtigste Zielbranche für Venture Capital. Es folgen die Branchen Neue Medien (26 Prozent), Konsumgüterindustrie und Biopharmazeutik (24 Prozent) sowie
Software (22 Prozent). Weniger optimistisch sehen die Befragten die Wachstumschancen für ausgereifte Branchen wie Telekommunikation (15 Prozent) und die Halbleiterindustrie (6 Prozent).
Die
Rezession hat zudem dazu geführt, dass zahlreiche Venture Capital-Gesellschaften andere Finanzierungsphasen angehen. So planen 36 Prozent der Befragten, sich stärker auf Later Stage-, d.h. Spätphasen-Finanzierungen, zu konzentrieren und damit bereits bestehende Portfoliounternehmen zu unterstützen, bis die
Exit-Märkte sich erholt haben. Nur 6 Prozent wollen stärker im Early Stage-, d.h. Frühphasen-Bereich, investieren, um damit Unternehmen länger auf ihrem Weg des Unternehmenswachstums zu begleiten.
Geringere Investoren-Bereitschaft
Es wird erwartet, dass als Folge der Wirtschaftskrise Limited Partner in den nächsten drei Jahren weniger Bereitschaft zeigen, in die Anlageklasse Venture Capital zu investieren. Die Befragten gehen davon aus, dass vor allem Geschäftsbanken (88 Prozent), Anlagebanken (87 Prozent), Versicherungsgesellschaften (65 Prozent) und von Unternehmen betriebene Fonds (63 Prozent) ihre Venture Capital-Investitionen reduzieren. 54 Prozent der Befragten glauben, dass sich Regierungen dem Venture Capital verstärkt zuwenden, gefolgt von Unternehmen und Family Offices (23 Prozent) sowie Dachfonds (22 Prozent).
Die Venture Capital-Geber sehen die Regierungen aller Länder in der Pflicht bei der Förderung von Innovationen in ihrem Land. Auf die Frage, was in den nächsten zwölf Monaten am wichtigsten sei, um Technologien zu fördern, forderten 66 Prozent die Einführung günstiger Steuerregelungen. 40 Prozent pochen auf die Unterstützung des Unternehmertums in den Ländern, 31 Prozent wünschen sich eine Ankurbelung der Public Markets. 29 Prozent glauben, dass verbesserte Zugriffsmöglichkeiten auf Eigenkapitalquellen die Innovation vorantreibe.
Langfristig gesehen bleibt die Mehrheit der Befragten optimistisch gestimmt. Mit 51 Prozent hält mehr als die Hälfte die Zeit für günstig, um Investitionen in vielversprechende Unternehmen zu tätigen. 45 Prozent der Befragten planen, den nächsten Fonds größer aufzulegen als den aktuellen, für den sie derzeit Gelder einsammeln.
"In Zeiten von Kapitalmangel und wirtschaftlichem Abschwung zeigt die Umfrage, dass die Venture Capital-Branche Investitionen derzeit für günstig hält", sagte Georges Noël, EVCA's Venture Platform Leader. "Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass der Abschwung vielleicht zu einer stärken Internationalisierung der Investoren
-Basis und auf Seiten der Beteiligungsgesellschaften zu einer geografischen Erweiterung bei der Suche nach Zielunternehmen führen wird."